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In der Bibliothek des Hauses der besonderen Begabungen

Anamoris
(@anamoris)
Eminent Member
Joined: 3 Monaten ago
Posts: 13
Topic starter  

*In der Bibliothek sind über Nacht einige Schriftrollen aufgetaucht, feines Pergament gerollt und gestapelt. Bei genauer Betrachtung findet sich außen jeweils eine Nummer sowie "Saikha" als Absender. Entrollt man die Schriftrollen, eine nach der anderen, findet sich in sauberer Schrift jene Abhandlung.* 

 

 

Abhandlung über das Wesen der Welt

 

Einleitung

Das Erwachen in dieser Welt gestaltete sich für jeden von uns anders. Manch einer schritt unmittelbar zur Tat, akzeptierte seine vermeintlich neue Lebensrealität, doch andere, so wie die Autorin dieses Traktats, hinterfragten und hinterfragen die Natur unserer Welt, die Umstände unseres Erwachens. Während also die meisten Miterwachten sich darum kümmern, unser alltägliches Leben zu sichern, und dafür oftmals erstaunliche Fähigkeiten mitbringen, ist es der Autorin verwehrt, einen Hammer zu halten, einen Hasen zu schießen oder ein Pferd zu reiten. 

 

Gemeinhin wird angenommen, dass es Menschen gab, die vor uns waren, und nur kurz vor dem Eintreffen der Ersten Erwachten verschwanden. Das ist eine unbekannte Bedrohung, und allein, um das selbe Schicksal zu vermeiden, schien es sachdienlich, die Zusammenhänge zu ergründen. 

 

Daher hat sie, um der Gemeinschaft dienlich zu sein, über die Wochen seit dem Erwachen alles Wissen zusammengetragen, das ihr verfügbar schien, und nun, zur Unterstützung der allgemeinen Orientierung zu einer Theorie über das Wesen unserer Existenz zusammengestellt. 

 

Diese Beobachtungen, diese Erkenntnisse führten zu dem Punkt, da die Autorin annehmen muss, dass es eine allumfassende Entität gibt, den Ersten Großen Geist, der unsere Welt erdacht hat. Wir alle sind seiner Aufmerksamkeit ausgeliefert und, um die Fehler der Vorbewohner zu vermeiden, sollten dringlichst sein Wohlwollen erlangen. 

 

Der geneigte Leser möge verzeihen, dass viele der Annahmen vorerst ohne Beweisführung vorgebracht werden. Vielmehr möge verstanden werden, dass es sich hierbei um einen Leitfaden handelt für künftige Untersuchungen. Denn ohne allumfassende Theorie sind sämtliche Untersuchungen ohne Zusammenhang und lediglich für sich stehend. Die Autorin freut sich auf Diskurse und hofft auf rege Mitarbeit bei der Widerlegung oder Bestätigung ihres Traktats. 

 

Teil 1: Das Postulat

 

Fühlen, Denken, Glauben sind Grundpfeiler der Welt.

 

Alle beweglichen Entitäten, egal ob intelligent oder nicht, verwenden das Denken, das Fühlen und das Glauben als Maßstab für ihre Wahrnehmung der Welt und ihre Bereitschaft zur Handlung. Ein Eichhörnchen fühlt die Qualität der Nuss, denkt über ein geeignetes Versteck nach und glaubt an die Sicherheit seiner Wahl. Ein Reh fühlt die Präsenz des Wolfes, denkt über die Richtung der Gefahr nach und glaubt an die Möglichkeit der Flucht. Menschen sind intelligenter, so ist nicht eine jede Handlung in dieser Klarheit aufzuschlüsseln. Dennoch fühlt der Liebende die Nähe seiner Geliebten, denkt über die Zukunft nach und glaubt an die Existenz einer Verbindung. 

 

Das Fühlen dient der Existenz aller Dinge, sich einzuordnen in die Umwelt, eine Wahrnehmung zu entwickeln, wo der eigene Platz ist und wo der aller anderen Dinge. 

 

Das Denken dient der Existenz aller Dinge, die Möglichkeiten der Umwelt zu verstehen und das eigene Potential voll zu entfalten.

 

Das Glauben dient der Existenz aller Dinge, ein Ziel zu formulieren, wohin sich Umwelt oder Existenz entwickeln sollte.

 

In weiterer Folge seien das Fühlen, das Denken und das Glauben als Geistesformen oder Geistesströme beschrieben. 

