Am Ortseingang von Eichenwacht
Der Abend war noch jung, als sich drei Gestalten am Ortseingang versammelten.
Kein Rat war einberufen worden.
Kein Aushang hatte dazu aufgerufen.
Es war kein großer Plan – nur ein stilles Einvernehmen.
Der Klotz mit der Henkersaxt stand noch immer dort, wo er so lange gestanden hatte. Ein düsteres Relikt vergangener Tage, mehr Mahnung als Schutz. Und der dunkle Fleck vor dem Tor sprach ebenfalls von einer Zeit, die man hinter sich lassen wollte.
„Dann eben jetzt“, war alles, was gesagt wurde.
Äxte wurden gehoben.
Holz splitterte – oder vielmehr versuchte man das.

Was vermutlich entschlossen aussehen sollte, wirkte eher… unerquicklich. Drei Männer, die mit ehrlichem Eifer auf einen massiven Block einschlugen, der sich davon nur mäßig beeindruckt zeigte. Späne flogen, der Klotz jedoch blieb.
Das blieb nicht unbemerkt.
Ein Schmied namens Jarel, vom Lärm angelockt, trat näher und beobachtete das Schauspiel eine Weile mit schief gelegtem Kopf. Schließlich räusperte er sich.
„Ihr könnt noch bis zum nächsten Mondlauf darauf einschlagen… oder ihr brennt ihn einfach nieder.“
Stille.
Ein kurzer Blickwechsel.
Dann ein zustimmendes Nicken.
Leomar verschwand, kehrte mit Ästen und Bruchholz zurück. Bald schon knisterte es am Fuß des Blocks. Rauch stieg auf, Flammen leckten am alten Holz empor – erst zögerlich, dann hungriger.

Mit Schaufeln, die Jarel bereitstellte, standen die drei beisammen und wachten über das Feuer. Keine Hast, kein Triumph – nur konzentrierte Aufmerksamkeit. Der Wind wurde beobachtet, Funken im Blick behalten. Niemand wollte, dass aus einem symbolischen Akt ein handfester Brand wurde.
Der Klotz, einst Zeichen von Härte und Furcht, fiel nicht mit lautem Krachen.
Er zerfiel. Glühte. Wurde zu Asche.

Und als nur noch rot schimmernde Glut übrig war, wandten sie sich dem zweiten Makel zu.
Der Blutfleck vor dem Tor.
Mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen schaufelten sie die dunkle Erde aus dem Weg. Kein großes Wort wurde darüber verloren. Man musste nicht benennen, was jeder wusste.
Frische Erde wurde herangetragen und verteilt. Der Boden geglättet. Der Weg neu gefasst.
Als sie schließlich zurücktraten, war es kein monumentaler Unterschied.

Doch wer Eichenwacht betrat, würde nicht länger zuerst an eine Hinrichtung erinnert werden.
Sondern an einen Weg.
Es war kein großes Ereignis. Keine Zeremonie. Kein Jubel.
Nur drei Männer, die beschlossen hatten, nicht länger zu warten.
Denn Eichenwacht sollte nicht von seiner Vergangenheit geprägt bleiben.
Sondern von dem Willen jener, die sie nun Heimat nannten.
Machen – nicht nur reden.
Und so hatte es begonnen.
Endlich fand sich die Zeit den Müll, der überall in Eichenwacht herum lag, wegzuräumen. Kat versuchte die Bestandteile zu ignorieren, versuchte nicht zu atmen während sie es hinfort trug. Was hatte sich hier zugetragen, dass die Leute so unachtsam mit ihrer Heimat umgingen. Nach und nach klärte sich das Bild, Kat fühlte sich wohler und war zufrieden mit ihrer Arbeit.
Vielleicht sollte auch der grässliche Dunghaufen vor dem Stall weichen? Das würde sie besprechen müssen.

Die Untotenplage am Steinkreis nahm kein Ende – im Gegenteil. Mit jeder Nacht schienen es mehr zu werden. Zwischen den knorrigen Bäumen und uralten Monolithen flackerten rote Augen auf, und das unheilvolle Knacken gespannter Bögen ließ selbst den Wind verstummen.
So fassten Cahir, Kat, Konrad und Leomar einen Entschluss.
Noch in derselben Nacht zogen sie los. Kein Zögern, kein Aufschub. Die Hängebrücke, die neben dem schmalen Höhlendurchgang den einzigen Zugang zum Siedlungskern bildete, durfte dem Feind nicht länger offenstehen. Unter dumpfen Schlägen und knarrendem Seilwerk gaben die Tragetaue schließlich nach. Mit einem letzten ächzenden Laut stürzte die Brücke in die Tiefe – Holz splitterte, Seile rissen, und der Zugang war gekappt.



