Seit Wochen hatte Riodas Aschenberg jeden freien Moment auf der Baustelle des Handelspostens verbracht. Balken wurden gesetzt, Steine geschichtet, Nägel geschlagen und immer wieder neue Lieferungen an Material herangeschafft. Der Platz begann Form anzunehmen, doch während er zwischen den Baugerüsten und Stapeln aus Holz, Stein und Lehm stand, schweiften seine Gedanken immer öfter über die Hügel hinaus, dorthin, wo die verlassene Stadt lag.
Der Handelsposten allein würde nicht genügen. Wenn hier wirklich ein Ort entstehen sollte, an dem Händler ein- und ausgingen, an dem Waren getauscht und Geschäfte geschlossen wurden, dann brauchte es mehr als nur eine Halle. Es brauchte Häuser. Werkstätten. Menschen.
Eine Stadt.
Diese Gedanken ließ er eines Abends nicht länger ruhen. Er suchte Kevo auf, der gerade noch mit einigen Werkzeugen beschäftigt war.
„Es gibt dort oben diese alte Stadt…“ begann Riodas nachdenklich und deutete in Richtung der verlassenen Mauern in der Ferne. „Niemand lebt dort. Aber sie liegt nahe genug am Handelsposten, dass sie wieder Bedeutung gewinnen könnte.“
Kevo sah ihn kurz prüfend an, dann nickte er langsam. Worte waren kaum nötig. Beide wussten, dass solche Orte selten wirklich tot waren, meist warteten sie nur darauf, dass jemand den Mut hatte, sie wieder mit Leben zu füllen.
Am nächsten Morgen brachen sie gemeinsam auf.
Die alten Mauern ragten noch immer beeindruckend aus der Landschaft, doch beim Näherkommen zeigte sich schnell, wie sehr die Zeit an der Stadt genagt hatte. Tore standen offen oder schief in ihren Angeln, Fenster waren zerbrochen, und zwischen den Pflastersteinen wucherte Unkraut.
Sie begannen ihre Erkundung im Armenviertel, wo die Häuser enger standen und die Straßen schmaler wurden. Viele Gebäude waren halb verfallen, doch einige wirkten noch erstaunlich stabil.
Riodas blieb immer wieder stehen, musterte Mauern, prüfte Balken mit der Hand oder blickte durch offene Türen in staubige Räume.
„Hier könnte man etwas daraus machen“, meinte er schließlich und zeigte auf ein Haus mit noch intaktem Dachstuhl.
Kevo trat ein paar Schritte zurück, betrachtete das Gebäude und nickte zustimmend.
„Und dort drüben ebenso.“
Sie gingen weiter durch die Gassen, fanden mehrere Häuser, die sich mit etwas Arbeit wieder herrichten ließen. Je länger sie durch die verlassenen Straßen gingen, desto deutlicher wurde beiden, welches Potential in dieser Stadt steckte.
Als sie schließlich zurückkehrten, war Riodas’ Entschluss gefasst.
Noch am selben Abend suchte er die Zunft der Schmiede auf, jene Männer, denen er selbst angehörte und die ihn bereits beim Bau des Handelspostens tatkräftig unterstützt hatten.
Dort legte er ihnen seinen Plan dar.
Er sprach von der verlassenen Stadt nahe dem Handelsposten. Von den Häusern, die sich mit harter Arbeit wieder herrichten ließen. Von einer Zukunft, in der Handwerker nicht länger verstreut lebten, sondern gemeinsam einen Ort schufen, an dem Handel, Arbeit und Leben zusammenkamen.
„Blutkamm war lange unsere Heimat“, sagte Riodas ruhig, während sein Blick durch die Runde wanderte. „Doch Zeiten ändern sich. Wenn wir wirklich wachsen wollen, dann brauchen wir einen Ort, der uns gehört. Eine Stadt, in der Handwerk und Handel zusammenkommen.“
Die Männer hörten aufmerksam zu.
Olaf verschränkte nachdenklich die Arme.
Asyrian strich sich langsam über den Bart.
Cerberon betrachtete den Schmied mit prüfendem Blick.