 

Natürlich bietet die Welt auch Objekte ohne Geistesformen. Die Landschaft als solche, Erde, Steine, Wasser und ähnliches, das unsere Welt gestaltet, ist, soweit bekannt, ohne Geist ausgestattet. Bei Pflanzen ist die Frage schon diffiziler: Pflanzen unterliegen gewissen Bewegungen, sie bluten, und recken sich dem Licht entgegen. Dies weist auf einen Geist hin. Es wäre also möglich, dass die Pflanzen zur Entscheidungsfindung ebenso Geistesströme nutzen. Der sehr vorstellungskräftige Leser mag der Autorin zu jener Theorie folgen: Die Pflanze fühlt die Sonne, sie "denkt" über den besten Sonnenstand nach und glaubt daran, dass keine andere Pflanze ihr diesen Ort strittig macht. So also entscheidet sie ihre Wuchsrichtung. 

 

Ich postuliere also: Das Fühlen, das Denken und das Glauben stellen nicht nur die Grundpfeiler des menschlichen Geistes dar, sie sind die Grundpfeiler der lebenden Welt, wie wir sie wahrnehmen. In weiterer Folge geht es daher um die lebende Welt und ihre Funktionsweise.

 

Das Ungleichgewicht

 

In der lebenden Welt ist das Fühlen, Denken und Glauben also allgegenwärtig. Alle Existenz ist in der Lage, auf alle drei Formen des Geistes zuzugreifen, sie für seine Zwecke einzusetzen. Und kann mehr oder weniger selbst entscheiden, welche Geistesform sie für welche Handlung mehr benötigt. Sie sind ausgewogen, im Gleichgewicht, ähnlich oft treten die einzelnen Strömungen auf. 

 

Wenn man die Gäste des Hauses der besonderen Begabungen beobachtet, und viele andere Individuen, so lässt sich ein beachtenswerter Zusammenhang feststellen: Jene, die sie Begabte der Immanenz nennen, sind auch im Alltag oft jene, die besonders die Form des Denkens anwenden, um ihre Umwelt zu erfassen und zu gestalten. Jene, die sie Begabte der Empathie nennen, scheinen ihre Gefühle und jene der Umwelt deutlich intensiver zu erfassen als andere das vermögen. Und jene schließlich, die gemeinhin Begabte des Charismas genannt werden, sind oft überzeugt von dem, was sie statt Glauben Wissen nennen. 

 

Die Häufung dieser Beobachtung lässt darauf schließen, dass es sich hier um einen unmittelbaren Zusammenhang handelt. Betrachten wir dies genauer:

 

Während in der natürlichen Welt alle drei Ströme, nämlich Fühlen, Denken, Glauben, relativ gleichmäßig vorkommen, scheint es, als würden jene, die, wenn man so will, unnatürliche Talente besitzen, eine Strömung klar bevorzugen. Der Schluß liegt daher nahe, dass die Verschiebung auf eine einzelne Geistesform diese Talente auslöst oder jedenfalls befördert. Eine klarer Zusammenhang lässt sich hier nämlich auch mit den Talenten feststellen:

 

Denkende wirken denkend, sie müssen Worte aussprechen, ihre Konzentration durch einen Fokus bündeln.

 

Fühlende wirken fühlend, sie sammeln die Gefühle aus ihrem Umfeld und bündeln sie durch sich selbst, ihre Fähigkeit, jene Gefühle umzusetzen.

 

Glaubende wirken glaubend, sie hoffen und beten für den gewünschten Effekt, sie glauben an dessen Wirkung und Wirkweise.

 

Dieses Ungleichgewicht, diese Bevorzugung einer Geistesform, wird forthin also als “unnatürlich” postuliert, denn natürlich wäre eine Ausgewogenheit der Geistesformen. Unnatürliche Prozesse sind dennoch in der Existenz aller Dinge mannigfaltig zu beobachten. 

 

Unnatürliche Prozesse in der Existenz

 

Von den Menschen und ihren unnatürlichen Talenten abgesehen, bietet die Existenz viele andere unnatürliche Erscheinungen. Im Folgenden sei eine exemplarische Auflistung beobachteter Vorgänge, die indizienreich darauf hinweisen, sie könnten unnatürlichen Ursprungs sein:

 

Der Flug des Vogel: Es scheint fast keine Größe zu geben, die den Flug jener schnabeltragenden Genossen verhindert. Das Gefühl des Fliegens, sich über alles hinweg heben zu können, muss so überwältigend sein, dass das Denken an die Unmöglichkeit oder der Glauben an den Fall verdrängt sind. Also gelingt, was keinem sonst gelingt. 

