Seit vielen Tagen widme ich mich nun der Kunst des Schmiedens. Nicht aus einem plötzlichen Entschluss, sondern aus einer stillen Faszination für Erz, Glut und das Formen von Metall durch Geduld und Arbeit.
So vieles beginnt im Stein… und endet doch unter dem Hammer.
Viele Tage verbrachte ich in der Mine, an der öffentlichen Esse und später in meinem Laden. Zwischen dem Klang der Spitzhacke im Gestein und den ruhigen Momenten danach blieb stets Raum für Gedanken, mehr als mir anfangs bewusst war.
Je länger ich arbeite, desto weniger ist es nur Handwerk… und desto mehr wird es Verständnis.
In Eulenrast kam es immer wieder zu Gesprächen über das Schmieden. Doch nur selten mit anderen Schmieden. Meist unterhielt ich mich mit Kriegern, anderen Handwerkern, die ganz eigene Blickwinkel auf Metall und Werkzeuge hatten.
Und dennoch hörte ich ihnen aufmerksam zu.
Ein Krieger denkt an Klingen. Ein Koch an Werkzeuge. Und ich denke an das Metall selbst.
Diese Gespräche waren nie bedeutungslos. Sie zeigten mir, wie sehr unser Handwerk den Alltag aller berührt, auch wenn nur wenige die Kunst dahinter wirklich bedenken. Jeder nutzt, was geschmiedet wird, doch das Wissen über Materialien, Techniken und Baupläne bleibt oft beim Einzelnen.
Zu viel Wissen liegt still in einzelnen Händen.
Viele Tage vergingen in der Mine, während ich Erz förderte und meine Gedanken immer wieder zu denselben Fragen zurückkehrten. Jeder lernt für sich. Jeder forscht für sich. Jeder entdeckt neue Wege im Stillen.
Warum arbeiten wir nebeneinander… aber nicht miteinander?
Eines Abends saß ich wieder in meinem mittlerweile erarbeiteten Laden. Kein Lärm von Werkzeugen, kein Funkenflug, nur die Stille eines langen Arbeitstages und der Geruch von Metall und Staub in der Luft.
Hier endet die Arbeit des Tages… doch die Gedanken bleiben.
Dieses Land ist für uns Erwachte noch immer fremd. Seine Erze, seine Materialien und die Geheimnisse unter dem Stein sind kaum verstanden. Jeder neue Bauplan, jede Erkenntnis entsteht meist verborgen, irgendwo zwischen Mine und Werkbank.
Wissen, verstreut wie Erzadern im Fels.
Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir ein Gedanke, der leise, aber beständig zurückkehrte.
Nicht allein lernen… sondern Wissen verbinden.
Nicht aus Ehrgeiz. Nicht aus Ruhm. Sondern um der Gemeinschaft das zu bieten, was sie wirklich braucht. Bessere Werkzeuge, verlässliche Ausrüstung und ein tieferes Verständnis für die Metalle dieses fremden Landes.
Ich erhob mich schließlich langsam von meinem Platz, griff nach meiner Spitzhacke und legte sie mir auf die Schulter. Mein Blick wanderte kurz zur Tür, bevor ich meinen Laden verließ und den Weg in Richtung Mine einschlug.
Dort, wo Erz verborgen liegt… reifen auch die Gedanken eines einfachen Schmieds.
*Er streckte und reckte sich, gähnte laut und blickte sich um, als der Schlaf langsam aus seinen Augen wich. Wo war er? Wer war er? Egal, wo er hinschaute, ihm kam nichts bekannt vor. Die Bäume, das Gras, der Himmel, nichts kam ihm bekannt vor. Er rieb sich den Kopf. Nackte Haut strich über nackte Haut, er erschrak. Müsste da nicht etwas sein? War das schon immer so? Er hatte kein Haar auf dem Kopf! Warum nur?
Neben ihm lag ein kleiner Beutel. Er öffnete ihn langsam. Ein spitzes Ding, das auf einem Holzstock steckte, ein kleines, hartes Etwas, auch dies war auf einem Holzstiel, doch war es viel kleiner als das andere und nicht spitz. Zudem war etwas in dem Beutel, das ihn schmerzte, als er damit herumhantierte und den Finger zwischen etwas steckte und mit der anderen Hand zudrückte. Was? Verflucht?
Er nahm den Beutel und hängte ihn über. Es schien genau dafür gemacht zu sein. Und dann machte er sich auf den Weg. Auf den Weg? Wohin sollte er gehen? Er traf auf einen Weg, zumindest auf etwas, das aussah wie etwas, auf dem man wandern konnte. Dies grüne Zeug wuchs nicht darauf. Also folgte er diesem Weg.