Doch je länger Riodas sprach, desto klarer wurde allen, dass dies mehr war als nur eine Idee.
Es war eine Gelegenheit.
Schließlich nickte Olaf als erster.
„Dann sehen wir sie uns an.“
Die anderen folgten.
So machten sich Riodas, Olaf, Asyrian, Cerberon und Kevo wenige Tage später gemeinsam auf den Weg.
Als sie die alten Stadttore erreichten, hielten sie ihre Pferde kurz an. Vor ihnen lag eine breite Straße, die sich tief in die Stadt hinein zog, flankiert von hohen Backsteinhäusern, deren Fassaden zwar gezeichnet, aber noch immer beeindruckend waren.
Die Männer ritten langsam durch das Tor.
Ihre Blicke wanderten über die Gebäude, über verlassene Fenster, über Plätze, auf denen einst Händler ihre Waren angeboten hatten.
Die Stadt war nicht tot.
Sie war nur vergessen.
Am Ende der Straße fanden sie schließlich das Gebäude.
Es stand direkt an der Hauptstraße, an einem Punkt, den jeder passieren musste, der die Stadt betrat oder verließ. Das Haus war heruntergekommen, Teile der Fassade bröckelten, und einige Fenster waren eingeschlagen.
Doch die Grundmauern standen fest.
Riodas stieg vom Pferd und trat näher heran. Er strich mit der Hand über das alte Mauerwerk, prüfte den Stein, blickte hinauf zum Dach.
Dann wandte er sich zu den anderen um.
„Hier.“
Kevo trat neben ihn und musterte das Gebäude ebenfalls.
Olaf nickte langsam.
„Wer in diese Stadt kommt…“
„…kommt hier vorbei“, beendete Cerberon den Satz.
Es brauchte keine lange Diskussion.
Sie hatten ihren Ort gefunden.
Hier sollte das Herz der neuen Stadt entstehen.
Während Olaf, Asyrian und Cerberon bereits damit begannen, das leerstehende Haus auszuräumen, alte Bretter hinauszutragen, Türen auszuhängen und beschädigte Balken zu begutachten, schwangen sich Riodas und Kevo erneut auf ihre Pferde.
Sie mussten zurück zum Lager.
Werkzeuge, Holz, Nägel, Lehm, Stein, all das würde gebraucht werden.
Und viel davon.
Während die beiden den Weg zurückritten, arbeiteten die anderen bereits weiter im Haus. Staub wirbelte durch die Räume, alte Möbelstücke wurden hinausgetragen, und erste beschädigte Stellen wurden ausgebessert.
Die Arbeit hatte begonnen.
So begann die Besiedelung einer Stadt, die lange verlassen gewesen war.
Eine Stadt, die von nun an einen neuen Namen tragen sollte.
Kronwalden.
Was hier entstand, war mehr als nur ein weiteres Handelskontor.
Die Handwerker hatten beschlossen zu bleiben.
Und mit jedem Stein, der gesetzt wurde, mit jedem Balken, der aufgerichtet wurde, wuchs nicht nur ein Gebäude, sondern der Anfang einer neuen Heimat.
*Es war wieder einer dieser Tage, die langweiliger nicht hätten beginnen können. Cerberon stand Tag für Tag in der Mine und suchte nach den seltenen Erzen, welche der Berg ihm zur Verfügung stellte. Dann und wann stieß er auf eine Adamantader, doch ob der Monotonie, welche dieses mit der Picke auf den Berg einschlagen mit sich brachte, rang ihm dies nur ein müdes Lächeln ab. Die Taschen waren rasch gefüllt und er wollte seinen Gaul nicht überanstrengen, auch wenn es kein weiter Weg von der Miene zum Gebäude der Schmiedezunft war. Aber er brauchte ihn noch. Er musste noch viel schleppen. An der Zunft angekommen, hörte er bereits vor dem Gebäude Stimmen aus eben jenem dringen. Er ging in das Erzlager, um seine Beute erst einmal ordentlich zu verstauen. Als er in den großen Raum trat, saßen dort schon Olaf und Riodas, Asyrian kam gerade durch die Eingangstür herein. Angeregt unterhielten sich die Männer und die beiden Neuankömmlinge setzten sich zu ihnen an den Tisch. Es duftete nach Schinken und Brot, und Cerberon schnitt sich zuerst einmal eine große Scheibe von beidem ab. So ein Tag in den Stollen machte hungrig.