 

Das Sprengen eines Steins durch einen Grashalm: Wie angedeutet, wäre es durchaus denkbar, dass Pflanzen den selben Geistesformen unterworfen sind wie sichtbar lebende Existenz. Unterstrichen wird der Gedanke bei der Beobachtung eines einfachen Grashalms. Dieser scheint im vollen Glauben, er sei stärker als ein Stein, obwohl alle Welt den Unterschied erkennt. Und in diesem Glauben zerbirst er die Steine auch. 

 

Das Wandeln der Skelette: Gemeinhin ist bekannt, dass, was tot ist, unbeweglich ist. Doch so manch ein beinernes Unwesen scheint dies vergessen zu haben und in dem festen Glauben, noch einen ganzen Körper zu besitzen, weiter durch die Welt zu wandeln. Fühlen und Denken scheinen in den meisten beobachteten Zuständen nahezu ausgeschaltet: Sie taumeln gegen Grabsteine und Wände, als fühlten sie ihre Umgebung nicht, sie attackieren hirnlos auf schiere Sicht, als sei ihr Geist keines Gedanken fähig. 

 

Diese wenigen Beispiele sind nur der erste Trieb im Waldboden eines hoffentlich zukünftigen Baums voller weiterer Beobachtungen. 

 

Unnatürliche Prozesse gibt es also in unserem Blickfeld in nahezu jedem Augenblick. Zwar überwiegen die natürliche Prozesse gewaltig, und doch, ein geschulter Geist erlernt, natürliche von unnatürlichen Prozessen zu trennen. 

 

Diesen Beispielen entsprechend sei also in folge klar zwischen Natürlichen und Unnatürlichen Vorkommnissen zu sprechen. 

 

Beide, Natürliche wie Unnatürliche Prozesse und Vorkommnisse sind für die Untersuchung des Wesens der Existenz von größter Bedeutung, und ihre Trennung, der Umstand, dass es überhaupt einen Unterschied gibt, ist ein bedeutendes Indiz auf die Natur aller Dinge. Vorrangig sei nun aber der unnatürliche Prozess in Menschen zu untersuchen. 

 

Die Betonung einer Geistesform im Menschen

 

Wie zuvor in aller Übersichtlichkeit angeschnitten, postuliere ich, dass Menschen mit unnatürlichen Talenten, gemeinhin besondere Begabungen genannt, eine der drei Geistesform klar bevorzugen. Dies sei nun klarer ausgeführt:

 

Die Denkenden

Die Denkenden, zu denen die Verfasserin dieser Zeilen sich zählt, sind gemeinhin als wissbegierig, strebsam, Kausalitäten suchend, Tatsachen hinterfragend beobachtet. Ihr Geist ist rege mit Sachlichkeit und theoretischen Gedanken. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Ausdruck ihrer unnatürlichen Talente. Gemeinhin und bisher nicht anders beobachtet, müssen Denkende auf Worte zurückgreifen, diese formulieren, wie sie sonst Theorien und Gedanken formulieren und in Worte fassen müssen. Diese Worte scheinen dabei jedoch nicht individuell; Ein jeder Denkende verwendet die selben Worte für die Wirkung der selben unnatürlichen Ausformung. Sei es eine Lichtquelle, eine mysteriöse durchschreitbare Wand oder ein plötzlich erscheinender Stein im Himmel über einem Widersacher: die Worte der Denkenden gleichen sich von Individuum zu Individuum. Dieser Umstand ist ein weiteres Indiz auf eine mögliche Erklärung unserer gesamten Existenz - die Verfasserin verweist auf spätere Punkte der Theorie. 

Zugleich sei ein gewisser Mangel unterstellt, was Fühlen und Glauben betrifft. Es scheint meinen denkenden Kollegen und mir schwer zu fallen, die Gefühle anderer in der selben Wichtigkeit wahrzunehmen, und Theorien glaubender Natur sind mitunter schnell belächelt. All das lässt die Verfasserin vermuten, dass nicht nur die Geistesform “Denken” deutlich erhöht ist bei den Denkenden, sondern, im Vergleich zur natürlichen Form, “Fühlen” und “Glauben” gar unterentwickelt sind. 

