Alberichs Tagebuch
 
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Alberichs Tagebuch

Wulfus
(@wulfus)
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Im Haus der Begabungen habe ich interessante Leute kennengelernt. Neben Primeris, den ich schon gekannt habe, waren da noch Darian, Lazzarr, Saikha, Silas und Samantha, wobei sich Letztere nicht vorstellte, ihr Name aber fiel. Es wurde viel Wichtiges besprochen, keine Zeit für großes Kennenlernen, aber man wird die gegenseitige Vorstellung wohl nachholen können. Und ja, die Gesprächsthemen drehten sich vorweg um ‚lebendige‘ Skelette und dieses Netz, welches die Gelehrten gefunden hatten – und auch um die Eulenrast und den dortigen Schimmelbefall.

 

Jetzt, einen Tag später, ist dieses Thema schon wieder im Mittelpunkt des Interesses: Als ich in Eichenwacht auf Leomar gestoßen bin, hat er mir bald erzählt, dass ein Händler der Eulenrast im Heilerhaus läge, um dort von Kat und Konrad umsorgt zu werden. Ich bot sofort meine Hilfe an. Und ja, diesen Konrad wollte ich auch einmal kennenlernen, so viel, wie ich von ihm schon gehört habe. Viel zu helfen gab es dann jedoch nicht: Ich habe den Versuchen von Kat und Konrad gelauscht, die verwirrten Worte des Patienten zu deuten. Gerade mal seine Decke konnte ich dem Erschöpften richten, als er endlich eingeschlafen war, ein paar Worte der Kräftigung dazu…dann schlichen wir schon raus und ließen ihn ruhen.

Es ging dann zur Eulenrast. Um zu warnen. Eine Frau, die die anderen „Es“ nannten, wurde informiert, über all das, was über Skelette und Schimmel so vermutet wurde. Als sich die Gruppe dann wieder aufmachte, griff am „Acker“ der Eulenrast ein seltsames Vieh an. Überrascht, aber gerade noch rechtzeitig zogen die Kämpfer ihre Klingen. Ich stand etwas abseits…und, fast wie von selbst, deutete ich mit dem Zeigefinger auf das Vieh und ließ es dadurch vor Schmerzen zucken. Ich war überrascht, was ich ‚angerichtet‘ hatte. Weniger verwunderlich war das Gefühl, das sich kurze Zeit später in mir einstellte: Diese Düsterheit. Ein Abbild dessen, was ich in der Welt bewirkt hatte, spiegelte sich in meinem Inneren wider.  Ich kannte diese Wechselwirkung schon und auch meine Träume mahnten mich oft, die Waage im Gleichgewicht zu halten. Ich verabschiedete mich also mit den schlichten Worten, dass ich in die Einsiedelei gehen müsse. Dort bin ich nun, fern des gewohnten Steinkreises, auf einer Lichtung an einer Quelle, um nach dieser Niederschrift mit der Meditation zu beginnen. Um inneren Ausgleich zu finden.

 

 


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Wulfus
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Es fügt sich mir ein Bild: Der Rabe, mit schwarzem Gefieder, flog in meinen Träumen durch den Nebel und ließ sich zielstrebig auf einem Runenstein nieder. Immer und immer wieder. Ich konnte den Traum nie deuten - habe ich heute die Antwort erlangt?

Als mich am heutigen Abend Kat und Leomar zu diesem Haus in Eichenwacht führten, meinten sie schon vorweg, dass die ganze Ansiedelung wohl im Zeichen des Raben steht oder zumindest früher gestanden habe.  Und in dem Haus sah ich ihn plötzlich vor mir: Der Runenstein des heiligen Raben. Ich schloss die Augen und ging in mich, ‚fühlte‘ den Ort, diese Mischung aus Düsternis und Helligkeit. Kurz - das, wofür dieses weise, rätselhafte Wesen des Raben steht, dieser Grenzgänger zwischen Finsternis und Helligkeit, der Überbringer von Wissen und Nachrichten, seien sie unliebsam oder herbeigesehnt. Das Wesen, dem ich mich verbunden fühle, wie es scheint, denn ist doch der Rabe gleich wie ich von rätselhafter Natur und vielleicht gerade deshalb, wie auch ich, darauf bedacht, sein Inneres und Äußeres im Gleichgewicht zu halten.

