Eine neue Ortschaft...
 
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Eine neue Ortschaft..

(@Anonymous 89)
Joined: 1 Monat ago
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Tief im Herzen des Waldes, wo das Licht nur gefiltert durch die mächtigen Kronen uralter Bäume fiel, zog eines Tages eine kleine Gruppe von Wanderern durch das Dickicht. Sie waren müde von langen Wegen, vom ständigen Wechsel der Lagerplätze, und suchten nichts weiter als einen Ort, an dem sie für eine Weile bleiben konnten.

Zwischen Moos, Farnen und überwucherten Pfaden stießen sie schließlich auf etwas Unerwartetes:
ein verlassenes Dorf.

Die Hütten standen schief, ihre Dächer waren teilweise eingestürzt, und Efeu hatte sich wie ein grüner Schleier um Mauern und Fenster gelegt. Doch trotz der offensichtlichen Aufgabe lag über dem Ort eine seltsame Ruhe. Nicht unheimlich, sondern wartend, als habe das Dorf nur auf neue Stimmen gehofft.

Zögernd betraten sie die alten Gassen. Sie entzündeten Feuerstellen, flickten Dächer, räumten Schutt beiseite. In den ersten Nächten schliefen sie leicht, lauschten auf jedes Knacken im Wald, doch mit jedem Sonnenaufgang wuchs ihre Zuversicht. Bald schon klang wieder Leben zwischen den Hütten. Lachen, das Schlagen von Holz, leise Gespräche am Feuer.

Neugier trieb sie weiter. Sie erkundeten die Umgebung, folgten Wildpfaden, durchquerten dichte Haine und überwachsene Lichtungen. Eines Tages stießen sie auf eine Anhöhe, auf der sich zwischen mächtigen Eichen und Felsen die Ruinen einer Festung erhoben. Ihre Mauern waren von Ranken umschlungen, doch selbst in ihrem Verfall strahlte sie Stärke aus.

Von dort oben ließ sich der ganze Wald überblicken, und tief unter ihnen lag das Dorf, klein, aber lebendig.

Sie begriffen, dass dieser Ort mehr war als nur ein Zufluchtsplatz. Er war ein Schutz, ein Versprechen von Beständigkeit mitten in der Wildnis.

Nach einigen Tagen des Beratens und stillen Nachdenkens beschlossen sie, dem Ort einen Namen zu geben, einen der sowohl den Wald als auch die wachsame Festung ehrte.

Fortan sollte dieser Platz Eichenwacht heißen.., ein Name für die starken Bäume, die ihn umgaben und für die alte Festung, die über ihn wachte.

Doch ein Name allein genügte ihnen nicht.
An den alten Wegen, die in das Dorf führten, standen noch verwitterte Holzschilder, deren Schrift vom Regen ausgewaschen und vom Moos fast verschlungen war. Niemand konnte mehr lesen, wie dieser Ort einst geheißen hatte.

Also fertigten sie neue.

Aus frisch geschlagenem Eichenholz schnitzten sie Tafeln, schlicht, aber sorgfältig. Mit ruhiger Hand ritzten sie die Buchstaben ein und schwärzten sie mit Harz und Kohle:

EICHENWACHT

Als sie die neuen Schilder aufrichteten und die alten, zerfallenen ersetzten, wirkte es, als hätte der Ort endgültig seinen Schlaf abgeschüttelt.
Nun wusste jeder, der den schmalen Pfad durch den Wald fand, dass hier wieder Leben herrschte  und dass dieser Platz einen Namen trug, der bleiben sollte.

Und so wurde aus einem vergessenen Dorf eine neue Heimat. Nicht groß, nicht prunkvoll aber tief verwurzelt im Wald und in den Herzen jener, die geblieben waren.


This topic was modified 1 Monat ago by Anonymous

   
Cois and Nephren-Ka reacted
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