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[Bau RP] In die Zukunft

riodas
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Vor den bröckelnden Mauern der alten, verlassenen Großstadt lag ein Stück Land, das lange niemand mehr beachtet hatte. Wind zog durch zerfetzte Planen, ließ sie wie erschöpfte Banner flattern, und der Geruch von feuchtem Stoff, altem Rauch und Moder hing schwer in der Luft. Mehrere Zelte standen dort, schief in den Boden gesackt, ihre Stoffe von Regen und Jahren gezeichnet. Einige Pfosten waren gebrochen, andere nur noch von Rost zusammengehaltenen Nägeln fixiert. Ein Ort, den man vergaß und genau deshalb einer, den Riodas im Blick behielt.

Der Schmied stand am Rand des Geländes, die Arme vor der Brust verschränkt, den Blick prüfend über die Fläche schweifen lassend. Neben ihm Kevo, sein Gefährte im Handwerk des Holzes, der bereits mit zusammengekniffenen Augen die Standfestigkeit der verbliebenen Konstruktionen musterte.

bau-ankunft

„Hier also“, brummte Riodas schließlich.

Kevo nickte nur. Mehr Worte brauchte es nicht.

Noch am selben Tag begannen sie mit der Arbeit.

Zuerst fielen die kleineren Zelte. Mit kräftigen Schnitten durchtrennten sie die alten Seile, zogen die morschen Heringe aus dem Boden und ließen die Planen in sich zusammensacken. Der Stoff riss stellenweise schon beim Anfassen. Staub wirbelte auf, als sie die gebrochenen Gestänge auseinandernahmen. Was noch brauchbar war – ein paar eiserne Beschläge, halbwegs stabile Holzstreben – wurde beiseitegelegt. Der Rest landete auf einem wachsenden Haufen aus Unrat.

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Die größeren Zelte verlangten mehr Kraft. Riodas setzte die Axt an tragenden Balken an, das dumpfe Schlagen hallte über das Gelände. Kevo stützte mit einem langen Hebelpfosten nach, bis die Konstruktionen knirschend nachgaben. Einmal brach ein Mittelpfosten unerwartet, das Dach sackte schief ein und begrub beide kurzzeitig unter einer Lawine aus staubigem Tuch. Fluchend arbeiteten sie sich frei – und lachten danach, wie Männer, die wissen, dass sie etwas begonnen haben, das größer ist als ein paar alte Zelte.

Über Stunden hinweg wurde gezogen, gehoben, geschnitten und geschleppt. Die Stoffreste banden sie zu Bündeln und verluden sie auf einen bereitstehenden Karren. Zerbrochene Balken wurden sortiert, brauchbares Holz zu einer Seite, fauliges in die andere. Alte Nägel und Metallreste sammelte Riodas sorgfältig ein. Eisen war Eisen, selbst wenn es zuvor Teil eines vergessenen Lagers gewesen war.

Als die Zelte gefallen waren, zeigte sich das wahre Ausmaß der Verwahrlosung. Der Boden war uneben, durchzogen von alten Feuerstellen, flachen Gruben und Abfällen, die halb im Erdreich versunken waren. Glasscherben, verrostete Beschläge, Knochenreste und alles musste heraus.

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Mit Spaten und Hacke begannen sie, die obere Erdschicht aufzubrechen. Riodas stach kraftvoll in den Boden, während Kevo mit der Schaufel nacharbeitete. Wurzelwerk wurde freigelegt und gekappt, größere Steine aus dem Erdreich gehebelt. Manches Gestein war zu schwer für einen Mann allein; dann arbeiteten sie schweigend zusammen, setzten Brechstangen an, bis sich der Brocken mit einem widerwilligen Knacken löste.

Karren um Karren voller Schutt wurden zum Rand des Geländes gebracht. Dort legten sie einen Sammelplatz an, Steine auf einen Haufen, Erde auf einen anderen. Nichts sollte verloren gehen, nichts ungenutzt bleiben. Riodas dachte in Material, Kevo in Konstruktion. Zwischen ihnen entstand kein Chaos, sondern Ordnung.

Am zweiten Tag rückte der große Lastkarren an.

Zwei kräftige Zugtiere zogen ihn mühsam über den alten Weg zur Fläche. Darauf gestapelt: schwere Balken aus Kevos Lager, bereits grob behauen. Dicke Bohlen. Bündel aus Seilen. Mehrere Fässer mit geschmiedeten Nägeln und Klammern, die Riodas in den vergangenen Wochen vorbereitet hatte. Auch ein Satz solider Grenzpfosten war darunter, angespitzt, bereit in den Boden getrieben zu werden.