Dann begingen wir gemeinsam noch das Haus, welches mir schon vor Tagen aufgefallen war, lag es doch an dieser Quelle, die direkt aus dem Stein nahe dem Ort der Kraft und eben diesem Runenstein des Raben entsprang. Ich konnte förmlich die Energie spüren, die sich mir dort darbot, wusch mir Hände und Gesicht mit dem kühlen Nass und füllte etwas davon in die Phiole, die ich kürzlich erwerben konnte. Sofern die Skelette nicht wieder den Steinkreis okkupiert haben, würde ich später dort das Wasser weihen.



   
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Wulfus
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Was war der Auslöser, für all diese Visionen, die mich in meinen Träumen erreicht haben? Diese Kraft, diese Macht, die ich nun in mir spüre – womit habe ich sie mir verdient? Was hat sie ausgelöst? Die Heilung der zwei tapferen Streiter von Eichenwacht,  Leomar und Cahir? Ist dadurch alles…ins Rollen gekommen?

 

Alberich schrieb die Zeilen in sein Tagebuch und erschauderte ob seiner Erkenntnis, dass in ihm Kräfte innewohnten, nach denen er weder verlangte, noch bei allen „Möglichkeiten“ wusste, wohin sie führte. Er sah Konrad, als die Drei mit Darian im Gespräch war, etwas erwirken, was ihm auch zuteil wurde: Ein Schutz, entsprungen aus der Kraft der Natur. Ihm selbst entsprangen selbige schützenden Spinnennetze tags zuvor, als ihn eine riesige Schlange angegriffen hatte. Ja, es entsprang ihm – als ein Wunsch vielleicht, einer Notwendigkeit in der Situation. Nicht gewollt, nicht erbeten, schon gar nicht….gesteuert. Das würde der nächste Schritt sein, denn ohne Kontrolle, das wusste Alberich, war diese Macht eine Gefahr. Fast verzweifelt schloss er die Augen und murmelt leise, die Runensteine dabei in der Hand rollend.

 

Rabe, Schweigender, Fae, Thornak – wer auch immer  seine Augen auf mich gerichtet hat und mir all das zuteilwerden hat lassen: Ich danke Euch! Ich danke Euch von tiefstem Herzen!  Aber leite mich, zeigt mir, was zu tun ist mit dieser Gabe!

 

Nach diesen Worten entzündete Alberich eine  Feuerschale am Ritusplatz nahe dem Sumpf, streute Kräuterwerk in die Flammen und fächerte den Rauch durch den halboffenen Raum. Bis in Trance würde er dort meditieren  - was jedoch wird ihm offenbart werden?



   
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Wulfus
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Lanja - Göttin der Leidenschaft

 

Und da erschien sie in seiner Traumvision. Erst verspürte Alberich etwas, das ähnlich war, was er in Anwesenheit des Glühchens von Darian spürte, ein warmes Wohlgefühl. Doch es wurde stärker und stärker. Irgendwann dann unfassbar stark. So stark, dass er aufwachte und gleichzeitig das Dunkle seiner Waldlichtung wahrnahm, während er aber immer noch diese Gestalt vor seinem inneren Auge auftauchen sah. Zuerst erkannte er nur Schemen. Doch am Höhepunkt des Fühlens verspürte er ekstatisch, was er noch nie zuvor fühlen durfte: Ein Hochgefühl, voller Leidenschaft, das ihn und seinen sonst so ausgeglichenen Charakter erbeben ließ und bis ins tiefste Innere ins Wanken brachte. In diesem Moment manifestierte sich die Gestalt auch visuell vor Alberichs Augen:

 

 

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Atemlos verharrte Alberich, überwältigt von dieser Aura, welche von der Frau ausstrahlte, und ihren Gesichtszügen, in denen er sich sofort verlieren musste. Dann lächelte sie den Verstummten an  und nannte ihn schlicht bei seinem Namen: „Alberich“. Der Tonfall war einer warmen Begrüßung gleich und der Angesprochene erschauderte wohlig bei der lieblichen Stimme. Kein Wort konnte seinen Mund verlassen, gebannt blickte er zu der wunderbaren Gestalt.