 

Die Fühlenden

Die Fühlenden sind, wenn die Beobachtungen nicht verzerrt sind, gemeinhin zerstreut, haben jedoch eine außergewöhnliche Umsicht, erkennen nicht nur ihre eigenen sondern auch die Gefühle anderer punktgenau und können, so scheint es, daraus Kraft schöpfen, statt dadurch zu ermüden. Sie sind mit allem Natürlichen und Unnatürlichen scheinbar innig verbunden, schätzen jedes noch so kleine Zeichen von Leben. Ihre schöpferische Kraft scheint gewaltig. Statt sich bloßer Worte zu bedienen, scheinen sie auf das Fühlen aller Dinge zu reagieren und dieses durch sich zu leiten. Die Ausdrucksform ihrer unnatürlichen Talente ist oft, wie ihr Charakter: sprunghaft, wild und ungestüm, schöpferisch oder vernichtend. Die Fähigkeit, das Fühlen aller Dinge in sich aufzunehmen und in anderer Form in die Existenz zurückzuführen, ist ein weiteres Indiz auf eine mögliche Erklärung unserer gesamten Existenz - die Verfasserin verweist auf spätere Punkte der Theorie. 

So wie bei den Denkenden scheinen die Fühlenden nicht nur das Fühlen stärker ausgeprägt, das Denken und das Glauben liegen ihnen oft weniger nahe, als dem natürlichen Menschen. Komplexe Diskurse über Stunden oder feste Überzeugungen scheinen ihnen oftmals fremd. Ich lasse mich gerne von meinen fühlenden Kollegen über die Falschheit meiner Beobachtungen berichtigen. 

 

Die Glaubenden

Die Glaubenden sind, wenn die Beobachtungen nicht verzerrt sind, gemeinhin sehr selbstsicher, oft sehr überzeugt von ihren Modellen und ihren Wahrheiten, sie vereinen in dieser Sicherheit oft auch andere um sich und spenden diese Geborgenheit in einer Gemeinschaft. Sie interessieren sich kaum für natürliche Dinge, so scheint es, es sei denn, diese dienen ihrem überzeugten Glauben. Oftmals schlägt sich ihre Sicherheit auch in ihrem unnatürlichen Wirken nieder, sie scheinen große Talente bei der Unterstützung anderer zu zeigen. Bedauerlicherweise kennt die Verfasserin nur wenige Glaubende, sie kann daher an dieser Stelle nur auf bereitwillige Probanden unter den Glaubenden hoffen, um ihre Theorien zu bestätigen. Dass der Glauben oft übergeordnete Entitäten erfordert, und diese wohl auch in der einen oder anderen Form diesen in Erscheinung treten (Gerüchteweise), ist ein neuerliches Indiz auf eine mögliche Erklärung unserer gesamten Existenz - die Verfasserin verweist auf spätere Punkte der Theorie. 

So wie bei Denkenden und Fühlenden scheinen die Glaubenden nicht nur das Glauben stärker ausgeprägt, das Fühlen und das Denken scheint ihnen oftmals nicht zugänglich oder wird jedem Glauben untergeordnet. Ich lasse mich gerne von meinen glaubenden Kollegen über die Falschheit meiner Beobachtungen berichtigen. 

 

Die große Theorie des Großen Ersten Geistes

 

Die Beobachtung all der geschilderten Sachverhalte und die damit gesammelten Indizien, führen die Verfasserin zu der gewagten Behauptung einer großen Theorie über die Zusammenhänge allen Seins, wie es sich uns darstellt. Zunächst eine Zusammenfassung der Indizien, die, zur besseren Formulierung einer Theorie, im folgenden als Sachverhalte formuliert werden:

 

  • Fühlen, Denken, Glauben sind Grundpfeiler aller lebenden Existenzen
  • Fühlen, Denken, Glauben sind die bestimmenden Faktoren, um die Welt wahrzunehmen, einzuordnen und zu gestalten
  • Fühlen, Denken, Glauben können in ein Ungleichgewicht geraten, einzelne Formen klar überwiegen, andere unterdurchschnittlich entwickelt sein
  • Ein Ungleichgewicht ermöglicht unnatürliche Prozesse in der Existenz
  • unnatürliche Prozesse können sich am unnatürlichen Wesen (etwa Begabte Menschen) selbst oder in dessen unmittelbarer Umgebung ausdrücken
  • Denkende verwenden alle die selben Worte, um das selbe zu erzeugen
  • Fühlende können das Fühlen der Umwelt kanalisieren
  • Glaubende können das Geglaubte manifestieren 

 

All diese Indizien können, nach Sichtweise dieser bescheidenen Verfasserin, nur auf einen einzigen Umstand hindeuten: das Fühlen, Denken, Glauben dieser Existenz, allen Lebens, ist nicht individuell verankert, sondern ein gesamtes, ein allumfassendes Fühlen, Denken und Glauben. Das legt den Schluss nahe, dass es sich um einen allem zugrunde liegenden Geist handelt, der alles fühlt, alles denkt, alles glaubt. Dieser sei, in Ermangelung einer besseren Bezeichnung, als der Erste Große Geist tituliert. 