Doch das allein genügte nicht.
Der Höhlendurchgang wurde provisorisch verbarrikadiert. Mit kräftigen Händen und schweißtreibender Arbeit setzten Cahir und Leomar schwere Stämme in vorher gegrabene kleine Löcher, verkeilten sie mit Stämmen, bis kaum mehr als ein schmaler Spalt blieb. Schlussendlich wurden noch zwei lange Stämme von der improvisierten Holzbarrikade zu den Steinstufen eingekeilt. Die Arbeiten hallten in beide Richtungen und immer wieder hörten die beiden beim arbeiten die klackernden Knochen in der Nähe.



Es war kein Bollwerk für die Ewigkeit – aber eines für diese Nacht.
Und manchmal ist genau das alles, was man braucht.
Nach getaner Arbeit traf Leomar noch zufällig auf den Holzarbeiter Elijah, kurz wurde ihm berichtet und beschlossen am kommenden späten Abend gemeinsam die improvisierte Barrikade zu besuchen und zu beratschlagen wie er sie wohlmöglich verbessern könnte.
Aufräumen nach dem Sturm
Der Kampf gegen den gewaltigen Bären war Tage her –
doch der Vorplatz erzählte noch immer davon.
Getrocknetes Blut hatte sich dunkel in die Fugen des Steins gesetzt. Splitter von Holz und Metall lagen zwischen Staub und aufgewühlter Erde, als hätte der Boden selbst den Atem angehalten. Wo einst Marktstände gestanden hatten, fanden sich nur noch Bruchstücke und das stumme Zeugnis von Gewalt.
Cahir und Leomar kamen nicht in voller Rüstung. Keine Banner. Keine Heldengesänge.
Nur mit Wasser, Tüchern, Werkzeug und schmerzenden Knochen.

Leomar bewegte sich langsamer als sonst. Die Rippen erinnerten ihn bei jedem tiefen Atemzug an den Aufprall, sein Arm war noch nicht wieder der alte. Wenn er zu fest zugriff, zog der Schmerz wie ein glühender Draht bis in die Schulter.
Cahir ging es nicht besser.
Und dennoch lachten sie hier und da.
Nicht laut. Nicht unbeschwert. Aber ehrlich.

Die verwüstete Markthalle war schlimmer.
Zwischen einem Eimer Wasser und dem Schaben von Blut von Stein wurde aus Schmerz Kameradschaft.
Blut an den Balken. Zerschlagene Tische. Umgestürzte Bänke. Der Geruch hing noch immer schwer in der Luft. Kein Heldentum lag in dieser Arbeit nur Geduld.
Eimer um Eimer wurde geschleppt. Holz wurde neu ausgerichtet, Splitter entfernt, Flecken geschrubbt, bis nur noch blasse Schatten blieben.
Wie Waffenbrüder teilten sie nicht nur den Kampf.
Sie teilten auch das, was danach kam.
Die Arbeit, die sonst keiner machen wollte.
Das Schweigen zwischen zwei Atemzügen.
Das schmerzverzerrte Grinsen, wenn einer von beiden sich zu schnell bewegte.

Als die Sonne sich senkte, war der Platz nicht mehr Schauplatz eines Kampfes.
Er war wieder Teil von Eichenwacht.
Nicht vollkommen. Nicht makellos. Aber ihre Heimat.
Und vielleicht war genau das der eigentliche Sieg.