Er kam zu einem Loch in einem Berg. Geräusche drangen aus ihm hervor. "Pock! Pock! Pock!" Immer wieder klangen die Geräusche rhythmisch in sein Ohr. Vorsichtig näherte er sich dem Loch und spähte hinein. Sehen konnte er nicht viel, doch ein Schemen ließ ihn erahnen, dass dort eine andere Person stand. Sie hielt das Teil in der Hand, welches auch er in seinem Beutel bei sich trug. Immer wieder sauste das Teil auf das Gestein nieder. Dann und wann hielt die Person inne und schaute sich das, was er da vom Berg abschlug, genauer an. Er nahm sich den Beutel vom Rücken. Dabei fiel ihm etwas auf: Es war etwas in den Beutel, in das feine Leder getrieben, Buchstaben, Worte. Die ersten beiden Buchstaben fand er auch auf dem Stiel der Picke. C.M. und das, was da in den Rucksack getrieben stand, war Cerberon Meril. Hmm, was mochte dies bedeuten?
Er wagte sich weiter in das Loch in dem Berg. Aus einem Seitenarm kam auf einmal eine weitere Gestalt auf ihn zu. Er war wie er, doch hatte er etwas auf dem Kopf: Haare. Der Fremde hob die Hand "Seid gegrüßt Fremder! Seid ihr ein Bergmann?" Ein was? Was wollte die Person von ihm? Er nickte und lächelte. "Ja, gewiss! Was wohl würde ich sonst in diesem Loch treiben wollen?" Der Fremde nickte nur knapp und ging seines Weges.
Er griff sich das große Ding mit dem Stiel, schaute noch einmal zu dem anderen, der dort auf den Berg einschlug, und machte es ihm nach. "Pock! Pock! Pock!" Große Brocken Gestein flogen in alle Richtungen.
"Haltet ein Fremder! Ihr lasst hier noch alles einstürzen!" Ein weiterer Mann kam auf ihn zu, auch er trug solch ein Teil in der Hand. "Ihr seid wohl noch nicht lange Bergmann? Kommt, ich will euch zeigen, wie ihr die Picke halten müsst." Eine Picke, das war also der Name des komischen Teils. Der Fremde zeigte ihm, wie man Erze aus dem Berg trieb und das Gute von dem Geröll trennte. Als sie so einen Moment still nebeneinander auf den Berg einschlugen, hielt der Fremde auf einmal inne "Verzeiht meine Manieren, ich hätte mich auch gleich vorstellen können. Mein Name ist Olaf Hammerschlag. Bergmann und Schmied meines Zeichens." Er nickte Olaf zu und lächelte verlegen. "Ah ja sehr schön für euch!" Einen Namen, er brauchte einen Namen. Was stand da noch auf dem Leder in seinem Rucksack? Ach ja! "Mein Name scheint wohl Cerberon zu sein, Cerberon Meril!" Olaf nickte ihm freundlich zu. "Es ist mir eine Freude, Herr Meril." Erneut nickte und grinste Cerberon nur schief. Sie standen noch eine Weile nebeneinander, dann machte ich Olaf auf den Weg. "Wo wollt ihr hin, werter Herr Olaf?" Den schweren Sack in der Hand deutet er mit der Picke zum Ausgang. "Ich will rasch ein paar Barren schmelzen." "Ihr wollt was?" "Ein paar Barren schmelzen aus dem Erz, das ich gerade gewonnen habe." Erneut nickte Cerberon nur knapp. "Könnt ihr mir zeigen, wie ihr dies macht?" Nun war es an Olaf zu nicken. Er wies ihn an, wie man aus dem gewonnenen Erz Barren goss. Es ging Cerberon wahrlich leicht von der Hand. Hat er dies schon einmal getan? War er Bergmann?
Olaf zeigte ihm dann noch, wie man aus den gewonnenen Barren etwas von Nutzen fertigte. Einen Dolch, eine Sense oder ein Schild. Auch Cerberon versuchte sich daran. Dafür waren also die anderen Dinge in seinem Rucksack, Herr Olaf nannte es Schmiedehammer und Zange. Er versuchte sich an einem langen, spitzen Ding mit einem Griff für eine Hand. "Ihr scheint Talent zu besitzen, Herr Meril. Ihr habt da ein feines Schwert gefertigt." Also war er wohl Schmied, zumindest bereitete es ihm Freude, das glühende Metall in Form zu bringen.