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Das Abladen dauerte bis in den Nachmittag hinein. Jeder Balken wurde an seinen vorgesehenen Platz gelegt. Die Steine aus ihrem eigenen Vorrat, sorgfältig ausgesucht, von fester Qualität, wurden in einer Reihe gestapelt. Noch bildeten sie nichts Konkretes. Doch wer genau hinsah, konnte erkennen, dass hier nicht einfach nur geräumt wurde. Hier wurde geplant.

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Schließlich begannen sie, das Gelände abzustecken.

Mit Schnur und Holzpflöcken markierten sie die ersten Linien. Kevo ging voraus, spannte die Schnur straff zwischen zwei Pfosten, prüfte den Winkel. Riodas setzte mit dem schweren Hammer die Pflöcke tiefer in den Boden. Jeder Schlag war ein Versprechen. Stück für Stück entstand ein klar umrissenes Rechteck, größer, als man es von außen erwartet hätte.

Als provisorischen Schutz errichteten sie entlang der Markierung einen einfachen Zaun. Keine Zierde, kein Schmuck – nur solide, eng gesetzte Pfosten, verbunden durch Querlatten. Genug, um das Gelände kenntlich zu machen. Genug, um zu zeigen: Dieser Ort gehört nun jemandem.

Als die Sonne hinter den Mauern der alten Stadt versank, standen die beiden Männer schweigend nebeneinander und betrachteten ihr Werk. Wo zuvor verfallene Zelte im Wind ächzten, lag nun eine freie, geordnete Fläche. Der Boden war aufgebrochen und geebnet, das Gelände abgesteckt, das Material bereitgelegt.

Noch war nichts gebaut.

Noch erhob sich kein Gebäude.

Doch im Staub der Arbeit, im Geruch von frisch gewendetem Erdreich und geschlagenem Holz lag der Beginn von etwas Neuem. Etwas, das Bestand haben würde.

Riodas wischte sich den Schweiß aus dem Bart und sah zu Kevo hinüber.

„Das Fundament beginnt nicht mit Stein“, sagte er ruhig. „Es beginnt mit Entscheidung.“

Und die war längst gefallen.


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riodas
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Der Geruch von Kohle und heißem Eisen war ihm nie fremd gewesen – doch seit jenem Abend, an dem Riodas offiziell in die Reihen der Schmiedezunft aufgenommen wurde, hatte das Hämmern einen anderen Klang für ihn.

Es war nicht länger nur sein eigenes Werk, das durch die Esse hallte. Es war ein Chor aus Schlägen, ein gleichmäßiger Rhythmus aus Erfahrung, Stolz und altem Wissen. Männer, deren Hände vom Feuer gezeichnet waren, deren Augen die Farbe von Glut annahmen, wenn sie über Stahl sprachen. Riodas hatte sich unter sie gestellt, nicht als Fremder, nicht als Bittsteller, sondern als einer von ihnen.

Die Aufnahme war schlicht gewesen. Keine großen Worte, kein unnötiger Prunk. Ein Austausch von Blicken, ein prüfendes Gespräch über Legierungen, über das Verhalten von Erz unter zu rascher Hitze, über Fehler, die man nur einmal macht und nie wieder vergisst. Man hatte ihm zugehört. Und er hatte zugehört.

In den folgenden Tagen stand er oft in der Zunfthalle. Er zeigte den anderen Schmieden, wie man eine Klinge nicht nur scharf, sondern ausgewogen schmiedet. Er erklärte, warum Geduld im Feuer wichtiger ist als Kraft im Arm. Und er selbst nahm neue Techniken auf, alte Faltmethoden, verbesserte Nietverbindungen, raffinierte Werkzeuge, die er bislang nur vom Hörensagen kannte.

Es war kein bloßer Zusammenschluss von Handwerkern. Es war ein Band.

Am Abend, als das Feuer bereits niedergebrannt war und nur noch das Glimmen der Kohle die Halle in warmes Licht tauchte, trat Riodas vor die anderen Mitglieder. Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.

Er sprach nicht von Visionen. Nicht von großen Vorhaben.

Er sprach von Arbeit.

Von einem Platz, den er und ein Gefährte freigeräumt hatten. Von Erde, die umgegraben worden war. Von Pfosten, die gesetzt wurden. Von Fundamenten, die vorbereitet waren – doch mehr Hände verlangten, mehr Kraft, mehr Erfahrung.

Er bat nicht um Gefallen.

Er bat um Mitwirken.

