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(Quest) Das Kreischen in der Nacht

Kalliope
(@kalliope)
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Arnulf starrt auf die Feder, die vor ihm in der kleinen Blutlache liegt. Sie ist lang, geschwungen, hat ein unverkennbares Muster, und doch ist sie bläulich. Bisher hatte er dieses Muster nur rötlich gesehen, ein klares Zeichen: eine Harpye hatte sich herab verirrt und ein Schaf gerissen. Als Trophäenhändler hatte er eigentlich einen guten Überblick, hatte er gedacht. Jeden Kunden fragt er nun, ob dieser bereits eine solche Feder gesehen hätte.
 
In der folgenden Nacht meidet der Schlaf ihn, und alle anderen Bewohner des Blutkamms. Statt von leisem Schnarchen erzittern die Wände von unbändigem Geschrei, ein Geräusch, das schon lange nicht mehr in dieser Klarheit durch die Hügel gezogen ist. Harpyen! Einst von den wackeren Recken der Eulenrast in die Berge zurück gedrängt, erobern sie ihre Reviere zurück, lassen wie zur Bestätigung ihres Triumphes ihre gellenden Schreie die Nacht zerreißen.
 
Am nächsten Morgen sind die Hügel bevölkert, die Holzbarriere ist zerborsten. Auf dem großen Weg an der Eulenrast vorbei finden wachsame Beobachter Spuren: aufgescharrte Erde hier, kleine Federchen dort. Pferde scheuen ob des bestialischen Geruchs, und immer wieder verirrt sich eine der gefiederten Ungestalten auf den Hauptweg, bedroht alle Reisenden, bis ihr der Garaus gemacht wird.


   
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soup
 soup
(@soup)
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Lange bevor Elijah die Wegkreuzung im Blutkamm erreichte wurde sein Pferd schon unruhig, es schnaubte leise und trat ungleichmäßiger auf, als würde es etwas wittern das sich seinem Blick entzog. Elijah ließ die Zügel locker, doch seine Aufmerksamkeit schärfte sich, sein Blick glitt immer wieder hinauf zu den dunklen Hängen des Blutkamms. Als er schließlich an die Kreuzung gelangte – ein schiefer, halb zerfallener Wegweiser, dessen Holz vom Wind aufgerissen war – verlangsamte er sein Tempo. In die eine Richtung ging es hinab zur Eulenrast, der andere Weg führte hoch ins Blutkammgebirge - entlang der steilen Felswände.

Im nächsten Augenblick erklang ein Geräusch, wie ein schriller, schneidender Riss in der Luft, der so plötzlich einsetzte, dass er sich eher wie ein Angriff anfühlte als wie ein Schrei. Elijah hob den Kopf und sah wie eine Harpyie aus der Höhe auf ihn herabstürzte. Er reagierte, ohne nachzudenken, rutsche aus dem Sattel seines Pferdes und hob seine Hand bedrohlich in ihre Richtung. Die Luft vor ihm spannte sich, zog sich zusammen, bis sie beinahe greifbar wurde, und im nächsten Augenblick brach eine beißende Kälte daraus hervor. Sie traf die Kreatur mitten im Sturz und riss ihr jede Kontrolle aus dem Leib, ließ Eis über sie hinwegkriechen, schnell und gnadenlos. Noch während sie fiel, folgte die zweite Bewegung – Hitze, dicht und drückend, die sich in einem einzigen, zerstörerischen Impuls entlud - die Harpyie landete regungslos vor ihm auf dem Boden.