Als es in der Höhle so dunkel war, dass man kaum noch die Hand vor den Augen sah, fragte Olaf, wo Cerberon wohl nächtigen würde wollen. "Ich werde mich hier neben das große, warme Ding hier kauern. Es soll für mich reichen in dieser Nacht!" "Neben dem Hochofen? Auf gar keinen Fall. Ihr kommt mit zu mir nach Hause und könnt unter meinem Dach nächtigen. Dort ist es warm und trocken." Cerberon war dankbar für das Angebot. Die Nacht schien kalt zu werden an diesem Tag. Und so gingen sie nebeneinanderher zu dem kleinen Haus, welches Olaf bewohnte.
Einige Tage waren vergangen. Olaf hatte ihm beigebracht, was er wusste und in Erfahrung gebracht hatte. Er berichtete, dass es ihm ähnlich wie Cerberon erging. Er wachte hier auf und wusste nicht was? Wieso? Und wann? Aber viel wichtiger: Wer? Die beiden Männer verband die Freude, aus dem gewonnenen Metall neue Dinge zu formen. Nächte lang saßen sie zusammen und tüftelten darüber, wie sie etwas fertigen könnten, das der Gemeinschaft von Nutzen sein würde. Das erste war ein großer, schwerer Hammer. Olaf sagte, es wäre die richtige Waffe für jemanden namens Thorus. Und in der Tat, der Herr war so begeistert von der Waffe, dass er ihr sogleich einen Namen gab. Sie entwarfen eine Sichel, eine Schaufel und eine Sense aus einem Metall, das man hier Federstahl getauft hatte.
Als sie eines Abends in der Eulenrast saßen und sich nach der harten Arbeit eine Suppe gönnen wollten, sprach Herr Alfred sie an. Der Schmied, der seinen Amboss und seine Esse direkt vor den Eingang des kleinen Rasthauses aufgebaut hatte. "Bah, hier riecht es immer noch so komisch!" Waren die ersten Worte, als er in den Raum trat. Cerberon blickte zu Olaf und Olaf zu Cerberon. Schon länger gehrte die Idee, in beiden die Schmiede und Feinschmiede unter einem Dach zu vereinen. Sie wussten nicht, warum, aber Herr Olaf sagte, es klang gut, wollten sie es eine Zunft nennen. Eine Gemeinschaft von Schmieden und Feinschmieden, die sich unterstützen würden und Dinge ersonnen, welche der Gemeinschaft helfen sollten. Ein jeder sollte behilflich sein. Die Ergebnisse wolle man teilen unter den Leuten, die sich ihnen anschließen würden. Ein Haus hatten sie gefunden. Ein großes Haus mit viel Platz für das Vorhaben. Unweit der Stollen war es gelegen und man musste nicht viel tun, um es in ein Haus der Schmiede umzubauen. Beide nickten und Cerberon ergriff das Wort. "Herr Alfred, was habt ihr nur?" Alfred berichtete den beiden Männern, dass er es leid war, den ganzen Tag vor der Tür ohne ein Dach über dem Kopf stehen zumüssen. Und wenn er dann in den Raum trat, würde es ihm übel aufstoßen, so übel roch es für ihn. Cerberon berichtete von der Idee, welche Olaf und er verfolgen wollten, und Alfred hörte sich das aufmerksam an. Ein Wort ergab das nächste und schon fanden die Drei sich auf dem Weg zu dem Haus, welches die beiden für die Zunft hergerichtet hatten. Sie zeigte Alfred, was ihre Pläne waren und was sie noch ändern wollten. Der Schmied, der schon seit Tagen vor der Eulenrast stand, war von der Idee begeistert und sicherte den Beiden zu, dass er sich ihnen anschließen wollen würde, wenn sie eine Schmiede in dem Haus einrichten würden. Dann, ja dann würde er seine Dienste im Haus der Schmiede anbieten wollen.
Weit in Blutkamm West, dort wo Fels auf Holz trifft und der Wind ungefiltert durch die Senke zieht, hallt an diesem Tag ungewohntes Treiben.
Das Schaben von Metall an Mauerwerk.
Das Reißen von Ranken.
Und hier und da ein deutlich vernehmbares Fluchen.
Wir wissen nicht, wie alt dieses Gemäuer ist.
Wir wissen nicht, wie lange es leer stand.
Vielleicht spielt es auch keine Rolle.
Ich stand draußen vor der Fassade, die Sichel fest in der Hand.