 

„Du suchtest und nun hast du mich gefunden.“

 

Ihr kurzer Satz zerriss die knisternde Stille, die sich in einem Moment der Unendlichkeit aufgebaut hatte. Er, der den Raben, den Schweigenden, die Fae oder gar  Thornak in seinen Träumen ‚erwartet‘ hätte, blieb stumm - hin und her gerissen von der gewaltigen Ausstrahlung ihrer Erscheinung und den inneren Zweifeln aufgrund seiner vormaligen Erwartungshaltung. Wer war sie, formte sich die Frage in seinem Kopf.

 

„Manche nennen mich Lanja. Andere die Hüterin der Leidenschaft. Wieder andere bevorzugen es, mich ‚Tänzerin im Zwielicht‘ zu nennen.  Man gab mir schon viele Namen in der Unendlichkeit meiner Existenz – aber was sind schon Namen, besonders, wenn man Antworten sucht?“

 

Ihren Worten folgte ein Lächeln und Alberich, dessen nicht ausgesprochene Frage beantwortet wurde, erschauderte erneut vor Wonne.

 

„Du hast eine meiner Schwestern oder einen meiner Brüder erwartet, doch deine Fragen werde ich dir beantworten.“

 

In die liebliche Stimme mischte sich in diesem Satz plötzlich eine unerbittliche Bestimmtheit, die jeden Zweifel Alberichs ausräumte. Mit keiner Faser seines Körpers oder Geistes konnte er sich dagegen erwehren, er wollte es auch nicht, denn dieser kleine Ausspruch ließ die Unordnung und Unsicherheit in seinem Inneren, welche sich in den letzten Wochenläufen aufgebaut hatten, zu einer neuen Hoffnung und Sicherheit werden. Ob er es wollte oder nicht. Darum ging es auch nicht – nicht um ihn, und sein Wollen, sondern um viel mehr.

 

„Hab keine Furcht ob deiner Macht, ob deiner Gabe. Sie wurde dir gegeben, um sie in meinem Namen zu nutzen und damit meine Existenz zu ehren und meine Worte in der Welt zu verbreiten. Spüre meine Leidenschaft, Alberich, und du wirst erkennen, warum sie – nicht nur unter Sterblichen – für viele das ist, was sie in ihrem Tun antreibt, worauf ihr Handeln basiert und ihre Erkenntnis fußt. Das wird dir die erste Antwort sein: Wofür du deine Gabe nutzen sollst – und in welchem Zeichen: Meinem Zeichen, dem Zeichen der Leidenschaft. Also komm her zu mir und leg einen Myrtenzweig zu meinen Füßen, um unseren Bund zu besiegeln.“

 

Ein Myrtenzweig manifestierte sich in seiner Hand, wie ein Wunsch, der in Erfüllung ging, um schlussendlich weitergeschenkt zu werden. Zögerlich machte Alberich einen Schritt vor und schon diese kleine Annäherung an dieses Wesen bewirkte, dass ihm die dadurch verstärkte Wahrnehmung dieser Ausstrahlung fast die Luft nahm. Bebend verharrte er kurz, doch zog es ihn dann förmlich in die Nähe dieser Frauengestalt. Langsam, Schritt für Schritt, näherte er sich ihr, um sich kurz vor ihr zu Boden zu lassen und unter wohligem Schaudern, kniend, den Myrtenzweig vor ihren Füßen abzulegen.

 

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Alberichs Kopf blieb gesenkt, als er so kniete, die Augen geschlossen, nur fühlend, wie all die Leidenschaft auf ihn einwirkte, diese Kraft, die gleichzeitig fesseln und wegreißen konnte, einer Urgewalt gleich.