Das Gespräch lief auf nur eines hinaus. Sie wollten sich in der Stadt niederlassen. Cerberon selbst hatte diesen Entschluss schon lange vor diesem Gespräch für sich selbst gefasst. An dem Tag, als er durch die Gassen der Stadt schlich und auf den Herrn Aurelius traf. Dieser bot ihm an, einen kleinen Laden unweit der Arena zu beziehen und fortan seine Waren dort anzubieten. Das kleine Haus gefiel ihm, doch würde er dort keine Waren anbieten wollen. Warum auch? Riodas errichtete vor den Mauern der Stadt ein großes Handelshaus. Dort wolle er auch in Zukunft seine Waren anbieten. Es war eher der Gedanke, in dem Gebäude etwas anderes zu errichten. Schon lange gärte der Gedanke in ihm, die Zunft zu etwas Größerem zu machen. Er sprach mit Olaf bereits darüber und auch er sah, dass man sich nicht nur auf sein eigenes Gewerk konzentrieren sollte. Sie hatten in so wenig Zeit so viel erreicht. Dies wollten sie auch anderen zur Verfügung stellen. Vielleicht gab es andere, die sich in einer Zunft zusammenschließen wollen würden. Die Holzarbeiter vielleicht. Er würde dazu Asyrian befragen, ob er nicht gewillt wäre, eine Zunft der Holzarbeiter zu gründen. Vielleicht auch die Landwirte und die Gelehrten, auch wenn ihm diese nicht geheuer waren. Die Schneider, ja die Schneider. Auch sie könnten sich zusammenschließen und gemeinsam neue Sachen ersinnen. Und so wollte er ein Gebäude suchen, welches für diesen Zweck infrage kommen würde. Ein Haus, in dem sich all diese Gewerke versammeln und treffen konnten. Sei es, um nur gesellig beisammensitzen, oder aber auch um in ihren Gewerken die Preise zu besprechen für die Waren, die sie fertigten. Abzusprechen mit den anderen Gewerken, was sie selbst für ihre Arbeiten benötigten.
Sein Entschluss war gefasst. Er würde ein Gebäude in der Stadt suchen, welches etwas hermachte. Ein Haus der Zünfte müsste dies schließlich. Das könnte nicht einfach nur ein Bretterbau sein. Was bot sich da besser an als ein Gebäude in der größten Stadt auf dieser kargen Insel? Und er würde andere suchen, die wie er und Olaf dachten. Es wurde Zeit, dass man an einem Strang zog. Dass man gemeinsam vorankam. Was würde ihnen auch bleiben? Den eins hatten sie alle gemein. Sie wussten, dass sie nichts wussten!*
*Cerberon war nie jemand der Dinge lange schleifen lassen hat. Mit seinem Gebäude wollte er sich jedoch Zeit lassen, es musste das richtige sein. Welches Gebäude für die Zusammenkunft jedoch gewählt werden würde war ihnen allen gleich klar.
Herr Aurelius hatte ja schon eine gewisse Vorarbeit geleistet. Und dies hatte er gut getan. Viel war nicht mehr was sie tun mussten.
Und so war es nicht mehr viel was getan werden musste hier und da ein wenig sauber machen...
....und in dem einen odere anderen Zimmer die alten Betten entfernen. Die dienten sicher schon längst den Ratten als Nest. Und Ratten wollte niemand in seiner Gastwirtschaft.
Nachdem diese letzten Handgriffe getan waren schauter er sich noch einmal im großen Schankraum um und nickte.*
"Und so soll es beginnen!"