Efeu hatte sich tief in die Balken gezogen, Ranken hingen schwer über Fenster und Wände, als wollten sie das Haus verschlingen.
Mit ruhigen Bewegungen trennte ich Grün von Stein.
Zog Wurzeln aus der Erde... bis eine besonders widerspenstige sich nicht lösen wollte.
„Verdammtes Zeug…“
Ein Ruck. Erde spritzte. Die Wurzel gab nach.
Drinnen antwortete ein dumpfes Poltern, gefolgt von einem knappen:
„Beim Hammer…“
Cerberon.
Er hatte sich dem Inneren angenommen, während ich mich um das kümmerte, was von außen sichtbar war.
Einer legt frei, was wuchert. Der andere vertreibt, was geblieben ist.
Fauliges Stroh wurde hinausgetragen. Staub quoll aus der offenen Tür. Spinnweben rissen unter festen Griffen. Der Besen kratzte über Dielen.
Wieder ein Fluch — diesmal von mir, als sich Efeu in meiner Kleidung verhakte.
„Lass los…“
Ein dumpfes Klopfen aus dem Inneren verriet, dass auch der Kamin nicht verschont blieb.
Kein Dreck blieb unberührt.
Als ich schließlich zur Tür trat, war der Raum kaum wiederzuerkennen.
Der Boden frei. Die Wände sichtbar. Die Luft klarer.
Cerberon stand im Inneren, prüfend, ruhig.
Ich draußen, den Blick über die freigelegte Fassade schweifend.
Blutkamm West ist an diesem Tag kein stiller Ort mehr.
Sondern ein Ort der Arbeit.
Und wer genau hinhört, vernimmt zwischen Besen, Sichel und Stein nicht nur das Kratzen von Werkzeug —
sondern auch das gelegentliche, ehrliche Fluchen zweier Männer, die beschlossen haben, dass dieser Ort nicht länger verfallen soll.
Manche Dinge richtet man nicht mit großen Worten auf.
Sondern mit Schweiß, Staub... und einem Fluch hier und da.
Das Gatter stand zuerst zwischen uns und dem, was werden sollte.
Nicht mit Gewalt – sondern mit Bedacht wurden die Tore aus den Angeln gehoben. Vorsichtig. Stück für Stück.
Wir werden sie wieder brauchen.
Die Tränke wurden gereinigt. Altes Wasser ausgeschüttet. Schlamm und Rückstände entfernt. Danach trugen wir sie gemeinsam in die andere Ecke des Hofes. Dort, wo sie nicht länger im Weg standen, sondern Platz schufen.
Drinnen am Gatter wartete noch Arbeit.
Der Misthaufen im Verschlag – schwer, feucht, über lange Zeit gewachsen. Mit der Schaufel luden wir ihn in die Karre. Mehrmals. Kein Wort zu viel. Nur das dumpfe Geräusch von Erde und Stroh, das sich vom Boden löste.
Seltsam, wie viel leichter ein Ort wirkt, wenn man den alten Dreck entfernt.
Im Vorbau, wo einst Pferde standen, begannen wir mit dem Abriss der Holzverschläge. Bretter knackten unter Druck, Nägel wurden gelöst, Balken aus den Fugen gezogen. Kein wilder Zorn – nur entschlossene Hände.
Die brauchbaren Bretter legten wir sauber auf den Holzscheithaufen am Haus.
Ordnung entsteht nicht von selbst.
Als der Stall offen war, wirkte alles weiter. Luftiger. Als hätte das Haus selbst darauf gewartet.
Zum Schluss nahmen wir uns den Verschlag am Hang vor.
Stein für Stein wurde gelöst. Gute Steine sortierten wir sorgfältig aus und legten sie beiseite. Sie werden wieder gebraucht werden.
Der Rest – brüchig, mürbe, ohne Wert – wurde am Felsen gestapelt.
Nicht alles aus der Vergangenheit trägt in die Zukunft.
Als wir schließlich nebeneinander standen und den freien Raum betrachteten, war nichts Prunkvolles entstanden. Kein Glanz. Kein Schmuck.
Nur Platz.
Platz für Feuer.
Platz für Eisen.
Platz für das, was noch kommen wird.
Wer genau hinsah, erkannte es:
Das Haus stand nicht länger leer.
Es wurde vorbereitet.
Und mit jedem entfernten Brett, jedem gesäuberten Stein, rückte der Gedanke näher, dass hier mehr entstehen würde als nur eine Werkstatt.
Hier entsteht Bestand.