Das Aufräumen geht weiter
Nach dem Aufräumen der Überreste des Bärenangriffes auf die Siedlung kamen Kat, Leomar, Cahir, Gorm, der Namenlose und Hadrian zusammen. Sie standen vor der Taverne und starrten auf das Feuer, mit dem die letzten Reste des Kampfes verbrannten. Da kam auf einmal der Gedanke auf, dass der alte, wettergegerbte Holzpfahl, der lange Zeit stumm über das Gelände gewacht hatte, seinem Ende entgegen gehen sollte, um dort einen Platz für ein kleines Lagerfeuer mit Bänken zu schaffen.
Mit entschlossenem Schritt traten Gorm und Cahir heran, aus dem Wunsch heraus, dem Ort neuen Sinn zu verleihen. Unter dem gleichmäßigen Klang von Stahl auf Holz senkte sich der mächtige Pfahl schließlich ächzend zur Erde und mit ihm das Banner. Doch damit nicht genug: Mit geduldiger Arbeit wurde das gefällte Holz weiter zerteilt, bis nur noch ordentlich geschichtete Stücke von dem einst so aufragenden Mal verblieben.
Wo zuvor ein einsamer Pfahl stand, soll nun etwas entstehen, das den Menschen näher ist als jedes stumme Holz: Ein Lagerfeuerplatz, warm und einladend. Geplant sind schlichte Bänke rings um die künftige Feuerstelle — ein Ort, an dem Reisende rasten, Siedler beraten und Freunde beisammen sitzen mögen.
So wandelt sich Eichenwacht Stück um Stück — nicht durch große Worte, sondern durch tatkräftige Hände und den Willen, gemeinsam eine Heimat zu formen.
Alter Platz, neues Kostüm
Am Abend konnte man einige fleißige Siedler zwischen der Taverne, Leomars Laden und dem Haus der Lagerverwaltung arbeiten sehen.
Wo sonst Händler ihre Waren ausbreiteten oder Reisende kurz verweilten, wurde heute gemessen, geschleppt und geplant.
Der alte Mast wurde zuvor schon abgehackt und klein geschlagen, nachdem große, trockene Steine herangeschleppt wurden wurden auch die Reste des Masts noch...entsorgt. Stück für Stück wurden Steine auf dem Platz verteilt, hier und da angelegt und wieder verschoben, während überlegt wurde, wo künftig Bänke stehen könnten. Schlussendlich formten die Steine am Ende den Kreis für die Feuerstelle.

Ein kleiner Platz sollte entstehen.
Ein Ort, an dem man zusammenkommen konnte.
Nicht nur ein Lagerfeuer für kalte Abende, sondern auch ein Treffpunkt für Gespräche nach getaner Arbeit; zentral genug, um die Markstände im Blick zu behalten und ebenso das Tor zur Siedlung.
Zwischen kurzen Anweisungen, Scherzen und dem Geräusch von Stein auf Erde nahm die Idee weitere Form an.
Es war nicht viel, was an diesem Abend entstand.
Doch jeder wusste: Auch ein wachsender Ort beginnt mit kleinen Veränderungen.
Und manchmal sind es eben genau diese kleinen Schritte, die den Anfang von etwas Größerem markieren.

Auf einer seiner täglichen Runden durch die Siedlung, bei denen er sich für gewöhnlich ein wenig mit den hiesigen Händlern austauscht und nach ihren Sorgen fragt, entdeckte er einen Mann, der in der Nähe der Schreinerei von Eichenwacht seinen Karren auslud.
Höflich wie er ist, bot er ihm seine Hilfe an und kam mit dem bisher unbekannten Mann leicht ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass der Mann als Händler für Ton- und Holzwaren nach Eichenwacht gekommen war, was Leomar wirklich sehr freute.
Er half ihm noch eine Weile beim Einrichten seiner Arbeitsmittel und Lagermöglichkeiten und verabschiedete sich dann mit einem freundlichen Lächeln.

Als er wieder über den Marktplatz spazierte, hielt er eine Weile inne. Er betrachtete die Markthalle, die nun wieder mit Leben gefüllt war, und den großen Hauptplatz.
Ein breites Lächeln legte sich auf sein Gesicht, im Wissen, dass die Arbeit der Eichenwächter dazu beitrug, den Ort attraktiver für Handel, aber auch für weitere Siedler zu machen. Diese kleinen Schritte nach vorn machten ihm Mut selbst angesichts der Gefahren, die hier noch auf sie warten würden.
Ein Stallmeister und vielleicht ein richtiger Werkzeugmacher würden dem Ort jetzt nur noch fehlen, um fast alle Wünsche abzudecken. Doch er war zufrieden, Schritt für Schritt wurde aus der verlassenen Siedlung wieder ein Ort des Lebens.
Vorbereitungen des nahen Einzugs in Burg Eichenstein
Die Eichenwächter hatten die Planungen endlich abgeschlossen, die Burg besichtigt und Leomar bekam die Schlüssel ausgehändigt.
Nun begann der anstrengende Teil, die Burgentrümpelung selbst. Wurmzerfressene Möbel wurden zerkleinert, verstaubte alte und durchtretene Teppiche aufgerollt und in den Vorhof getragen.
Nach und nach füllte sich der Hof mit unbrauchbar gewordenen Dingen und die Burg erhielt ein freundliches Gesicht. Licht drang durch die Fenster und es wurde hell und wohnlich.
Kat stiefelt am Tag, nachden sie und Leomar bereits ein Zimmer geleert hatten, erneut zur Burg und nahm sich der vielen kleinen Dinge an. Alte unleserliche Pergamentrollen, schimmelige Bücher mit unbekannten Hyroglyphen, Vasen, Tässchen, Phiolen und anderem Plunder wurden entsorgt. Ebenso wurden die mottenzerfressenen Vorhänge angenommen und zum Verbrennen in den Hof befördert.
Sie klopfte sich nach getaner Arbeit den Staub von der Kleidung, etwas müde aber zufrieden.
Es ging voran und die Eichenwächter würden hier einen sicheren Ort schaffen.