Ein leises Knarren durchbrach die Stille des Armenviertels, als Riodas die Tür der kleinen Schmiede aufdrückte. Das Gebäude war schlicht, kaum mehr als ein alter, zweigeschossiger Bau mit schiefer Fassade und einem Dach, das schon bessere Tage gesehen hatte. Innen führte eine schmale Treppe nach oben in einen niedrigen Raum unter dem Dach,kaum mehr als ein Lager oder ein Platz, um zur Ruhe zu kommen.
Doch es war genug.
Riodas trat ein, ließ den Blick kurz durch den unteren Raum wandern, prüfte Balken, Wände und Boden, alles einfach, aber brauchbar. Kein Ort für große Worte, sondern für Arbeit.
Er nickte knapp.
Dann wandte er sich wieder nach draußen.
Dort, vor der Schmiede, lag der eigentliche Platz, an dem Leben einkehren würde. Entlang der Ostwand hatte er bereits den Bereich markiert, an dem die Esse entstehen sollte. Der Wind stand hier günstig, zog den Rauch fort von den umliegenden Häusern und ließ genug Raum, um frei arbeiten zu können.
Die ersten Stunden vergingen mit Schleppen, Räumen und Vorbereiten. Steine wurden herangetragen, Lehm angerührt, der Boden geebnet. Schritt für Schritt entstand vor der Tür das Herzstück der Schmiede.
Mit ruhiger, geübter Hand setzte Riodas die Steine der Esse, schichtete sie fest aufeinander und verschloss die Zwischenräume mit feuchtem Lehm. Bald schon ragte sie stabil an der Ostwand empor,bereit, Hitze zu tragen und Eisen zu formen.
Direkt davor fand der Amboss seinen Platz. Schwer und unbeweglich ruhte er auf einem massiven Holzblock, so ausgerichtet, dass jeder Schlag frei geführt werden konnte.
Riodas trat einen Schritt zurück, betrachtete das Werk,dann wandte er sich der Südseite zu.
Dort stellte er eine hölzerne Pferdetränke auf, füllte sie mit frischem Wasser, das in der kühlen Luft leise schimmerte. Daneben platzierte er einen Futtertrog, grob gezimmert, aber zweckmäßig. Seine Tiere würden hier stehen können, während er arbeitete, ein kurzer Handgriff zwischen zwei Schlägen, ohne den Platz verlassen zu müssen.
Er blieb einen Moment stehen, ließ den Blick über alles schweifen.
Die kleine Schmiede.
Die Esse an der Ostwand.
Der Amboss davor.
Die Tränke und der Trog im Süden.
Und hinter ihm die Taverne, aus der bereits erste Stimmen drangen.
Langsam begann dieser Ort, sich zu füllen.
Als die Sonne tiefer sank, griff Riodas nach Zunder und Stahl.
Ein Funke sprang.
Dann noch einer.
Schließlich fing das Holz Feuer, die Flammen leckten an den frisch gesetzten Steinen empor, und die Esse begann zu glühen. Wärme breitete sich aus, vertrieb die Kälte aus den Mauern und legte sich über den Platz vor der Schmiede.
Riodas legte ein Stück Eisen in die Glut, wartete, bis es sich färbte, erst dunkel, dann rot, dann hell.
Er hob den Hammer.
Der erste Schlag hallte durch das Armenviertel.
Hart. Klar. Unverkennbar.
Ein zweiter folgte.
Dann ein dritter.
Die Geräusche trugen weit, bis zur Taverne, durch die Gassen, hinaus in das, was Kronwalden einmal gewesen war… und nun wieder werden konnte.
Riodas arbeitete schweigend weiter, jeder Schlag saß, jeder Funke erzählte von dem, was hier entstand.
Nicht nur eine Schmiede.
Ein Anfang.
Das Feuer war entfacht.
Das Feuer im Kamin der Taverne knisterte leise, während draußen die Nacht über die Dächer der Siedlung kroch. Drinnen jedoch war es warm, erfüllt vom Klang von Stimmen, vom Klirren von Krügen und dem dumpfen Aufsetzen von Tellern auf grobem Holz.
Am großen Tisch nahe des Feuers saßen sie beisammen.
Riodas, Olaf, Asyrian, Kevo und Cerberon.