 

„So sollst du in meinem Namen deine Pfade, die irdenen und die verborgenen, begehen. Mit der Gewissheit, dass ich dich leiten werde, sei es in den dunkelsten Höhlen oder in den gleißendsten Feuern. Sei zuversichtlich, denn du wirst nie alleine sein. Sei stark, denn du wirst damit viel erwirken können. Sei leidenschaftlich in deinem Sein, denn das wird dich antreiben. Hinterfrage deine Gabe nicht, denn der Sinn dahinter sei dir nun offenbart! Vielmehr soll deine Kraft wachsen und in meinem Namen soll sie die irdenen Gefilde erreichen: So nehme ich deinen Myrtezweig als Zeichen unseres Bundes, du hingegen bekommst von mir die das vollständige Wissen des 4. Zirkelkreises und wirst, wenn du dich weiterhin bewehrst, bald schon in meinen 3. Zirkelkreis aufgenommen werden. Damit trittst du mir so nahe, wie es selten ein Sterblicher zuvor  tat. Ehre also mein Vertrauen mit deinem Tun, Alberich!“

 

Als mit der Nennung seines Namens Lanjas Hand seine Schulter berührte, erschien es Alberich, als würde das Universum in seinen Grundfesten erschüttert werden. Unbeschreibliche Wellen an Gefühlen durchströmten, rissen ihn mit sich und hielten ihn gleichzeitig fest. Er selbst ließ sich fallen, ließ es geschehen, erbebte immer und immer wieder, spürte, wie sich die Macht der Leidenschaft in ihm ausbreitete und sich schlussendlich, einer lautlosen Explosion gleich, in ihm manifestierte – und verblieb.

 

„Lanja“

 

Das war das einzige Wort, das Alberich über die Lippen kam. Einem Schwur gleich, um zu besiegeln, was schon längst besiegelt war.


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Wulfus
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Am Ende brannte der riesige Bär. Mit seltsamen Flammen, so wie dort an der Windmühle. Ein unwirkliches Bild. Doch was war hier schon..."normal"?

Mit größtem gemeinschaftlichen Kraftaufwand hatten die Bewohner Eichenwachts und alle, die gerade zu Gast waren und zu helfen in der Lage waren, Horden von Knochenmännern und das nun brennende Untier besiegt. Zauber wurden gesprochen, Gebete gewirkt, Waffen unterschiedlichster Gattungen kamen zum Einsatz. Am Ende hatte man alle Eindringlinge besiegt. 

Alberich selbst aß danach am Feuern, versuchte wieder zu Kräften zu kommen und beantwortete Darian und Hadrian die eine oder andere Frage zu seiner Göttin. In seinen Augen loderte noch das Feuer des Kampfes, doch sein Inneres war erschöpft und leer. War es der Kampf? Waren es die Umstände dieses Kampfes, diese mysteriöse Kraft, die wohl hinter allem stecken muss? War es, dass er seit Tagen schon auf ein Zeichen seiner Göttin wartete - ohne auch nur einen kleinen Wink zu erhalten? Ihr Feuer - die Leidenschaft - brannte zwar stark in ihm, doch suchte er verzweifelt nach Orientierung.

 

Er zog sich zurück. Tief hinein in die Wildnis. Weit weg von den Ansiedlungen. Ritual für Ritual widmete er Lanja. 

Nur ein Zeichen. Zeig mir die nächsten Schritte, die zu gehen sind.



   
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Wulfus
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Vor wenigen Tagen.

 

Leomar und Alberich hatten die Horde der untoten Piraten ausgelöscht, doch das, was dann kam, war weit erfreulicher als jeder Sieg. Schon als Leomar sich runterbeugte und den seltsamen Gegenstand anhob, spürte Alberich ein seltsames Gefühl in sich hochsteigen. Ein Prickeln, voller Vorfreude...voller Aufregung. Als Leomar dann erstaunt auf das Ding deutete und Alberich näher kam, um es sich anzusehen, wurde das Gefühl intensiver und intensiver. Bilder des Raben erschienen im vor seinem geistigen Auge, wie eine Halluzination und als er sich selbst hinab beugte, um den Gegenstand zu berühren, manifestierte sich alles zu einer Vision:

 

 

Er sah den Raben, den Mittler der Göttinnen und Götter, über Gebirge fliegen. Dann änderte sich die Perspektive, und Alberich sah aus den Augen des heiligen Vogels. Der Blick des Tieres war nach unten gerichtet, es suchte und - fand. Ein Höhleneingang, weit unter ihm. Der Rabe stürzte sich hinab und die Höhle entpuppte sich als Mine. Erzadern und dann verschmolz das Tier mit dem Gestein.