Es folgte kein langes Zögern. Fragen wurden gestellt, nach Material, nach Tragwerk, nach Belastung. Riodas antwortete präzise. Er entrollte schließlich Pergamente auf einem der schweren Tische. Linien aus Kohle zeichneten klare Umrisse. Maße waren vermerkt. Träger, Streben, Steinsetzungen,alles durchdacht.

Doch selbst als die Zunftmitglieder sich darüber beugten, als sie nickten und mit rußgeschwärzten Fingern auf bestimmte Punkte tippten, blieb der eigentliche Zweck unausgesprochen. Man sah nur Struktur. Tragwerk. Raum.

Und Potential.

„Wann brechen wir auf?“ fragte einer der älteren Meister schließlich.

Riodas sah in die Runde. In Gesichter, die vom Feuerlicht gezeichnet waren. In Augen, die verstanden, dass hier mehr begann als ein einfacher Bau.

„Bei Sonnenaufgang“, antwortete er.

So wurde verabredet, was nicht laut verkündet werden musste. Werkzeuge wurden vorbereitet. Zusätzliche Hämmer, Hebestangen, Eisenklammern und Beschläge. Zwei schwere Karren sollten beladen werden, einer mit vorbereitetem Eisenwerk, der andere mit Werkzeug und Proviant. Wer Steine beitragen konnte, tat es. Wer Balken liefern konnte, stellte sie bereit.

Am nächsten Morgen würde Riodas sie zum Platz führen.

Er würde sie hinaus bringen, vorbei an der alten Stadt, zu jenem Stück Land, das noch vor kurzem von verfallenen Zelten bedeckt gewesen war.

Und dort würde er ihnen zeigen, was entstehen sollte.

Noch stand dort nur Erde, Zaun und Material.

Doch mit der Zunft im Rücken war es nicht länger nur eine Baustelle.

Es war der Anfang von etwas, das Bestand haben würde.



   
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riodas
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Der Morgen war noch kühl, als Riodas den Weg zur Baustelle einschlug. Nebelschwaden lagen zwischen den Mauern der alten Stadt, und das Geräusch der schweren Räder seines Karrens hallte dumpf über den unebenen Boden. Das Gespann war schwer beladen. Unter dicken Planen verborgen lagen Steinplatten, Balken, Glasrahmen, Säcke voller Lehm und Kisten mit Nägeln, Bolzen und eisernen Beschlägen. Alles, was man brauchte, um aus einem freien Stück Land langsam ein Gebäude entstehen zu lassen.

Als Riodas das umzäunte Gelände erreichte, sah er bereits eine Gestalt zwischen den aufgeschichteten Materialien stehen. Breite Schultern, ein prüfender Blick über das Gelände, Zunftmeister Cerberon war früher als erwartet eingetroffen.

Riodas ließ den Karren anhalten und sprang vom Bock. Kurz musterten sich die beiden Männer, dann folgte ein knappes Nicken, wie es unter Handwerkern üblich war.

„Du hast also nicht übertrieben“, meinte Cerberon schließlich und ließ seinen Blick über den vorbereiteten Boden, die Materialstapel und die bereits gesetzten Markierungen schweifen.

Riodas schob eine der Planen vom Karren und begann, die ersten Kisten abzuladen. „Ich verschwende keine Worte an Dinge, die ich nicht auch bauen kann.“

Gemeinsam entluden sie das Material. Steinplatten wurden vorsichtig aufeinandergeschichtet, Glasrahmen gegen eine Holzkiste gelehnt. Säcke voller Lehm landeten neben Bündeln aus Eisennägeln und schweren Bolzen, die in der Morgensonne matt glänzten. Mehrere lange Balken, dick und sauber behauen, wurden schließlich vom Wagen gehoben und auf Böcken abgelegt.

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Erst als die wichtigste Arbeit erledigt war, rollte Riodas ein Stück Pergament auf einer flachen Steinplatte aus.

Cerberon trat näher.

2

Die Linien darauf waren klar und ohne Schnörkel gezogen, ein Plan, wie ihn ein Mann anfertigte, der wusste, was er tat. Riodas legte einen Finger auf den zentralen Bereich.

„Hier entsteht die große Halle“, erklärte er ruhig. „Der Hauptraum.“

Sein Finger wanderte nach links.
„Von hier geht ein Lagerraum ab. Für Waren, Vorräte, alles was sicher und trocken stehen muss.“

Dann nach rechts.

„Und dort ein kleinerer Raum. Verwaltung. Schriftstücke, Abrechnungen, Gespräche, die nicht zwischen Ambossen stattfinden sollten.“

Cerberon betrachtete den Plan lange, ohne zu sprechen. Schließlich nickte er langsam.

