Aspekte symbolisieren verschiedene Bestandteile der Schöpfung und dienen als Organisierungsform der verschiedenen klerikalmagischen Zauber und Effekte. Ein jeder klerikalmagischer Zauber ist demnach einem Aspekt zugeordnet und beeinflusst, wie die Waage der Macht in einem Kleriker gestaltet ist.
Im Folgenden finden sich die meistgenannten Interpretationen, wie sie unter den Klerikalmagiern, den Klerikern also, gemeinhin bekannt sind.

Leben steht für Wachstum und Fruchtbarkeit, für Gesundheit und Lebenskraft. Leben steht auch für alles, was Leben in sich trägt: Menschen, Tiere und Pflanzen. Es ist eng verbunden mit der Existenz aller körperlichen Lebewesen. Leben steht für stetige Veränderung, denn alles was lebt, reift auch. Es steht für den Frühling und die Jugend, den Anfang und den Aufbruch. Leben bedeutet für den menschlichen Geist: Mut, Neugier und Freude. In vielen Zaubern symbolisiert es die Reinigung und Heilung.
Tod steht für Schmerz, Opfer und Entbehrung, manchmal jedoch auch für Erlösung. Er steht für die Sterblichkeit, die Endlichkeit, ja sogar das Jenseits. Tod steht für den Stillstand und die Stille. Die Jahreszeit des Todes ist der Herbst, die Lebenszeit des Todes ist das Alter. Der kleine Bruder des Todes ist der Schlaf. Tod bedeutet für den menschlichen Geist: Furcht und Trauer, aber auch Opferbereitschaft, Nachdenklichkeit und Erinnerung an Vergangenes. In vielen Zaubern der Kleriker symbolisiert er die schmerzhafte Läuterung oder das Todesurteil. In anderen Zaubern soll er öfter die Schwächung des Körpers oder den Verfall symbolisieren.
Licht steht für Wissen, Wahrheit und einen wachen Geist. Für viele ist das Licht ist ein Abkömmling von göttlichem Feuer: Es kann den Geist erleuchten und den Körper verbrennen. Licht steht in ihrem Glauben für das gerechte Urteil, von der Gesetzgebung bis zur Vollstreckung. Zudem ist das Licht ein Teil der Schöpfung. Das Symbol des Lichts ist die Sonne, die Zeit des Lichts ist der Sommer. Licht bedeutet für den menschlichen Geist: Weisheit und Klugheit. In vielen Zaubern symbolisiert das Licht die Flamme oder die Erkenntnis, seltener auch die Wärme.
Schatten steht für die Geheimnisse und das Verborgene. Schatten ist ein Bruder der Dunkelheit, jedoch nicht mit ihr identisch. Die Dunkelheit ist ein Urzustand ohne Licht. Der Schatten ist aber nur dort, wo auch das Licht ist, denn Schatten wird von den Dingen geworfen, die im Licht stehen. Schatten steht für die Kälte und die Mitleidlosigkeit. Der Schatten hat keine eigene Zeit, doch wird der Winter von seinem Bruder, der Dunkelheit, regiert. Schatten bedeutet für den menschlichen Geist: Verwirrung, Angst und andere dunkle Gefühle. In vielen Zaubern symbolisiert der Schatten Blindheit oder Panikzustände. Manche Kleriker deuten ihn jedoch deutlich positiver und verwenden ihn zum Beispiel als Symbol für das Geheimnis und alles Unsichtbare.
Natur steht für den Kreislauf, das Gleichgewicht, die Harmonie. Sie steht für das ewige Natürliche, welches stets in Bewegung ist, aber nie dauerhaft verändert werden kann. Sie schließt den Kreis zwischen Ende und Anfang. Natur steht für alles, was die Welt schon immer beherbergt hat: Vom Stein über die Pflanze bis zum Tier. Natur bedeutet für den menschlichen Geist: Gelassenheit und Frieden. In vielen Zaubern symbolisiert die Natur die Interaktion mit der natürlichen Umwelt.
Gewalten stehen für die Urkräfte unserer Welt. Sie stehen für die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sind unkontrollierbar und mächtig. Gewalten stehen für Unerwartetes und für großes Unglück. Sie kommen als Blitz, Erdrutsch, Springflut und in anderen Formen über die Menschen. Sie stehen aber auch für die unkontrollierten Gefühle des Menschen, für verzehrende Sehnsucht und tobenden Zorn. Gewalten bedeuten für den menschlichen Geist: Leidenschaft, starke Gefühlsausbrüche und Ruhelosigkeit. In vielen Zaubern symbolisieren die Gewalten die Herbeirufung von Urkräften oder heftigen Gefühlsregungen.
Ordnung steht für Gebote und Verbote. Ordnung steht für die Sicherheit, für die Hierarchie, für das zielgerichtete Handeln. Sie steht für den Schutz des Bewährten und die Tilgung des Schädlichen. Sie scheidet das Gute vom Bösen. Ordnung steht für Grenzen. Sie ermöglicht das gesellschaftliche Zusammenleben. Sie ist das spezifisch Menschliche, denn Tiere erschaffen keine Ordnung. Ordnung steht auch für Form und Entscheidung, im Gegensatz zu Formlosigkeit und Beliebigkeit. Ordnung bedeutet für den menschlichen Geist: Einigkeit und das Wissen, wo man hingehört. In vielen Zaubern symbolisiert die Ordnung den Schutz von jemand oder etwas Wertvollem oder die Aufhebung eines chaotischen Zustandes.
Chaos steht für Unkontrollierbarkeit und Gefahr. Es steht für Veränderung, die kein Ziel hat und keine Rücksicht nimmt. Es steht für Bewegung, die keinen Verursacher hat und keinen Regeln folgt. Chaos steht für Unendlichkeit und Ursprünglichkeit. Chaos kann erschaffen, so heißt es, jedoch nie etwas Gutes. Unstrittig ist: Chaos kann alles zerstören. Chaos bedeutet für den menschlichen Geist, dass er von Wahnsinn übermannt wird oder nur noch seinen Trieben gehorcht. In vielen Zaubern symbolisiert Chaos das Hervorbringen zufälliger Effekte oder die vorübergehende Aufhebung von Ordnung. Manchmal symbolisiert das Chaos jedoch – so widersprüchlich es klingt – nur eine andere Form der Ordnung.
Die drei Seelenwaagen
Die Seelenwaage symbolisiert den Gegensatz zwischen Aspekten. Wer sich besonders häufig eines Aspektes bedient, der entfernt sich damit – laut der Seelenwaage – von einem anderen, entgegengesetzten Aspekt. Anders formuliert: Wer mit seinen Zaubern ständig „Ordnung“ stiftet, der bekennt sich damit zur Ordnung und den ihr nahestehenden Aspekten. Seine Seele entfernt sich somit vom „Chaos“ und den ihm nahestehenden Aspekten. Dies sind die drei Seelenwaagen, wie sie überliefert wurden:
- Energie ist die Waage zwischen Licht und Gewalten
- Ethik ist die Waage zwischen Ordnung und Chaos
- Moral ist die Waage zwischen Schatten und Natur
Einzig zwischen Tod und Leben gibt es eine solche Waage nicht, da jedes sterbliche Lebewesen an beiden Aspekten gleichen Anteil habe. Es ist schwer zu überprüfen, doch soll es für den Kleriker eine spürbare Auswirkung haben, an welchem Ende einer solchen Waage er sich befindet.