Der Tag war lang gewesen, wie so viele in letzter Zeit. Staub lag noch in den Kleidern, der Geruch von Arbeit hing ihnen nach – doch genau das machte diese Stunden aus. Die Ruhe nach dem Werk. Der Moment, in dem aus Mühe Gemeinschaft wurde.
Riodas lehnte sich leicht zurück, den Krug in der Hand, und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Die Taverne war längst kein verlassener Ort mehr. Hier und da saßen bereits andere, sprachen leise, aßen, tranken.
Leben.
„Kronwalden…“ murmelte er schließlich, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
Olaf hob eine Braue. „Was ist damit?“
Riodas schnaubte leise. „Es klingt nach etwas Altem. Etwas, das gewesen ist… aber nicht nach dem, was wir hier erschaffen.“
Ein kurzes Schweigen legte sich über den Tisch.
Dann stellte Cerberon seinen Krug ab, langsam, bedächtig.
„Dann geben wir ihm einen neuen Namen.“
Die anderen sahen zu ihm.
„Aschenheim“, sagte er schließlich. „Die Aschenhalle hat bereits ihren Platz gefunden. Und wir…“ Er ließ den Blick durch die Runde wandern, dann hinaus in die Dunkelheit vor den Fenstern. „Wir bauen hier etwas aus den Überresten. Aus dem, was war. Aus Asche entsteht Neues.“
Kevo nickte langsam. „Passt besser.“
Asyrian verschränkte die Arme, dachte einen Moment nach, dann ebenfalls ein zustimmendes Nicken.
Olaf grinste schief. „Klingt nach uns.“
Alle Augen wandten sich zu Riodas.
Dieser schwieg einen Augenblick, ließ die Worte wirken, ließ das Bild entstehen.
Aschenheim.
Ein Ort, der nicht verleugnete, was gewesen war, sondern daraus Stärke zog.
Schließlich hob er den Krug leicht an.
„Dann stimmen wir ab.“
Keine langen Reden, kein großes Zeremoniell.
Fünf Stimmen.
Fünf Entscheidungen.
Und keine dagegen.
Riodas nickte.
„Dann ist es beschlossen.“
Er hob den Krug höher.
„Auf Aschenheim.“
Die Krüge stießen an, dumpf und klar zugleich.
Ein neuer Name.
Ein neuer Anfang.
Das Gespräch ebbte jedoch nicht ab,im Gegenteil.
Cerberon beugte sich leicht vor, ein Funkeln in den Augen, das mehr verriet als Worte.
„Wir waren nicht untätig“, begann er und deutete mit einem kurzen Nicken zu Olaf. „Das große Gebäude weiter östlich, an der Stadtmauer… wir haben es hergerichtet.“
Olaf lehnte sich zurück, ein zufriedenes Brummen auf den Lippen.
„War mehr Arbeit, als es aussah“, warf er ein, „aber es steht wieder.“
Cerberon fuhr fort: „Dort entsteht das Haus des Handwerks. Ein Ort für alle Zünfte. Schmiede, Tischler, Steinmetze… und alle, die ihr Handwerk teilen wollen.“
Riodas Blick wurde aufmerksam.
„Ein Treffpunkt“, murmelte er.
„Ein Zentrum“, bestätigte Cerberon. „Für das, was wir hier aufbauen.“
Ein langsames Nicken ging durch die Runde.
Die Strukturen nahmen Form an.
Nicht nur Häuser, sondern Gemeinschaft.
Während sie sprachen, öffnete sich die Tür der Taverne.
Kühle Nachtluft zog herein, begleitet von neuen Stimmen. Zwei Männer traten ein, einer davon mit einem Bündel Felle über der Schulter, kunstvoll bearbeitet, zu Trophäen geformt, Hörner, Schädel, präparierte Stücke, die von erfolgreichen Jagden erzählten.
„Der erste Händler“, murmelte Kevo mit einem leichten Lächeln.
Und er sollte nicht der letzte bleiben.