Die Lage in der Region wurde von Woche zu Woche unruhiger. Zu viele Gerüchte über unbekannte Mächte, zu viele Sichtungen von Untoten und zu viele Stimmen, die von Schutz sprachen, ohne dass jemand begann, ihn auch tatsächlich zu schaffen. Dazu ein Ultimatum, was schneller ablief als viele es wohl überhaupt verstanden hatten.
Für die Eichenwächter war die Entscheidung daher längst gefallen.
Die Burg Eichenstein sollte nicht länger nur ein stiller Wächter über der Region sein. Sie musste zu dem werden, wofür sie einst errichtet worden war; ein Bollwerk und Zufluchtsort für die Menschen, die in Eichenwacht lebten.
An mehreren Tagen konnte man daher oben in der Burg geschäftiges Treiben beobachten. Staubige Türen wurden geöffnet, alte Räume begutachtet und lange vergessene Möbel aus den ersten Kammern getragen. Was einst als Wohnräume gedacht gewesen war, sollte nun neue Zwecke erhalten.
Leomar und Kat verbrachten viele Stunden damit, schwere Truhen, wackelige Tische und halb zerfallene Schränke aus den Zimmern zu räumen. Platz musste geschaffen werden; für ein kleines Lager, für Vorräte, aber auch für einfache Schlafräume. Hauptsache erstmal einen Anfang schaffen.


Denn wenn die Burg künftig Schutz bieten sollte, mussten zumindest einige von ihnen hier leben.
Ein Zimmer wurde für Cahir vorbereitet, ein weiteres richteten Kat und Leomar für sich selbst her.


Immer wieder hielten sie inne, blickten von den Mauern hinunter auf die Wälder und den Weg zur Siedlung. Von hier oben ließ sich gut erkennen, warum dieser Ort so wichtig war.
Die Arbeit würde lange dauern. Eine ganze Burg ließ sich nicht in wenigen Tagen herrichten.
Doch die Zeit, darauf zu warten, hatten sie nicht.
Also begannen sie Stück für Stück.
Alte Tore müssen rattern
Die Mauern von Eichenwacht und Burg Eichenstein mochten noch stehen, doch viele der alten Sicherungen hatten die Jahre nicht unbeschadet überstanden. Besonders die schweren Falltore waren längst verstummt und festgefressen, verzogen oder schlicht durch Zeit und Wetter blockiert.
Doch auch darum sollte sich nun gekümmert werden. Er hatte die Schmiedezunft eingeladen die Tore gemeinsam zu begutachten, Olaf kam und ging gemeinsam mit Leomar die Orte ab. Schnell wurde der Plan gefasst noch heute zu handeln, zum Abend würde er wiederkehren und dann mit gemeinsamen Händen hoffentlich den Schutz auch wieder herstellen, die Tore eigentlich bieten sollten anstelle nur offen da zu stehen.
Am Tor der Siedlung war es Olaf, der sich die Mechanik genauer ansah. Mit geübtem Blick stellte er schnell fest, dass weniger das Metall das Problem war, sondern vielmehr das Holz, das über die Jahre aufgequollen war und das Tor festhielt. Mit kräftigen Schlägen entfernte er einige der störenden Stellen.
Dann war rohe Kraft gefragt.
Leomar und Alberich legten ein dickes Seil um das schwere Tor und zogen gemeinsam mit aller Kraft. Zunächst rührte sich nichts nur ein langes Knarren war zu hören. Doch dann, mit einem lauten Krachen, löste sich das alte Holz endlich.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fiel das Tor wieder herab.