 

Die Natur eines solchen Geistes zu ergreifen ist, so meine Theorie stimmt, unmöglich, stellt sich doch ein jeder individuelle Geist nur als Bruchteil, als Fragment jenes großen Geistes dar, ein Kiesel am Fuße eines unbesteigbaren Berges. Ein jeder Baum, ein jeder Hase, jedes Haus, jede Liebe, jedes Plätschern, jeder Eulenruf sind lediglich Bruchteile eines großen Geistes, dem wir alle innewohnen. Dann nämlich, so diese Theorie zutrifft, erklärt das alle aufgeworfenen Fragen: 

Die Denkenden verwenden dieselben Worte, da sie nicht ihre eigene Sprache, sondern die jenes Ersten Großen Geistes sprechen und ihn dadurch zu einer Auswirkung bewegen. 

Die Fühlenden können die Gefühle allen Seins in sich bündeln und in die Welt neu übertragen, da sie auf die Gefühle des Ersten Großen Geistes zugreifen und ihn so zu einer Auswirkung bewegen. 

Die Glaubenden können ihre Überzeugungen manifestieren, da sie den Glauben in den Gedanken des Ersten Großen Geistes gewissermaßen anzapfen und ihn so dazu bewegen, ihren festen Glauben in eine Auswirkung auf unsere Welt zu formen. 

 

Wenngleich der Erste Große Geist unmöglich je vollumfänglich verstanden und erfasst werden kann, so lohnt es sich doch, intensive Forschung an dem Ersten Großen Geist vorzunehmen. Praktischerweise, so die Theorie stimmt, gestaltet sich alles, wirklich alles, was uns umgibt und in uns selbst blüht, als lohnendes Untersuchungsobjekt. Die Form eines Kleeblattes mag auf Seinen Gedanken schließen lassen, mag Auskunft über die Natur unseres Seins verraten. Manchmal sind es vier, meist jedoch drei Blätter: Könnte dies ein Hinweis auf die Gewichtung der Zahl vier ergeben? Viele Talente der Denkenden werden mit drei Worten ausgelöst - ein Zusammenhang könnte bestehen. Vielleicht kommt dereinst eine Wirkweise, selten und besonders, die vier Worte verwendet?

 

Der erste Teil, das Postulat, sei hier mit einer Zusammenfassung beendet, bevor der zweite Teil folgt: 

Der Erste Große Geist existiert und fühlt, denkt und glaubt. In diesem Prozess erzeugt er die uns umgebende natürliche und unnatürliche Welt. Solange er das Fühlen, Denken und Glauben gleichmäßig erlebt, zeigt sich uns eine natürliche Welt. Sobald eine der Geistesformen überwiegt, zeigt sich uns eine unnatürliche Welt. 

Wir Menschen können in dieser Form aus Seinen Gedanken entspringen. Manche werden aus einem Fühlenden Prozess geboren, andere aus einem Denkenden oder Glaubenden. Diese nennen wir Menschen mit besonderen Begabungen. Ihrem Ursprung folgend sind auch sie gezwungen, sich auf die Geistesform zu konzentrieren, der sie entspringen. 

 

Teil 2: Detaillierte Untersuchungen im Rahmen des Postulats

 

Unnatürliches Wirken funktioniert für denkende, fühlende und glaubende Menschen grundlegend anders. Die Autorin ist, wie eingangs erwähnt, vom denkenden Zweig. Daher sei diese Form des unnatürlichen Wirkens detaillierter ausgearbeitet als die anderen Geistesformen.

 

Wie das unnatürliche Wirken durch Denken funktioniert

 

Um eine unnatürliche Reaktion zu erzeugen, muss der Denkende einige Abläufe beachten:

Von entscheidender Wichtigkeit ist jedenfalls das Mitführen eines besonderen Gegenstands, gemeinhin als Fokusgegenstand betitelt. In diesem Gegenstand bündelt der Denkende unnatürliche Energien und kann diese bei Bedarf durch die Aussprache von besonderen Worten freisetzen, und eine Reaktion bei sich oder in der Umwelt erzeugen. 