Am Stadteingang, gleich hinter dem Tor, hatte sich bereits ein Stallbursche niedergelassen. Die alten Ställe waren ausgemistet, neu hergerichtet worden, und nun standen dort wieder Pferde, versorgt, gebürstet, bereit für Reisen.
Die Wege wurden belebter.
Die Stimmen mehr.
Die Lichter zahlreicher.
Aschenheim begann zu atmen.
Riodas stellte seinen Krug ab und sah in die Runde.
„Das ist erst der Anfang.“
Sein Blick wurde fester.
„Wir brauchen mehr.“
Zustimmendes Murmeln folgte.
„Händler“, fuhr er fort. „Versorger. Menschen, die hier bleiben wollen.“
Cerberon nickte. „Wir werden Aushänge machen.“
„Ein Quartiermeister wäre sinnvoll“, warf Asyrian ein.
„Ein Tischler“, ergänzte Olaf.
„Ein weiterer Schmied schadet nie“, brummte er danach.
„Heiler. Alchemisten“, fügte Kevo hinzu.
Riodas nickte bei jedem Wort.
„Alles, was eine Siedlung braucht, um bestehen zu können.“
Ein kurzer Moment der Stille entstand – kein leerer, sondern einer voller Gedanken.
Dann griff Riodas wieder nach seinem Krug.
„Dann sorgen wir dafür, dass sie kommen.“
Draußen lag die Nacht still über den Mauern.
Doch in der Taverne brannte Licht.
Und mit ihm die Gewissheit:
Aschenheim war mehr als nur ein Name.
Es war der Anfang von etwas, das bleiben würde.
Die Neue Heimat.
Die Stadt war still geworden. Es war der erste Ort den Morina nach ihrem Erwachen entdeckt hatte, und es war ihre Heimat geworden.
Drachenbruch.
Man traf Menschen auf der Strasse und dem Marktplatz, nicht viele aber doch. Das war jetzt alles anders. Die Strassen waren menschenleer und selbst die Haendler waren schon abgewandert. Nur in der Bank konnte man noch seine Habseeligkeiten sicher unterbringen.
"Das ist kein Ort mehr wo ich Geschaeft machen kann" meinte sie betruebt, wohl ehr zu sich selbst, weil es war ja sonst keiner mehr da.
"Da muss ich mir wohl oder uebels was Neues suchen. Neue Gefilde, Neues zu entdecken."
Auf ihren ausgiebigen Wanderschaften und beim Kraeutersammeln hatte sie schon einige Orte kennengelernt. Eichenwacht waere sicher eine Option, aber doch etwas weit fuer einen Umzug. Eulenrast waere auch noch da, nicht nah aber doch nicht so weit wie Eichenwacht.
Wobei letztens hatte sie doch mit einer Haendlerin geredet. Da sollte es doch eine neue Siedlung geben, nicht neu gebaut aber neu- oder besser wieder besiedelt. Wie war noch der Name? Aschen irgendwas, was wars nochmal, Aschenberg? Ach nein Aschenheim, das wars.
"Da werd ich mich wohl mal vorstellig machen" meinte sie wieder zu sich selbst.
Gesagt getan und nach einer nicht zu langen Reise stand sie vor den Toren von Aschenheim. Nach einem kurzen Besuch bei der Stadtverwaltung wurde sie an den Herren Riodas Aschenberg verwiesen.
"Aschenberg in Aschenheim, da mag jemand aber seinen Namen immer gern hoeren" meinte sie kichernd wieder einmal zu sich selbst.
Der Herr Riodas wurde auch schnell gefunden, ein netter Herr, und die Formalitaeten wurden ueber die Buhne gebracht. Ein Haus wurde angemietet. Zwar mit loechrigem Dach aber dafuer hat es eine Steinkeller fuer das Alchemisten Labor.
"Steinkeller sind immer gut wenns mal Bum macht, da brennt nicht gleich alles ab."
Die Stadtverwaltung war auch sehr zuvorkommend und stelle einen Karren zur Verfuegung fuer den Umzug.
Nachdem die letzten Dinge aus ihrem Lager in Drachenbruch auf den Karren gestapelt waren machte sie noch eine Runde durch ihre Lieblingsplaetze und bisherigen Arbeitsraeume. War alles menschenleer.