 

 

Alberich riss die Augen auf. Vor ihm lag ein Relikt des heiligen Raben. Ein Gegenstand, in welchem seine Kraft innewohnte. Leomar und er würden den Fund nicht nur heil nach Eichenwacht bringen, auch um Konrad einen Blick darauf werfen zu lassen, sie würden mehr davon besorgen. Auch Cahir und Hadrian schlossen sich an. Sie würden ihr Ziel erreichen: Koste es, was es wolle! 

 

 

Später.

 

 

Alberich selbst wurde noch am selben Abend belohnt: Seine Göttin, Lanja, erschien ihm im Traum. Sie lächelte.

 

 

Ihr habt gut getan, du und deine Kampfgefährten! Möget ihr die Geheimnisse dieses Reliktes lüften und für euch nutzen können. Doch bedenkt: Wo viel Macht zugegen ist, ist auch Verantwortung und Demut gefragt! Da du dich also im Kampfe meisterlich geschlagen hast und dein Selbstvertrauen unter meinen Augen gewachsen ist, soll deine Aufgabe, um in meinen dritten Zirkel zu kommen, gänzlich anders als der Waffengang sein: Du sollst die kommenden Nächte nicht schlafen und dennoch dein Tagwerk vollführen. Anstatt des Schlafes sollst du dich der Meditation hingeben. Deine Erkenntnis daraus soll sein, was dein nächstes Ziel sein wird, welches du in meinem Namen anstreben wirst. So wie du selbiges formulierst und ich die Zielsetzung als würdig genug empfinde, wirst du in den mittleren Zirkel aufgenommen werden und mit den neuen Kräften den Weg zu diesem Ziel begehen können! Entscheide weise!

 

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Wulfus
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Die Nächte ohne Schlaf verbrachte der Hüne in Meditation. Zumeist an einem Feuerchen im Wald, manchmal an einem Ort der Kraft, einmal in einer Höhle nahe eines Wasserfalls. Oft musste er gegen das Einschlafen kämpfen, denn das Tagwerk davor war oft kräftezehrend gewesen. So hatte er Hadrian beim Entfernen einer alten Statur geholfen, die Recken aus Eichenwacht waren gemeinsam auf Jagden gegangen, erste Planungen rund um das Kräuter- und Badehaus hatten begonnen. Auch hatte er von Leomar  den Waffenrock der Eichenwacht überreicht bekommen, mit einem Angebot, der Schar beizutreten. Das Vertrauen ehrte Alberich, doch konnte er dennoch nicht sofort zusagen, da er seine Göttin diesbezüglich um Rat fragen musste. So bewahrte er das symbolträchtige Kleidungsstück vorerst sorgsam auf.

 

Aber alle Fragen der Reihe nach. Er entzündete Konrads Kerzen, schnitt ein Stück von dem seltsamen, blauen Pilz aus der Spinnenhöhle ab, steckte es in seinen Mund und schloss die Augen. Nahezu im selben Augenblick suchten ihn Visionen heim. Über Stunden hielt dieser Zustand an. Er sah Bilder des Friedens. Er sah Bilder des Kriegs. Er sah das Licht und er sah die Dunkelheit. Er sah das blühende Leben, wie auch den Tod.  Er spürte Ordnung, er spürte Chaos.

