Seelen ohne Geschic...
 
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Seelen ohne Geschichte

Morgenstern
(@morgenstern)
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Joined: 4 Wochen ago
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Es ist kaum zu beschreiben was ich empfinde, die Leere die mein Innerstes ausfüllt, während zugleich die Wogen der Eindrücke in mir widerhallen. Ich gehe immer wieder gegen eine Wand aus Schatten, und jedes Mal zerschellt etwas in mir, fällt zurück in sich selbst. Meine Erinnerungen stehen dahinter, unerreichbar, wie Stimmen unter Wasser. Doch das Erstaunliche ist, ich bin nicht allein, da sind auch andere Menschen die mein Schicksal teilen und niemand weiß wie uns geschieht. Allein was zählt ist das blanke Überleben, jeder klammert sich an den neuen Tag, es ist zu spüren, wie einige die Tatsache des Ungewissen ausblenden als wäre es nie geschehen. Wo ist deren Angst?Warum sorgen sie sich nicht und zermartern sich ihr Hirn so wie ich es tue?

Ich brauche Antworten, werde ich sie je erhalten?

Es sind nun erst einige Tage vergangen seit ich an diesem Strand mein Bewusstsein erlangte. Eine fremde Welt, Gerüche, die ich zuvor noch nie wahrgenommen zu haben scheine. Ich selbst bin mir fremd, in Leder gekleidet, einen kleinen Bogen im Gepäck, rot schimmerndes langes Haar, wer bin ich? Einzig hallt ein kurzer Name in mir wider - Kat. Wurde ich so genannt?   Meinem Überlebensinstinkt folgend wanderte ich durch einen wilden düsteren Wald, versteckte mich vor wilden Tieren die meinen Weg kreuzten, ernährte mich von Beeren und fand nach einigen Tagen der Wanderung eine Straße die mich zu einer Siedlung lenkte. 

Dort traf ich auch die Anderen, solche deren Schicksal dem meinen glich. Sie nahmen mich mit einer Selbstverständigkeit auf die mich überraschte, boten mir Speis und Trank und einen Ort zum Übernachten an, ganz ohne Gegenleistung. 

Eulenruh. 

Ich werde mich erkenntlich zeigen, helfen wo ich kann, denn hier bin ich vorerst nicht allein, auch wenn die innere Stille mich aufzufressen droht.

 

Morgenstern


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Morgenstern
(@morgenstern)
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Dann zog es mich weiter hinein ins tiefe Waldland und dort traf ich auf eine Gemeinschaft die eine Siedlung namens Eichenwacht gegründet hatte. Freundliche, fleißige Menschen und es geschah ganz ohne Mühe, dass ich dort gar eine bezahlbare Wohnung fand. Ich richtete mich ein, sehr spärlich, doch es gab eine Tür die ich abschließen konnte und ein Feuer in der Küche, auf dem ich meine Mahlzeiten erwärmen konnte. Ein Ort der Ruhe, endlich ohne Angst schlafen und nicht bei jedem kleinsten Geräusch zusammenschrecken müssen. Ein Heim, vielleicht, zumindest ein Anfang. Die Tage zogen ins Land, ich erkundete den tiefen Wald, jagte und sammelte alles was essbar und nützlich schien. Etwas Seltsames geschah, als Alira mir ihren verletzten Arm zeigte. Augenblicklich schien ich zu wissen was zu tun sei, säuberte die Wunde und verband sie recht geschickt aufs Neue, so als wäre dies nicht mein erstes Mal gewesen. Auch dem alten hustenden Bergmann empfahl ich heiße Dampfbäder die er einatmen solle, woher nur kam dieses Wissen? 

Heute Abend nahm ich an der Versammlung der Eulenwachter Siedler teil. Wir überlegten was dieser Ort am Nötigsten brauchte, welche Arbeiten erledigt werden mussten und wer was übernehmen wolle. Konrad bot sich an das Heilerhaus zu betreuen und sogleich bot ich mich an ihm dabei zur Seite zu stehen. Das Richtpodest sollte weg, Blut wollten wir entfernen und die Siedlung von Müll befreien. Ich brauchte einen Sinn in diesem neuen Leben, eine Aufgabe die mich von dem stetigen Grübeln abhielt. 

 

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Morgenstern
(@morgenstern)
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Der heutige Tag stand ganz im Zeichen bleierner Müdigkeit. Noch immer spürte ich die Nachwirkungen der vergangenen Nacht, in der wir den Friedhof und Konrads Hütte bewacht hatten. Eine dunkle Gestalt hatte den armen Konrad überfallen, doch Leomar und ich waren wie durch eine glückliche Fügung zur Stelle. Kaum das wir uns näherten und Konrads Namen riefen, ergriff der Fremde die Flucht und verschwand in der Finsternis. Wir folgten seinen Fußspuren am Strand, doch dann lösten sie sich auf, als wäre er fortgeflogen. 

So hielten wir Wache, während Cahir und Konrad hinauf ins Dorf gingen um den Handwerker aus Eulenrast zu untersuchen. Man fürchtete, dass jener die Schimmelseuche mit sich geführt haben könnte. 

Leomar lieh mir seinen warmen Umhang und wir starrten in die dunkle Nacht hinein. Trotz der verängstigenden Umstände fühlte ich keine Furcht in seiner Nähe, es war gut ihn bei mir zu wissen. Irgendwann müssen mir die Augen zugefallen sein, denn ich erwachte in den Wolfsumhang gehüllt, warm und zufrieden, wenn auch mit steifem Genick. 

Der neue Tag brach an und ich beschäftigte mich damit, indem ich Eichenwacht von dem überall herumliegenden Müll befreite. Danach verbrachte ich Stunden im Badehaus, das warme Wasser genießend und mich einfach treiben lassend. 

In den letzten Tagen war unsere Gemeinschaft gewachsen, als wären wir eine Familie die aufeinander acht gibt. Dieses Gefühl bewirkte in mir, dass ich Freude empfand, aber auch Sorge, all jenes wieder zu verlieren. Gab es eine Beständigkeit in dieser Welt? Würden wir Morgen noch hier sein, oder gar wieder in einer neuen fremden Welt erwachen? Ich versuche diese Gedanken von mir zu schieben, denn sie brachten nichts als Stagnation und Angst. 

Das Leben war jetzt und hier. 

 

 


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