Am vorgelagerten Tor von Burg Eichenstein wurde es anschließend etwas… handfester. Olaf und ein weiterer Zunftkollege untersuchten zunächst die Mechanik, ehe sie Alberich mit seinem gewaltigen Kampfhammer hinzuriefen.
Leomar konnte nicht ganz nachvollziehen, was die drei genau taten, ein paar gezielte Schläge und einige laut gemurmelte Fachbegriffe später jedoch löste sich auch hier die Mechanik.
Kurz darauf rauschte das Tor ebenfalls nach unten.

Das Haupttor der Burg stellte sich schließlich als die größte Herausforderung heraus. Hier kam noch ein weiterer Mann der Zunft hinzu der sich als Riodas vorstellte. Mit einem massiven Eichenbrett und einem schweren Stamm, der als Hebel diente, begannen die Männer, irgendetwas tief in der Mechanik wieder an seinen Platz zu drücken.
Leomar verstand nicht genau, was dort korrigiert wurde doch das Knarren der alten Balken und das konzentrierte Arbeiten der Zunftmänner ließen erkennen, dass sie genau wussten, was sie taten.

Am Ende folgte das entscheidende Geräusch.
Mit einem schweren, tiefen Grollen setzte sich auch das Haupttor von Burg Eichenstein wieder in Bewegung.
Als das Falltor schließlich herabglitt, nickten sich die Männer zufrieden zu.
Die Mauern waren alt; doch ihre Zähne funktionierten wieder.
Die letzten Vorbereitungen zum Einzug
Die Arbeiten auf Burg Eichenstein gingen weiter.
Nachdem die ersten Zimmer bereits vorbereitet worden waren, machten sich Cahir, Hadrian, Kat und Leomar daran, auch die restlichen Möbel aus den Räumen zu schaffen, die sie in den kommenden Tagen beziehen wollten. Alte Regale, Sessel und Stühle, manches noch brauchbar, manches längst dem Zahn der Zeit erlegen wurden Stück für Stück aus den Kammern getragen.

Im Haupthof wuchs derweil ein immer größer werdender Haufen aus ausgedienten Möbeln, der deutlich zeigte, wie lange die Burg wohl schon verlassen gewesen sein musste.

Als die letzten Zimmer geräumt waren, wandten sie sich einem der größten Räume der Burg zu. Ein weiter Saal mit hohen Fenstern und einem langen, erhöhten Podest am Ende vermutlich einst ein Thronsaal oder zumindest eine Halle, in der einst Entscheidungen getroffen und Gäste empfangen worden waren.

Hier machte sich besonders bemerkbar, dass Kat bereits zuvor viele Stunden allein in der Burg verbracht hatte. Viele der alten Wandverkleidungen waren bereits von ihr geräumt, Staub und Schutt zumindest grob beseitigt. Was noch blieb, erledigten die vier gemeinsam, bis schließlich auch dieser Raum weitgehend geleert war.
Als sie fertig waren, hallten ihre Schritte ungewöhnlich laut durch den nun offenen Saal.
Die Burg wirkte plötzlich größer.
Leer; aber voller Möglichkeiten.
Eichenwacht wird brennen...
Die Nacht zuvor hatte Eichenwacht erneut geprüft.
Der gewaltige Bär war zurückgekehrt.
Ein Kampf entbrannte, wie ihn viele so noch nicht erlebt hatten und als wäre das nicht genug gewesen, folgte eine ungeheuer große Meute Untoter, die über die Siedlung hereinbrach.
Chaos, Schreie, Stahl auf Knochen.
Und als hätte all das noch nicht gereicht…
ging schließlich auch noch eine Hütte in Flammen auf.
Am darauffolgenden Tag saßen am Feuer Cahir, Konrad und Leomar beisammen und tauschten sich über die Ereignisse der Nacht aus. Es war mehr als nur ein Rückblick; es war der Versuch, zu verstehen, was dort geschehen war.
Dann machte Cahir sie auf etwas aufmerksam, eine Gugel die er in der Nähe der Palisade fand, nah der Hütte die letzte Nacht noch auf unerklärliche Weise ein Feuer hatte, was sie zum Glück löschen konnten.
Dort, wo nur noch verkohltes Stroh, Ruß und die Reste von Löschwasser hätten sein sollen… hatte sich etwas anderes gebildet und fiel Leomar sofort auf als sie den Ort sich anschauten.
Dornenbüsche. Ranken?