 

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Als er erschöpft halbwegs zu Sinnen kam, leuchtete einer seiner Runensteine sanft auf. Alberich nahm ihn in die Hand und strich darüber. Kurz zeigte sich ein Lächeln auf seinen erschöpften Lippen. Leise murmelte er:

 

 

 

Ihr habt mir Zeichen des Lichtes und Zeichen der Dunkelheit gezeigt, Herrin: Ich sah Recken, die in Eurem Namen für die lichte Seite durch die Welt zogen, wie auch andere, die im Namen des Chaos in Eurem Namen ihre Wege bestritten.  Diese Bilder früherer Zeiten zeigten jedoch nichts und niemanden, der zwischen diesen beiden Gesinnungen steht, um in Eurem Namen den Weg des Ausgleichs  zu bestreiten. Dies will ich tun, sofern Ihr es mir gewährt. Um unter euren Gefolgsleuten für Balance zu sorgen, wie auch unter allen anderen, die meine Wege kreuzen: Nie soll Voreingenommenheit meinen Geist trüben. Nie soll ich vergessen, dass das erste Urteil nicht das letzte sein muss. Bei niemandem soll ich verzichten, das zu suchen, was ich unterstützen kann – auch wenn die Suche lang und mühsam ist. Nie soll ich meine Ohren vor Worten verschließen, auch wenn sie mir fremd erscheinen, vielmehr soll ich aufmerksam lauschen. Und wenn ich selber spreche, dann soll ich niemals ein Fürsprecher für Einzelne sein, und damit andere  ausschließen – sondern versuchen, durch meine Worte und meine Taten die Gegensätze anderer auszugleichen, besonders wenn es gilt, Leid und Zwietracht zu vermeiden.

So Ihr mir also gewährt, in Eurem Namen den Weg des Ausgleichs zu bestreiten, werde ich dies mit äußerster Konsequenz und allen Mitteln tun! Ich bitte um ein Zeichen, Lanja, ob mich dieser Weg näher zu Euch führen soll!

 

 

 

Alberichs Worte verhallten. Stille lag über der dunklen Lichtung. Nichts. Kein Laut. Keine Erscheinung. Nichts. Als schon die Enttäuschung in ihm hochzusteigen begann, fühlte er ein sanftes Lodern in seinem Inneren. Langsam wurde es stärker und stärker. Mit aufgerissenen Augen sah er, wie seine eigene Hand  langsam zu einer Tatze wurde, fellig, mächtig, mit großen Klauen. Der Runenstein kullerte aus der sich verändernden Hand und fiel neben das Lagerfeuer. Dann der Unterarm. Dann…

 

 

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Momente später erhob sich ein mächtiger Bär auf seine Hinterbeine. Ein Brüllen voller Euphorie, voller Kraft, hallte weit über die Lichtung hinaus tief in die Gefilde hinein und mag wohl selbst in manch einer der menschlichen Ansiedelungen zu hören gewesen sein. Diejenigen, die das Brüllen vernahmen, mochten – den Geschehnissen rund um den Dornenbären zum Trotz – aus einem seltsamen Grund keine Furcht verspüren – ganz im Gegenteil.


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Wulfus
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Leto erschien gerade, als Alberich im Altarraum einen kleinen Haufen an Ästchen und wohlriechenden Rinden zu einem kleinen Feuerchen entfacht hatte, dessen Rauch langsam durch den Schrein zog - stetig seitlich bei den Öffnungen ins Freie hinaus. Sie grüßte ihn durch eben eine dieser Öffnungen und er lud sie ein, doch 'eintzutreten'.  Der Hüne vollendete in Letos Beisein seine Danksagung an Lanja, der er für die Unterstützung bei der Jagd auf die Riesenspinne und auch für die sichere Rückkehr des gesamten Trosses dankte.

 Bald sprachen sie über diese Höhle und ihre Rätsel, die zu erforschenden Dinge, die man dort finden konnte und irgenwann auch über das, was Leto als "die Leere" bezeichnete. Und als sie bei der Bescheibung dessen verstummte, spürte Alberich etwas von ihr ausgehen, kühl und eisig. Unsichtbar für das Auge war es, nur ihr seufzende Ausatmen und der frostige Dunst, der dies begleitete, ließ dieses erahnte Gefühl für Alberich auch kurz wahrnehmbar werden. Im selben Moment verspürte er, wie in gegensätzliche Richtung Energie auf Leto zuzuströmen schien - mehr noch: in Leto zu strömen schien. Nicht kalt, wie das, was aus ihr strömte, viel mehr war es, als würde die Wärme des Altarraums in Leto versickern.