 

Der Fokusgegenstand

Bisher konnte die Autorin erst drei Gegenstände untersuchen. Beim Erwachen führte sie, wie viele andere auch, einen Holztalisman mit sich. Mittlerweile konnten geschicktere Hände als die ihren diesen nicht nur nachbauen, sie schufen darüber hinaus auch zumindest zwei weitere Objekt, die ebenso als Foki dienlich sind, einen Steinkelch und einen Krähenfußfokus. 

Es ist also zu vermuten, dass es mehrere Objekte gibt, die diesem Zweck dienlich sind - dem gegenübergestellt gibt es mehrheitlich Objekte, die diesen Zweck nicht erfüllen können. 

 

Unnatürliche Energien in allerlei Reagenzien

Deutlich mehr Objekte des Alltags sind dienlich, um den Fokusgegenstand mit unnatürlicher Energie auszustatten. Hierzu muss es noch ausführlichere Testreihen geben, für die Ausarbeitung der nachfolgenden Theorie ist eine Vollständigkeit jedoch unerheblich. 

 

Der Holzfokus reagiert auf Krötenschleim, Quecksilber, Blut (Leben und Tot), Rittersporn.

Der Krähenfußfokus reagiert auf Molchaugen, Stechapfel, Blut (Leben und Tot), Fliegenpilz (hörensagen). Er reagiert mit dreifacher Effektivität auf Schlafmohn, Flederflügel.

Der Steinkelch reagiert mit Blut (Lebend und Tot), Stechapfel, Grabmoos, Knoblauch. Er reagiert mit doppelter Effektivität auf Schlangendrüsen, und nach Hörensagen gibt es auch für den Steinkelch ein Objekt mit dreifacher Effektivität in der Aufnahme Unnatürlicher Energien. 

 

Ungeachtet der Vollständigkeit dieser Liste lässt sich einiges klar ableiten:

  1. Verschiedene Foki reagieren auf verschiedene Objekte des Alltags
  2. Verschiedene Foki reagieren unterschiedlich stark auf unterschiedliche Objekte des Alltags, jedoch dies mit gleichbleibender Gewissheit: Schlafmohn erhöht immer dreifach die Unnatürliche Energie in jedem Krähenfußfokus.
  3. Alle bekannten Foki reagieren mit Blut (Lebend & Tot)

 

Dies wiederum lässt folgende Theorien entstehen:

Ein Fokusgegenstand ist im Unterschied zu allen anderen Objekten unserer Welt Unnatürlich. Unnatürliche Prozesse sind stets ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Denken, Fühlen und Glauben des Großen Ersten Geists. Fokusgegenstände müssen wohl entweder einen oder zwei Strömungen stark erhöht oder stark gesenkt haben. Für eine klarere Einschätzung, welcher Fokusgegenstand welches Ungleichgewicht hat, sind deutlich mehr Forschungen nötig. 

oder

Ein Fokusgegenstand unterliegt anderen, bisher unbekannten Regeln, da es sich um eine unbelebte Ausformung der Gedanken des Ersten Großen Geistes handelt. Die Zusammenhänge zwischen Unnatürlichen Ressourcen und der Effektivität lässt darauf schließen, dass es eine Resonanz oder Nicht-Resonanz zwischen Fokus und Ressource geben muss. Daraus folgernd müssten beiden, Fokus und Unnatürlichen Ressourcen, Charakteristika anhaften, die der Autorin bisher verwehrt blieben. Diese Charakteristika sind natürlich von zentraler Bedeutung und bedürfen deutlich mehr Forschung. 

 

Die Sprache des Ersten Großen Geistes

Denkende erzeugen eine Unnatürliche Reaktion schlussendlich durch das Aussprechen einiger Worte, die es zu erlernen gilt. Die Worte, die bisher bekannt wurden, scheinen dabei klaren Systematiken zu folgen. Es ist davon auszugehen, dass es eine ganze Sprache gibt und wir nur die einfachsten Worte kennen. Die Worte fallen tröpfchenweise in den Verstand der Denkenden, je mehr Zeit vergeht, umso mehr Wissen wird hier zugänglich. Bemerkenswert ist jedoch, dass dieses Wissen von Denkenden niedergeschrieben werden kann, und sie es dann um Informationen ergänzen, die zunächst ohne Sinn scheinen.

