Tagebucheintrag – Datum unbekannt

Ich schreibe diese Zeilen nur, um nicht den Verstand zu verlieren. Vielleicht, wenn ich die Worte niederlege, ergibt das alles irgendwann einen Sinn. Doch im Moment fühlt sich nichts real an. Wir sind heute… erwacht, glaube ich. Erwacht an einem Ort, den keiner von uns kennt. Keine Erinnerungen, keine Namen, nicht einmal ein Bild davon, wer wir früher hätten sein können. Nur dieses nagende Gefühl, dass etwas fehlt — etwas Wichtiges.

Wir sind eine merkwürdige Truppe, zusammengewürfelt wie Treibholz nach einem Sturm. Jeder mit einem Gesicht, das mir gleichzeitig fremd und vertraut vorkommt. Eine Frau mit scharfen Augen, die offenbar instinktiv Befehle geben kann. Ein schweigsamer Mann, dessen Hände von jahrelanger Arbeit erzählen, obwohl er sich an keinen einzigen Tag davon erinnert. Ein paar andere, jeder mit eigenen Eigenheiten, aber niemand mit Antworten.

Wir haben uns notdürftig eine Art Lager errichtet. „Unterkunft“ wäre ein zu großes Wort dafür, es ist kaum mehr als ein paar notdürftig zusammengesuchte Stämme und Fetzen, die uns vor dem Wind schützen sollen. Die Nächte sind kalt. Die Geräusche in der Ferne… noch kälter.

Unsere Vorräte sind lächerlich gering. Ein paar Beeren, die vielleicht essbar sind. Ein paar improvisierte Stöcke, die man großmütig als Waffen bezeichnen könnte. Wir haben Späher geschickt — zwei Gruppen. Sie sollen herausfinden, ob es hier Nahrung gibt, Wasser, irgendetwas Brauchbares, bevor wir alle verhungern oder erfrieren. Ich wünschte, ich hätte Vertrauen in ihre Rückkehr. Aber dieses Land… es fühlt sich feindlich an. Nicht nur fremd — feindlich.

Manchmal frage ich mich, ob ich früher gebetet habe. Ob ich einer Gottheit vertraut habe, oder einer ganzen Schar davon. Ob meine Hände jemals ein Gebet gefaltet haben, oder ob das nie zu meinem Leben gehörte. Ich weiß es nicht. Nichts davon weiß ich. Aber während ich hier sitze und die Schatten länger werden, kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht egal ist. Vielleicht ist jetzt nicht die Zeit für Wissen, sondern für Hoffnung. Und wenn es irgendein Wesen gibt — ein Gott, ein Geist, irgendetwas — das uns hier herausführen kann, dann wäre jetzt der richtige Moment, sich bemerkbar zu machen.

Doch bis dahin bleibt uns nur das Warten. Und das Schreiben. Und die Angst, die wie ein hungriges Tier im Dunkel sitzt und zusieht, wie wir schwächer werden.

Ich hoffe auf Morgen. Aber ich fürchte, dieses Land hat keinen Platz für Hoffnung.