Gesang in der Dunke...
 
Notifications
Clear all

Gesang in der Dunkelheit

Dorodo
(@dorodo)
Eminent Member
Joined: 4 Monaten ago
Posts: 18
Topic starter  

Jede Nacht seitdem Erwachen war ähnlich.  Nach einen langen Tag nahm die Erschöpfung, Darian auf eine lange Reise ohne jegliche Erinnerung. Es gab nicht viele Träume, die auf ihm warteten, als die sanfte Dunkelheit ihn umschloss. Aber was Darian verloren hat, kam wieder in anderen Formen. Dort wo die Dunkelheit erst keine Form hatte, resonierten seine frischen Erinnerungen und Gefühle, um sein Erwachen zu wiederholen.

So wurden seine Träume erstmal zu seiner zweiten Heimat, nichts ahnend, dass seine Träume wahrlich beschützt wurden, vor all dem, was noch in der traumhaften Dunkelheit lauert. Aber die Zeiten wandeln sich, dort wo seine Freunde gerade noch da waren, hinterließen sie auf einmal nur eine Leere, wo sie waren. 

Aber das tat seinen Träumen kein Abbruch, wenigstens im Schlaf wurde die Leere gefüllt, die er kennengelernt hatte. Aber an den Randen seiner Träume breitete sich etwas aus, nagend an seiner zweiten Heimat. Eine Dunkelheit, die durch das Fundament seiner Träume, gab ihnen einen neuen Geschmack. Und doch zu subtil für Darian, um es erst zu bemerken.
Aber auch wenn Träume eine andere Welt waren, so waren die wache Welt und die schlafende Welt untrennbar miteinander verbunden und auch wenn sich die Dunkelheit unbemerkt in seinen Träumen ausbreitet, so spürte er doch die Dunkelheit, die sich in seiner wachen Welt ausbreitet.

Seien es die Toten, der Schimmel oder aber seine eigene Dunkelheit. Dort, wo er zu erst Licht fand, antwortete ihm immer mehr die Dunkelheit. 
Und Dunkelheit machte ihm Angst, wie konnte sie es auch anders? Er hat stets das Licht gesehen und im Zuge dessen, die Dunkelheit ignoriert, die kreucht und gedeiht in den Schatten dieser Welt und seines Seins. Und immer mehr spürt er, wie die Dunkelheit seine Spuren hinterlässt.

Und es machte ihm Angst, er weiß, was in ihm wächst, auch wenn er es nicht wahrhaben will. Es war kein Monster, aber muss ein Raubtier ein Monster sein, um gefährlich zu sein?
Und doch, nach all den letzten Tagen hat er doch gelernt, dass sein Licht alleine nicht gegen jede Dunkelheit ankommen kann. Und was schützt sein Licht vor der Dunkelheit, die von außen wächst, ihn und all denen die ihm wichtig sind, bedroht?

Und dazu, seine Gabe nährt sich von jeder Art von Gefühlen, egal wieviel er davon wegrennen will, in ihm liegen noch mehr Emotionen als die Guten.

Und mit der Realisation in der wachen Welt, begannen sich auch seine Träume zu regen.



   
Quote
Dorodo
(@dorodo)
Eminent Member
Joined: 4 Monaten ago
Posts: 18
Topic starter  

Ein Kind. Der Junge war wie ein Kind. Ich habe länger geschlafen als er, aber wusste ich dennoch eher von ihm Bescheid und ich konnte ihn beobachten.

Er lebt in seinen Träumen und das wäre verächtlich, aber wenigstens setzt er seine Mühe darin, diese Träume Realität werden zu lassen. Aber wie oft will er die Realität dafür nicht sehen? Wie oft vertraut er Leuten, denen er eigentlich fernbleiben sollte? Er macht sich das Leben selbst schwerer, nur um seinen Träumen nachzueifern. 
Er kann nicht mit jedem befreundet sein und doch verfolgt er diese lächerliche Vorstellung, dass sie für immer Erwachte bleiben und er jedes Problem irgendwie aus der Welt räumen kann. 
Und wenn er das nicht konnte, floh er zu mir und wollte es noch nichtmal wahrhaben, dass er zu mir geflohen ist. Wie gesagt, ein Junge.

Aber jeder Junge wird erwachsen, wenigstens sieht er mich nun, wenn er zu mir fliehen will. Aber wenn er mich sieht, wieso sollte ich meine Arme ihn eröffnen? Soll er immer zu mir fliehen, wenn es hart wird? Wenn die Dunkelheit zu sehr drückt, dass ich mich schützend um ihn lege, damit er ja nicht leiden muss?

Nein. Wenn er denkt, dass er mich einfach so kontrollieren kann, nur weil er mich anerkennt, dann hat er sich getäuscht. Ich weiß nicht, was mein Sinn in der früheren Welt war, jedoch weiß ich, was meine Bestimmung in dieser Welt ist.
Ich werde den Jungen nicht schützen, ich werde ihn lehren, wie er sich selber schützen wird.