 

Zunächst eine Darstellung der bekannten Sachverhalte, im Anschluss eine Interpretation der Autorin:

 

Die bekannten Worte

Aerom, Aeros, Aesred, Aesres, Akua, Alpais, Ansir, arek, Brak, Brakon, Gaei, Gaeis, Kormo, Meldes, Naudh, Neulen, Otae, Otai, Saidi, Sanos, Seia, Sei 

 

Diese Worte entspringen den der Autorin zum Zeitpunkt dieser Arbeit bekannten Unnatürlichen Wirkweisen, auch diese hier aufgelistet:

 

Blitzfrost: Wasser - Gaei Akua Brakon

Block: Erde - Gaei Arek Naudh

Doppelschritt: Wind - Neulen Meldes Aesred

Entropische Welle: Feuer - Gaeis Kormo Brakon

Ferner Quell: Wasser - Gaei Akua Aerom

Feuerpfeil: Feuer - Gaei Otae Aesred

Fruchtbarkeit: Wasser - Saidi Sanos Aesres

Funke: Feuer - Gaeis Otae Aesred

Geisterwand: Wind - Neulen Alpais Seia

Kleiner Steinschlag: Erde - Gaei Arek Naudh

Rad der Zeit: Wind - Neulen Ansir Brak

Schwebendes Licht: Feuer - Gaei Otai Sei

Steinsitz: Erde - Gaeis Arek Aeros

 

Auch diese Schnittmenge lässt bereits eine gewisse Sprachlogik erahnen. So gibt es sichtlich drei Gruppen an Worten, die jeweils die erste, zweite oder dritte Stelle einnehmen, es also eine Form der Grammatik geben muss:

 

Erstes Wort: Gaei, Gaeis, Neulen, Saidi

Zweites Wort: Akua, Alpais, Ansir, Arek, Kormo, Meldes, Otae, Otai, Sanos

Drittes Wort: Aerom, Aeros, Aesred, Aesres, Brak, Brakon, Naudh, Sei, Seia

 

Außerdem lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit mancher Worte erkennen, ähnlich dem “Apfel / Äpfel” Prinzip muss hier davon ausgegangen werden, dass es jedenfalls einen klaren Zusammenhang geben muss. 

 

Erstes Wort: (Gaei, Gaeis,) Neulen, Saidi

Zweites Wort: Akua, Alpais, Ansir, Arek, Kormo, Meldes, (Otae, Otai,) Sanos

Drittes Wort: (Aerom, Aeros), (Aesred, Aesres), (Brak, Brakon), Naudh, (Sei, Seia)

 

Wie aus diesen wenigen Wirkweisen und ihren Worten ersichtlich, gibt es Fälle, in denen sich die Worte gleichen, die Reaktion in der Natürlichen Welt jedoch unterschiedlich wirkt: “Gaei Arek Naudh” erzeugt einen Fels, der, je nach undefiniertem Faktor, bodennahe oder in luftiger Höhe erscheint. 

 

Bemerkenswerter Weise notieren Denkende, wie zuvor angeschnitten, weitere Details, sobald sie ihr Wissen zu Pergament bringen: Sie erwähnen Erde, Feuer, Wasser und Luft sowie wohl dem Zwecke der Zuordnung erstellte Namen. Auch diese Details variieren nicht von Denkendem zu Denkendem. 

 

Hier seien einige Zusammenhänge herausgestrichen, die jedoch erst mit umfassenderem Wissen klarer untersucht werden können:

 

Wird eine Unnatürliche Wirkweise mit “Erde” ergänzt, ist das Wort Arek enthalten. 

Wird eine Unnatürliche Wirkweise mit “Wasser” ergänzt, sind die Worte Akua oder Sanos enthalten.

Wird eine Unnatürliche Wirkweise mit “Feuer” ergänzt, sind die Worte Otae/Otai oder Kormo enthalten.

Diese Worte befinden sich jeweils an zweiter Stelle.

 

Nach der Darstellung bekannter Details erlaubt sich die Autorin nun eine ausführliche Interpretation inklusive Theorie, wie Denkende Unnatürliches Wissen in der Welt verankern. 

 

Detaillierte Interpretation der Wirkweise der Denkenden

Denkende verwenden Worte, die nicht der uns bekannten Sprache entspringen. Diese Worte entstammen der Sprache des Ersten Großen Geistes, sie fliesen durch seine Gedanken in uns, tröpfeln durch sein Sein in das unsrige. Mit diesen Worten gelingt es den Denkenden, nicht lediglich sich oder die Umwelt zu manipulieren, sie zu Unnatürlichen Reaktionen zu zwingen. Vielmehr sprechen die Denkenden zum Ersten Großen Geist selbst in seiner Sprache. Um ihre Stimme zu verstärken, brauchen sie Foki, die, ob ihres Unnatürlichen Wesens, direkt in den Gedanken des Ersten Großen Geistes die Worte manifestieren. Die Kraft beziehen die Foki aus Unnatürlichen Ressourcen, ihre Wirkweise kann durch das Wissen ob der korrekten Resonanz noch verstärkt werden. Das heißt, auch die Unnatürlichen Ressourcen korrelieren in irgendeiner Form mit dem Ersten Großen Geist. 