Riodas deutete anschließend vor das Gebäude.

„Hier draußen wird Platz geschaffen. Werkbänke. Ambosse. Hobelbänke. Vielleicht auch ein paar Essen für kleinere Arbeiten.“

Sein Finger glitt über mehrere rechteckige Markierungen.

„Und hier – sechs Stände. Genug Raum, damit Händler ihre Waren präsentieren können.“

Cerberon schnaubte leise, aber ein zufriedenes Grinsen huschte über sein Gesicht.

„Du planst nicht klein.“

Riodas rollte den Plan wieder zusammen.

„Wenn man etwas baut, dann richtig.“

Damit war alles gesagt.

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Sie begannen mit dem Fundament.

Die vorbereitete Erde war festgestampft und geebnet worden, doch die schweren Steinplatten verlangten dennoch nach Kraft und Geduld. Gemeinsam hoben sie die ersten Platten vom Stapel, ließen sie vorsichtig in den Boden gleiten und richteten sie mit kurzen Schlägen des Hammers aus. Stück für Stück entstand eine klare Linie aus Stein.

Platte für Platte folgte.

Bald zeichnete sich der Grundriss des Gebäudes deutlich auf dem Boden ab. Rechte Winkel, klare Kanten – eine Form, die sich aus der Erde erhob wie das Skelett eines Hauses, das noch nicht existierte.

Auch vor dem Gebäude legten sie weitere Steinplatten aus. Größere Flächen, die später den Platz für Arbeit und Handel bilden würden. Der Rhythmus ihrer Arbeit war gleichmäßig: Heben, setzen, ausrichten.

Als das Fundament schließlich lag, wandten sie sich den schweren Holzbalken zu.

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Die Balken waren dick und sauber behauen, vorbereitet für das Fachwerk. Mit vereinten Kräften stellten sie den ersten senkrechten Träger auf. Cerberon hielt ihn in Position, während Riodas die vorbereiteten Metallhalterungen am Fundament prüfte. Dann setzten sie den Balken hinein.

Der Bolzen wurde angesetzt.

Mit kräftigen Hammerschlägen trieb Riodas ihn durch die Vorrichtung. Metall auf Metall hallte über das Gelände, und der Balken saß fest.

Einer nach dem anderen folgten weitere.

Bald ragten mehrere schwere Holzbalken in den Himmel, verbunden durch Querträger und eiserne Bolzen. Langsam begann der Umriss des Gebäudes Gestalt anzunehmen. Wo zuvor nur Steinplatten lagen, erhoben sich nun die ersten Linien eines Fachwerks.

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Hier würden später Wände eingefügt werden.

Dort Fenster.

Und an anderer Stelle eine Tür.

Das Dach würde folgen – doch noch nicht heute.

Die Sonne stand bereits tief, als sie den letzten Balken aufrichteten. Der Himmel färbte sich langsam rötlich, während lange Schatten über das Gelände fielen.

Riodas trat einige Schritte zurück und betrachtete die Konstruktion. Die Grundform des Gebäudes war nun klar zu erkennen. Das Fachwerk zeichnete sich deutlich gegen den Abendhimmel ab, und zwischen den Balken konnte man bereits erahnen, wo Räume entstehen würden.

Cerberon wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Für einen Tag Arbeit“, sagte er schließlich, „ist das nicht schlecht.“

Riodas sah noch einmal über das Gelände. Über die Steinplatten. Die aufgerichteten Balken. Die Plätze, die bald gefüllt sein würden.

Dann nickte er langsam.

Der Anfang war gemacht.

Und als die beiden Männer schließlich ihre Werkzeuge zusammenlegten und den Heimweg antraten, stand dort, wo am Morgen noch nur Material und Pläne lagen, bereits das erste sichtbare Gerüst dessen, was einmal ein bedeutender Ort werden würde.



   
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riodas
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Der Morgen war still, als Riodas und Kevo den Weg zur Baustelle einschlugen. Ein kühler Wind strich durch das Gras entlang der alten Mauern Kronwaldens, und über dem Gelände lag noch der feine Tau der Nacht. Die Umrisse des Gebäudes zeichneten sich bereits aus der Ferne deutlich gegen den Himmel ab – das Fachwerk stand, die Wände waren gesetzt, Fenster und Türen eingefügt.

Nur eines fehlte noch.

Das Dach.

1

An der Baustelle angekommen, blieb Riodas einen Moment stehen. Sein Blick wanderte langsam über das Bauwerk. Die Balken waren fest, die Steinplatten lagen sauber im Boden, die Konstruktion wirkte stabil und ruhig, als hätte sie schon immer hier gestanden.

Kevo stellte den Werkzeugkasten ab und folgte seinem Blick.

„Sieht fast so aus, als hätte das Gebäude nur darauf gewartet“, sagte er.

Riodas schnaubte leise.
„Gebäude warten auf nichts. Sie entstehen.“

Doch auch er wusste, dass sie kurz vor dem letzten Schritt standen.

Auf Böcken neben dem Haus lagen bereits die vorbereiteten Dachbalken und Sparren, die Kevo in den vergangenen Tagen zugeschnitten hatte. Saubere, präzise Holzarbeit, jedes Stück nummeriert, jede Verbindung vorbereitet.

Sie begannen damit, die Sparren zu setzen.

Mit vereinten Kräften hoben sie den ersten langen Balken auf das Fachwerk und ließen ihn in die vorbereiteten Aussparungen gleiten. Kevo richtete ihn aus, während Riodas mit dem schweren Hammer die Holzverbindungen festtrieb. Das Geräusch des Hammers hallte über den Platz, dumpf und zufrieden.

Einer nach dem anderen folgten weitere.

Die Dachkonstruktion wuchs langsam über ihnen empor. Sparren trafen sich am First, Querbalken verbanden sie zu einem festen Gerüst. Bald entstand über ihren Köpfen das charakteristische Dreieck des Daches, das dem Gebäude endgültig seine Form gab.

Als das hölzerne Gerüst vollständig stand, machten sie sich daran, die Dachlatten zu befestigen. Reihe um Reihe wurde das Holz quer über die Sparren genagelt, das Fundament für die eigentliche Deckung.

Die Arbeit war schwer und verlangte Geduld. Immer wieder kletterten sie über das Gerüst, reichten sich Werkzeuge, richteten Latten nach oder schlugen Nägel tiefer ein. Die Sonne stieg höher, brannte schließlich warm auf ihren Rücken, während der Geruch von frischem Holz und Harz in der Luft lag.

Erst als das Lattenwerk fertig war, begannen sie mit dem eigentlichen Decken.

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Stapel aus vorbereiteten Dachschindeln lagen bereit. Kevo reichte sie nach oben, während Riodas sie Reihe für Reihe anbrachte. Jede Schindel wurde sauber gesetzt, leicht überlappend, damit Regen und Wind keinen Weg ins Innere finden konnten.

Schlag für Schlag versenkte Riodas die Nägel.

Die Arbeit ging langsam voran, doch sie war gleichmäßig. Eine Reihe folgte der nächsten, und mit jeder Stunde verschwand mehr vom offenen Himmel über dem Gebäude.

Zwischendurch hielten sie inne, tranken aus ihren Wasserschläuchen und betrachteten das, was bereits geschafft war. Das Dach nahm Gestalt an,erst eine Hälfte, dann die andere.

Am Nachmittag setzten sie schließlich die letzten Schindeln am First. Kevo hielt die Abschlussstücke, während Riodas sie sorgfältig befestigte und mit einem kräftigen Schlag fixierte.

Der letzte Nagel verschwand im Holz.

Für einen Moment blieb es still.

Der Wind strich über das frisch gedeckte Dach, und das Gebäude wirkte plötzlich vollständig,als hätte das Dach nur darauf gewartet, sich daraufzulegen.

Langsam kletterten die beiden vom Gerüst herab.

Riodas trat einige Schritte zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Kevo stellte sich neben ihn. Vor ihnen stand nun das fertige Gebäude, sein Dach dunkel und sauber gedeckt, das Fachwerk stabil und ruhig.

Der Platz davor war vorbereitet, die Steinplatten lagen sauber im Boden, und der Bereich für Werkbänke und Marktstände wartete nur darauf, genutzt zu werden.

Kevo ließ einen langen Atemzug entweichen.

„Das war eine Menge Arbeit.“

Riodas nickte langsam.

Sein Blick glitt noch einmal über jedes Detail, die Balken, die Fenster, das Dach, das nun schützend über allem lag.

„Aber sie hat sich gelohnt.“

Die Baustelle, die einst nur aus verfallenen Zelten bestanden hatte, war verschwunden. An ihrer Stelle stand nun ein solides Gebäude, bereit für das, was noch kommen würde.

Als die Sonne langsam hinter den Mauern Kronwaldens verschwand und die ersten Schatten länger wurden, packten die beiden ihre Werkzeuge zusammen.

Heute endete die Arbeit.

Und mit dem letzten Schlag des Hammers war aus einer Idee endgültig ein Ort geworden.



   
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