   
ReplyQuote
Dorodo
(@dorodo)
Eminent Member
Joined: 4 Monaten ago
Posts: 18
Topic starter  

Ein Traum? War alles nur ein Traum? Er stand wieder in dem dunklen, feuchten Raum, erfüllt mit dem Pochen. Sein Blick wandert hilfesuchend zur Seite, aber statt Alira zu sehen, stand Er da. Darian sah ihn zum ersten Mal, aber sofort wusste er, wer das vor ihm war.

Nein, ist das ein Traum?

"Du brauchst keine Hoffnung haben, dass dich Meliodora retten wird." 

Ertönte es von dem Mann, sein Blick starrend auf Darian gerichtet. Die Lippen zu einem Grinsen erhoben, aber es war keine ehrliche Freude in der Geste, eher die Gier eines Raubtiers sein Opfer zu kriegen. 

"Mit ihr würde all das kein Sinn ergeben." Ein Nicken zu dem Ursprung des Herzschlages. Eine Dunkelheit, die mit ihren Tentakeln im Raum herumschlägt, sich tastend herumgreift, auf der Suche nach Leben. Aber auch wenn die Dunkelheit nach Darian griff, blieb sie von ihm weg.

Die Dunkelheit streift Darian und da waren die Bilder wieder. Ein Messer, das Herz. Tod. Dann Ranken, die an ihm heraufwandern, nach ihm greifen, ihn ersticken..
Und dann gleißendes Feuer, dass ihn von innen und außen verzehrt.
Panik ergriff ihn, wie ein Ertrinkender will er nach etwas greifen, das Pochen wird immer stärker, lauter, erfüllt sein ganzes Sein und dann..

Wieder Stille und ein leises Pochen, er stand wieder im Keller und der Mann sah ihn enttäuscht an. Diesmal kam keine Antwort, aber es musste auch keine kommen, Darian wusste, was nun folgen wird. 
Die Dunkelheit griff wieder nach ihm, doch folgten diesmal keine Visionen. Diesmal geht der Griff tief bis in seine Seele, nach seinem Licht greifend. Morven, der Pakt, seine Freunde, dort wo noch geräde Wärme war, war nur beißende Kälte und Leere. 

Und wieder wird das Pochen stärker, die Dunkelheit greifbarer und wieder Ranken, diesmal wie sie aus der Dunkelheit wachsen und wie aus Reflex wandert sein Blick zur Seite und statt  des Mannes steht da doch Alira. Und er kann noch sehen, wie die Ranken sie aufspießen, ehe sie auch sein Herz aufspießen.

Und wieder Stille. Aber diesmal absolute Dunkelheit. Aber sie war anders. Wo sie gerade noch wie ein wütendes Raubtier ihn angegriffen hat, umschloss sie ihn diesmal wie die Umarmung einer liebenden Mutter.
Und doch fühlte er die Präsenz von ihm.
"Wie willst du irgendjemanden verteidigen, wenn du dich noch nichtmal selbst schützen kannst?" Mit den Worten und einem beißenden Gefühl der Enttäuschung schreckt Darian aus seinem Schlaf.



   
ReplyQuote
Dorodo
(@dorodo)
Eminent Member
Joined: 4 Monaten ago
Posts: 18
Topic starter  

Während Darian meistens der Dunkelheit entfliehen konnte, indem er seinen Tag mit seinen wahnwitzigen Ideen füllte und sich ihnen voll hingab, so ruhte die Dunkelheit doch nicht. Ihm war bewusst, dass sie lauerte, wartete, egal was er tat. Und doch, zu hadern und zu grübeln lag ihm seit jeher nicht. 
Und er dachte, das was er tat, war genug. Er dachte, dass er seine Karten richtig spielt und sich genügend vorbereitet vor der Dunkelheit, die auf sie alle lauert. 

Oh, wie lag er falsch. Vielleicht, wenn er besser zugehört hätte. Vielleicht, wenn er nicht stets vor der Gefahr flieht, die von ihm ausgeht. Vielleicht, wenn er andere Gefahren meiden würde, wie seine eigene.

Und wieder hat es jemanden das Leben gekostet, der ihm wichtig war. Kaspian, Faell, Eliott. Immer und immer wieder war er nicht in der Lage, sie zu schützen. 
Doch diesmal war es nicht die Fae, die es war, die ihm etwas genommen hat. Es war kein natürlicher Weg, es ist nicht einfach so geschehen. Es war auch nicht nur seine Leichtsinnigkeit, die Eliott das Leben genommen hat. 

Und die Leere füllt sich mit etwas anderem als Schmerz und Trauer. Der Schmerz, den er nun fühlte, war nur eine Erinnerung an die Ungerechtigkeit, die sein Pferd erfahren musste. 
Die Ungerechtigkeit, die nur von jemanden kommen kann, der seine Macht gegenüber jemanden ausnutzt, der keine Möglichkeit hat, sich zu wehren.

Und statt Trauer.
Statt das beißende Gefühl der Einsamkeit.
Statt derer zerstörenden Ahnung der Unzulänglichkeit.

Fühlte er Wut. 
Fühlte er den Wunsch nach Blut.
Fühlte er das Bedürfnis, die zu vernichten, die ihn bedrohten.

Und vor allem, fühlte er, dass es niemand anderes Gefühle als seine waren. 



   
ReplyQuote
Share: