Tief im Waldland!
 
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Tief im Waldland!

Erol66
(@erol66)
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Topic starter  

Der Wald atmete in dünnen Nebelschwaden, als Thorus durch das gefallene Laub stapfte. Er war kein Fremder des Unterholzes, doch dieser Teil des Waldes schien von einer seltsamen Schwere erfüllt. Die uralten Bäume, knorrig und schwarz wie verbrannte Knochen, reckten ihre Äste gen Himmel, als wollten sie den sterbenden Sternen die letzten Tropfen Licht entreißen. Mit jedem Schritt schien das Schattengeflecht dichter zu werden, als saugten die Dämmerungen des Waldes jedes Geräusch in sich hinein.

Thorus bewegte sich ohne Hast, aber mit der steten Wachsamkeit eines Kriegers, der gelernt hatte, dass Stille selten harmlos war. Sein Griff um den Schaft seines Flegels war locker, doch bereit. Sein Blick, bernsteinfarben und scharf, glitt über die moosbedeckten Reste alter Pfade, als suche er etwas Bestimmtes. Und doch war es kein Ziel, das nur nach Wolle verlangte — es war ein Drang, der aus der Dunkelheit selbst zu kommen schien: "ein Ruf nach Leben in einer Welt, die mehr Tod als Licht kannte".

Seit Tagen hatte er durch das Unterholz gestreift. Hofte auf Schafe oder Mufflons, auf die er Wolle gewinnen konnte, um den Bestand der Gruppe zu stärken. Waffen und Beute genügten Kriegern, doch Kleidung und Schutzausrüstung genügten nicht nur dem Körper — sie schützten den Geist. So war es jedenfalls die Logik, die Thorus trieb.

Der Duft von feuchter Erde vermischte sich mit einem Hauch von verbranntem Moos. Der Krieger wusste, dass der Wald kein Ort der Wärme war, sondern ein Mahnmal uralter, unausgesprochener Schrecken. Selbst der Wind schien flüstern zu wollen, doch seine Worte zerfielen zu glitschigen Lauten, bevor sie das Ohr erreichten.

Nach einer Weile wurde der Pfad deutlicher, brüchig und vom Alter gezeichnet. Der Boden unter seinen schweren Stiefeln knirschte, als hätte er Knochen zerbrochen. Doch dann… ein Ton, ein leises Tierlaut, schneidend durch die Stille wie ein Eisenspalt. Thorus verharrte, die Muskeln angespannt, und glitt mit dem Blick zur Lichtung vor ihm.

Die Reste eines verfallenen Dorfs, schon halb vom Wald verschlungen, boten dem Schleierlicht nur bruchstückhafte Silhouetten von Mauern und Ruinen. Dort — innerhalb eines niedrigen, halb zusammengebrochenen Zauns — bewegte sich etwas Großes, Zotteliges. Schafe! Ungeschoren, zermürbt vom Leben im Unterholz, doch lebendig. Ihre dunklen Augen blitzten im Halbdunkel.

Doch die Stille war trügerisch.

Ein Grollen, tief und hungrig, machte die Luft schwer. Wie Schatten aus purem Hunger schoben sich Gestalten aus dem Dickicht. Wölfe, deren Fell so schwarz war wie die Nacht zwischen den Sternen, rings um das Dorf verstreut. Die Tiere bewegten sich lautlos und doch mit einer gekrümmten, grausigen Anmut, die jedes Blut in der Brust gefrieren ließ.

Thorus’ Hand schloss sich fester um die Waffe. Zwischen ihm und den Schafen lag nur dünnes, morsches Holz und dieser wölfische Schattenhauch. Er atmete ein, langsam, als wolle er die Gefahr selbst kosten. Sein Herz pochte in der Brust wie das Gewicht eines Schmiedehammers auf Ambossstahl.

Dann setzte er den ersten Schritt vorwärts.

Ein kurzer Blick wanderte über die zitternden Tiere, dann wieder zu den Augen der Wölfe — die in ihm nicht das Lamm sahen, sondern eine weitere Beute. Doch Thorus war nicht zum Fürchten gekommen. Er war gekommen, um zu kämpfen. Um zu schützen. Und vielleicht, nur vielleicht, um mehr zu finden, als er gesucht hatte.

Die Wölfe knurrten, der Wald hielt den Atem an.

Und irgendwo dort draußen, jenseits der Lichtung, wartete Hilfe — oder Tod.

"Fortsetzung offen — wer folgt Thorus?"



   
Nephren-Ka reacted
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