 

Wortlos standen sich beiden gegenüber. Sein Blick blieb auf ihr liegen, als würde er in ihr tiefstes Inneres sehen wollen. Mehrmals veränderte sich das Aussehen seiner Augen, als ihn Lanja für einen Moment erkennen ließ, was da tief im Inneren Letos war. Wenngleich er von seiner Göttin Lanja dabei 'geführt' wurde, zuckte Alberich kurz zusammen. In diesem kurzen Moment war das seltene und seltsame Schauspiel zu erkennen, dass das Gesicht des bärtigen Hünen für einen Augenblick verletzlich wie ein ängstliches Kind aussah, ehe er mühsam um Fassung rang und dann erst zu seiner ruhigen Ausstrahlung zurückfand.

Lanja ließ in diesem kurzen Moment einen Ort 'spüren', den nicht einmal die Göttinen und Götter betraten.

 

 

Ein langes Schweigen zwischen beiden. Mit Mitleid in den Augen, aber einem aufmunternden - wenn auch bemühten - Lächeln um die Lippen, blickte Alberich zu Leto hinunter. Er werde nun jeden Tag seine Göttin darum bitte, ein Auge auf Leto zu haben. Er werde auf Leto 'damit' nicht alleine lassen. Sie bedankt es sich, wo seiner Meinung kein Dank notwendig war, und erkundigte sich vor ihrem Gehen, wie man zu Lanja sprach. Alberich erklärte ihr, dass allem voran das leidenschaftliche Tun und Sein stehen muss, erst dann kann man versuchen, sich an Lanja zu wenden - mit vollster Aufmerksam auf sie und ihre unsterbliche Existenz.

 

Sie wiederholte kurz, was er sagte.

Dann wünschten sie sich beide im Namen der Göttin sichere Wege.

 

Das arme Ding, schoss es Alberich durch den Kopf, als er ihr so lange nachsah, bis sie verschwunden war. Fast trotzig übte er sich dann sogleich wieder in Optimismus, versuchend, die düstren Gedanken zu vertreiben. Lanja würde auf sie achtgeben - er auch! In einem Anflug von ungestümer Wildheit ballte er die Faust und murmelte einen grollenden Runenspruch!



   
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Wulfus
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Dieser Tage war Alberich ruhelos durch die Gefilde gestreift, nach Spuren suchend, die ihn eventuell den vielen Fragen rund um die Geschehnisse mit den Untoten näherbringen konnten.  Er bereiste die Orte, von denen er wusste, dass sie von den Ruhelosen früher heimgesucht worden waren. Viele Orte der Kraft waren dabei, die noch vor wenigen Tagen durch klappernden Gestalten belagert wurden und nun aber jedoch in Ruhe und Stille dalagen. Es schien also so, als würde es sich um ein ganzheitliches Phänomen handeln, dass die Ruhelosen von der Oberfläche verschwanden und sich im Unterreich sammelten. Und diese Höhlen, diese unterirdischen Orte, die waren nun von seltsamen Gestalten bevölkert. Wie oft er sich durch diverse düstere Gänge gekämpft hatte, hatte er nicht mitgezählt. Doch wo blieben die Hinweise nach der Quelle allen Übels?

Alberich begriff langsam, dass ihn seine Waffe nicht zum Ziel geleiten würde. Welle für Welle an Untoten zu erlösen, würde am Ende zu nichts führen. Er würde sich stattdessen fernab von Eichenwacht der Meditation hingeben. Nahe Drachenbruch schlug er sein Lager auf, Verweilte. Meditierte. Versuchte die Zeichen der Runen zu lesen. Bis der Rabe Konrads kam und dessen Nachricht zu einem jähen Abbruch seines Lagers führte.



   
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