Für einen kurzen Moment kehrte die Stille zurück, doch diesmal war sie anders, gespannt wie ein Atem, der zu lange angehalten wurde. Ein Kreischen erhob sich aus den Höhen, nicht einzeln, sondern vielfach, ein chaotischer Chor aus grellenden Stimmen, die sich überlagerten und gegenseitig zu übertönen versuchten. Elijah schwang sich zurück in den Sattel und lenkte sein Pferd den steinigen Pfad hinauf, der sich bald verengte und ihn in eine schmale Passage zwang. Überreste einer alten Holzbarrikade, die zwischen den Felsen hervorstachen, geborstene Balken und dunkle Splitter, die davon erzählten, dass hier einst versucht worden war etwas aufzuhalten.
Als er die Engstelle hinter sich ließ, öffnete sich der Weg wieder, doch mit ihm kehrte auch das Gefühl zurück, beobachtet zu werden. Ein süßlich-verfaulter Geruch legte sich über die Sinne, vermischt mit der trockenen Kälte des Steins, während sich die Schatten zwischen den Felsen verdichteten. Die Nester, die er schließlich erblickte, wirkten nicht gebaut, sondern gewachsen – aus Knochen, Stoffresten und undefinierbaren Überbleibseln, die sich zu grotesken Formen zusammenfügten- und überall darin regte sich Leben, wenn man es denn so nennen wollte...

Ohne Vorwarnung stürzte eine der vielen Harpyien von hinten auf ihn hinab, traf ihn mit solcher Wucht, dass er aus dem Sattel gerissen und über den harten Boden geschleift wurde. Der Schmerz kam sofort, dumpf und allumfassend, während sein Pferd in Angst davon tobte. Die Kreatur zögerte keinen Augenblick und nahm die Verfolgung auf, als wäre sie von einem einzigen, klaren Ziel geleitet. Elijah blieb einen Moment liegen - rang nach Luft, schmeckte Blut, dann zwang er sich hoch. Sein Blick folgte rasch seinem Pferd und mit einem abrupten Schritt und Ruck verkürzte sich die Distanz zwischen ihm und der jagenden Harpyie, dann noch einmal, schneller, unwirklicher, bis er plötzlich hinter ihr war. Die Luft gefror erneut, doch diesmal war es kein plötzlicher Schlag, sondern ein unerbittliches Greifen, das sich um die Kreatur legte, sie aus der Bewegung riss und ihr den Atem zum Leben raubte. Ein letzter greller Schrei und sie fiel tot auf den Boden.

Doch das Echo ihres Todes wurde sofort verschlungen. Das Kreischen schwoll an, wurde dichter, lauter, bis es den Himmel selbst zu füllen schien. Als Elijah aufsah, sah er nicht mehr nur einzelne Gestalten, sondern einen Schwarm, der sich aus den Felsen löste – eine lebendige Masse aus Flügeln, Stimmen und ungerichteter Wut. Sie kamen nicht zögernd, sondern entschlossen, als hätten sie längst entschieden, dass er hier nicht hingehörte. Er kniete sich nieder, schloss die Augen und legte seine Handflächen auf den Steinboden. Die Kälte, die sich daraufhin ausbreitete, war nicht mehr bloß ein Werkzeug, sondern etwas, das die Umgebung selbst veränderte. Nebel kroch über den Boden, zog sich zusammen, verdichtete sich, während über ihm Wolken entstanden, die zu schnell wuchsen, um natürlich zu sein. Was dann folgte, war kein gewöhnlicher Niederschlag, sondern ein Sturm aus Eis, der in immer härteren, schärferen Formen auf die angreifenden Harpyien niederging. Splitter schnitten durch die Luft, trafen Flügel und Körper, rissen Kreaturen aus dem Himmel, während andere sich taumelnd zurückzogen oder am Rand des Sturms verharrten.

Selbst als der Hagel nachließ und die Kälte langsam aus der Luft wich, blieben sie dort oben, kreisend, wartend, ihre Stimmen leiser, aber nicht verstummt. Sie hatten Verluste erlitten, waren zurückgedrängt worden – doch sie waren nicht besiegt, und in der Art, wie sie sich neu sammelten, lag etwas, das weit über bloßen Instinkt hinausging.

Elijah blieb nicht länger als nötig war und ging zu seinem Pferd - das zitternd und mit geweiteten Nüstern in der Ferne stand - legte seine Hand an den Hals uns streichelte es, während er ein paar beruhigenden Worte sprach. Dann zog er sich hoch auf den Sattel und ritt den Weg zurück, bis er bei der Eulenrast ankam. Mit ernstem Blick ging er zu den Händlern und sprach ein paar warnende Worte über diese Gefahr im Gebirge aus, ehe er seine Reise dann fortsetzte...



   
Nephren-Ka and Wulfus reacted
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