Ein ungutes Schweigen legte sich über die drei.
Die Bilder der vergangenen Tage drängten sich auf. Der Bär durchzogen von eben jenen Ranken. Die Visionen, die einige Erwachte heimgesucht hatten. Die seltsamen Erscheinungen, die bereits andernorts aufgetreten waren.
Die Symbolik war zu deutlich, um sie zu ignorieren.
Und Abwarten… lag nicht in ihrer Natur.
Die Entscheidung fiel schnell:
Die Hütte musste verschwinden.
Feuer kam nicht infrage; zu nah standen Palisade und Häuser beieinander. Also wurden Äxte herangeschafft. Leomar zögerte nicht lange und begann, alles Nötige zusammenzutragen. Gleichzeitig wurden in der Siedlung die wenigen noch wachen Hände zusammengerufen.
Wer helfen konnte, half.

Unter ihnen auch Shandra, eine der Eichenwächter und sie brachte die entscheidende Idee.
Die Stützbalken sollten mit Seilen und Pferden eingerissen werden.
Gesagt, getan.
Dicke Seile wurden gespannt, zwei kräftige Hengste angespannt. Mit schnaubender Kraft zogen sie am ersten Stützbalken. Das Holz bog sich, ächzte unter der Belastung und riss schließlich mit einem dumpfen Krachen aus Wand und Boden.

Doch die Hütte stand noch.
Also nahmen sie sich die zentralen Balken der Front vor.
Cahir schlug Öffnungen in die Wände, um die Seile besser anlegen zu können, danach schlug Leomar mit seiner Streitaxt tiefe Kerben nahe des Bodens in das Holz.

Dann der nächste Zug.
Diesmal brachen die Balken rasch.
Ein Knacken
ein Nachgeben
und schließlich der Zusammenbruch.
Das Dach stürzte ein, gefolgt von den Wänden, als hätte die Hütte selbst den Widerstand aufgegeben.


Zufrieden machte sich die kleine Gruppe daran, die Überreste zu beseitigen. Holz wurde zerschlagen, Ranken entfernt, Strohreste zusammengetragen.
Nichts sollte bleiben.

Außerhalb der Siedlung, nahe dem Strand, wurde schließlich alles aufgeschichtet.
Und verbrannt.
Die Flammen fraßen sich durch Holz, Dornen und Stroh, bis nichts als Asche übrig blieb. So zumindest ihre Hoffnung, die kommenden Tage würde ihnen wohl erst Klarheit schaffen ob sie wohlmöglich eine Ausbreitung verhindert hatten.

Ein ganz normaler Abend in Eichenwacht.
Kat wanderte wie versprochen in der Siedlung umher um die Dachschäden aufzunehmen. Als Erstes wollte sie sich das Tavernendach vornehmen, schließlich sollte der Wirt der Eichenwacht nicht an Unterkühlung und Lungenpest sterben.
Sie stand eine Weile sinnierend vor der Taverne, murmelte etwas von "Rindenspitzdach" und zählte etwas an den Fingern ab, nebenher etwas in ein Notizbüchlein schreibend um dann weiter um das Haus herumzustiefeln.
Leomar und Katherina hatten Gerüste vorgeschlagen, Kat selbst würde lieber durchs Dachgeschoss selbst klettern.
Es würden Dachschindeln benötigt werden, Nägel, Holzbalken um das Dachgerüst selbst zu flicken. Und Kat war nun wirklich niemand die sich auf solche Arbeiten verstand. Pfeile schnitzen, Bögen bauen, das war ihr Feld..aber Dächer? Sie legte all ihre Hoffnung in Katherina, die hoffentlich mehr vom Handwerk des Zimmerers verstand als sie.
Schmunzelnd und gleichzeit die Schläfe reibend bestarrte sie das löchrige Dach.

Nach den Strapazen der letzten Tage und den Gefahren, derer sich Konrad immer mehr bewusst wurde, entschloss er sich ebenso eine Bleibe in der schützenden Burg zu suchen.
So begann er das Häuschen von den alten, mitunter morschen und völlig unbrauchbaren Möbelstücken zu befreien, damit es ihm schlussendlich eine schöne Bleibe werden würde.