"Hmmm was die Leute hier alles zurueckgelassen haben. Da kann ich ja noch mehr auf meinen Karren laden, bevors hier alles verkommt. Den Kessel im Labor koennte ich in der neuen Stadt ja auch brauchen. Und das Spinnrad und der Webstuhl finden sicher auch gebrauch"
Gesagt getan beginnt sie mit dem aufladen der 3 Dinge ..........
Die Taverne von Aschenheim war an diesem Abend erfüllt vom dumpfen Klang schwerer Krüge, dem leisen Murmeln der Gäste und dem warmen Schein flackernder Kerzen. Zwischen all den Stimmen und Gerüchen aus Met, Rauch und gebratenem Fleisch saß Riodas an einem der Tische, als ein Fremder an ihn herantrat.
Der Mann war von kräftiger Statur, sein Blick wachsam, als habe er mehr gesehen, als ihm lieb war. Er stellte sich als Dramien Rabensilber vor.
Mit ruhiger Stimme berichtete er von seinem Weg. Einst sei er nach Eichenwacht gereist, in der Hoffnung, dort als Wache seinen Dienst zu tun. Doch die mächtige Festung vor den Toren habe jeden Bedarf an weiteren Männern zunichtegemacht. Es habe keinen Platz für ihn gegeben, keinen Sinn, dort zu bleiben. So habe ihn sein Weg weitergeführt, bis nach Aschenheim.
Hier nun suche er Arbeit. Schutz wolle er bieten, gegen Lohn, gegen ein Ziel.
Riodas lehnte sich zurück und musterte den Mann einen Moment lang. Ein Kämpfer also. Genau das, was ihnen bislang fehlte.
Ein leichtes Nicken folgte, dann ein Angebot.
Ein Dach über dem Kopf. Warmes Essen. Ein Krug Met, wann immer der Tag schwer gewesen war. Und vor allem: Ausrüstung aus der Schmiede, gefertigt mit Sorgfalt und Stärke.
Im Gegenzug sollte Dramien tun, was er ohnehin suchte: die Bürger Aschenheims schützen. Vor allem vor jenen, die sich jenseits der Straßen regten, den Untoten, die immer wieder aus den Schatten auftauchten und Unheil brachten und den Ratten die von Zeit zu Zeit die Siedlung heimsuchten.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich einig wurden.
Noch am selben Abend führte Riodas ihn zur Schmiede. Zwischen Ambossen und Kohle, zwischen Funkenflug und gehärtetem Stahl, stellte er ihm erste Ausrüstung zusammen. Nichts Überladenes, doch solide genug, um sich gegen die Gefahren vor den Toren behaupten zu können.
Gerüstet machten sich die beiden auf, die Stadt genauer zu betrachten.
Sie folgten der Hauptstraße bis an ihr Ende, dorthin, wo die Gebäude älter und verlassener wirkten. Ein Haus fiel ihnen besonders ins Auge. Von außen unscheinbar, doch ein vergittertes Fenster ließ erahnen, was sich im Inneren verbarg: Zellen.
Ein Gefängnis.
Riodas trat näher, legte die Hand an die Tür. Sie war verschlossen, oder vielmehr: alt und widerspenstig. Gemeinsam stemmten sie sich dagegen. Holz ächzte, Metall gab nach… und schließlich sprang die Tür mit einem dumpfen Knacken auf.
Der Staub im Inneren hatte sich lange nicht mehr bewegt.
Doch das Gebäude war erstaunlich gut erhalten. Im Erdgeschoss fanden sie zwei Zellen, stabil, zweckmäßig. Genau das, was man brauchte, um Unruhestifter oder Gefangene unterzubringen. Eine schmale Treppe führte hinauf ins erste Obergeschoss, wo ein Raum mit zwei Hochbetten lag. Vier Männer konnten hier schlafen, eng, aber ausreichend.
Riodas sah sich um, dann zu Dramien.
Hier war es.
Ein Anfang.
Sie brauchten keinen großen Bau, keine prunkvollen Hallen. Sie brauchten einen Ort, von dem aus Ordnung und Schutz ausgehen konnten.
Und so beschlossen sie, das alte Gebäude künftig als Stützpunkt der Stadtwache zu nutzen.
Ein erster Wächter war gefunden.
Und mit ihm begann Aschenheim, nicht nur zu wachsen, sondern sich auch zu verteidigen.
Gesagt getan beginnt sie mit dem aufladen der 3 Dinge ..........
........ was sich dann aber wohl als schwieriger herausstellte als sie gedacht hatte. Die Hilfe die Morina fuer ein paar Muenzen angeheuert hatte um den Karren zu begleiten, man hoerte ja von den immer wieder auftauchenden Untoten, stand kopfschuettelnd neben dem Karren.
"Nee das kriegen wir nie und nimma alles mit. Das Spinnrad geht ja noch oben drauf auf den ganzen Krempel", was ihm einen boesen Blick von Morina einfangen lies, den er grinsend ignorierte, "und den Kessel koennen wir sogar noch hinten mit ner Kette dranhaengen, hab zum Glueck eine dabei, aber der Webstuhl geht da nie und nimmer mit drauf. Den kriegen wir nichtmal auf den leeren Karren drauf. Der ist viel zu sperrig."
Morina starrt ihn, wohl sichtlich enttaeuscht, eine Weile an. "Was machen wir denn dann?" meint sie etwas verunsichert.
"Naja wir bringen den Krams erstmal in die Stadt und kommen dann nochmal wieder fuer den Webstuhl. Ich bring dann Werkzeug mit und wir schauen ob wir das Ding auf Karrengroesse zusammensaegen koennen" meint er breit grinsend.
Sie schaut ihn wohl etwas erschrocken und leicht aergerlich an "Hier wird nichts gesaegt!", bis sie dann sein grinsen bemerkt. "Ihr scherzt wohl guter Mann. Zersaegt bringt mir der Webstuhl ja nichts mehr, bis auf nen Haufen sperriges Feuerholz vielleicht."
"Naja wir muessen ihn ja nicht gleich zu Feuerholz zersaegen", meint er noch immer grinsend, "aber der Sockel muss runter. So kriegen wir das Ding nie auf den Karren. Mit meinem Werkzeug krieg ich den schon runter und dann in der Stadt koennen wir den wieder dranmontieren mit nen paar Naegeln."
Sie nickt nur, wohl sichtlich etwas erleichtert. "Na dann mal los. Laden wir das Spinnrad und den Kessel auf und kommen dann morgen wieder."
Aus Morgen wurde dann zwar Uebermorgen, der Kerl der helfen sollte hatte sich am Abend etwas zu sehr selbt geholfen in der Taverne und war nicht in der Lage sich auf die Reise zu machen ohne den Karren mit der Kohlsuppe, die er wohl am Abend zuvor mit groesseren Mengen an Alkohol genossen hatte, vollzupflastern. Aber gut Ding braucht ja bekanntlich eine Weile, und wenn Alkohol im Spiel ist kanns auch mal 2 Weilen brauchen.
Nachdem sie am spaeten Vormittag des 2. Tages in Drachenbruch angekommen waren, nach etlichen Pausen am Weg "Mir gehts grade nicht so gut", machte sich die Hilfe auch gleich an die Arbeit und nach einer Weile hatte er den Webstuhl auf Karrengerechte Stuecke zerlegt. Das Aufladen war dann kein grosses Problem mehr und zu Mittag machten sie sich auch schon wieder auf den Rueckweg.
Als sie am Marktplatz von Aschenheim angekommen waren und alles abgeladen war meinte er zu Morina "Ist schon etwas spaet und wird bald dunkel. Ich fang dann morgen in der Fruehe an das Ding wieder zusammenzubauen. Sie nickte nur "Ist gudde. Die Muenzen gibts dann morgen, sonst hab ich den Webstuhl wieder voll mit Kohlsuppe" meint sie noch grinsend, alls sie sein leicht entttaeuschtes Gesicht bemerkte.