 

Es scheint mehr als realistisch, dass es, neben Fühlen, Denken und Glauben noch andere, sozusagen mentale, Werkzeuge des Ersten Großen Geistes gibt. Bei intensiver Betrachtung des eigenen Geistes muss man akzeptieren, dass es noch andere Reaktionen des Geistes gibt, die uns zu Handlungen führt. Ein simpler Hunger etwa kann den menschlichen Geist so verzerren, dass er zu kleinem klaren Gedanken fähig ist. Es braucht hier kein Fühlen, Denken oder Glauben, um den Menschen zum Essen zu zwingen. Aber sowohl Gefühle als auch Gedanken, und möglicherweise auch Glauben, sind stark beeinträchtig. 

 

Ähnlich mag es sich mit dem Ersten Großen Geist darstellen - und unsere Welt besteht nicht nur aus Fühlen, Denken und Glauben. Die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, die von den Denkenden durch ihre Niederschriften aufgeworfen werden, sind natürlich hinreichend bekannt, und mögen gar eine wichtige Größe darstellen, was den schöpferischen Prozess direkt in unserer Welt betrifft. Diese Elemente scheinen eine Korrelation zu den Worten herzustellen, denkenswert wäre gar, dass etwa “Arek” schlichtweg Stein heißt, jedoch in einer eher umfassenden Definition: Werden die Worte “Gaei Arek Naudh” gesprochen, so erzeugt dies einen gewaltigen Stein. Ein unbekannter Faktor gibt diesem Stein seine Position, entweder Bodennahe oder im Leeren über einem Opponenten. Dieser unbekannte Faktor könnte ein weiterer Hinweis auf die entscheidende Wichtigkeit des Geistes darstellen; Nur durch pure Gedankenkraft, so scheint es, gelingt es dem Denkenden, den Ort der Manifestation zu entscheiden. 

 

Um das jedoch weiter zu verfolgen, ist es nötig, die Sprache im Detail zu verstehen, eine möglichst große Anzahl an Fokusgegenständen zu ermitteln und einen klaren Überblick über alle verfügbaren Unnatürlichen Ressourcen zu gewinnen.  Wie genau sich diese Faktoren im Verhältnis zum Ersten Großen Geist gestalten, wird hoffentlich zu einem späteren Zeitpunkt eruiert. 

 

Zusammenfassend: Der Denkende benötigt einen Fokus, der ein Unnatürlicher Gegenstand ist, aus dem Gleichgewicht gerissen wie der Denkende selbst. Diesem spendet er Unnatürliche Energie durch den Einsatz von Unnatürlichen Ressourcen. Wenn der Denkende eine Reaktion bei sich oder in seiner Umwelt erzeugen möchte, benötigt er die richtigen Worte einer unbekannten Sprache, und die Konzentration, diese - vermutlich - denkende Energie vom Fokus in den Ersten Großen Geist einzuspeisen. Der Erste Große Geist erzeugt dann die gewünschte Reaktion in der Umwelt oder beim Denkenden selbst. 

 

Wie das unnatürliche Wirken durch Fühlen funktioniert

 

An dieser Stelle sind leider nur die aller geringfügigsten Erkenntnisse vorhanden, die Mithilfe der geschätzten, betroffenen Kollegen wäre von größtem Wert. 

 

Fühlende scheinen wesentlich unmittelbarer auf das Fühlen in ihrer Umgebung zuzugreifen. Während Denkende ihren Fokus mit Unnatürlichen Ressourcen befüllen, scheint es, als würden die werten Fühlenden Kollegen jene Unnatürlichen Ressourcen direkt selbst aufzusaugen und so in Kontakt mit dem Ersten Großen Geist zu treten. Sie sind also vielmehr selbst als Fokus zu betrachten. Es ist also denkbar, dass Fühlende von unterschiedlichen Unnatürlichen Ressourcen unterschiedlich gut profitieren. Während Denkende den Ersten Großen Geist durch Worte überreden müssen, scheinen Fühlende direkt die Gefühle des Ersten Großen Geistes eingreifen, diese leicht zu verdrehen und zu verändern, so dass der Große Geist die Umwelt und sie selbst nach ihren Wünschen gestaltet. 

 

Wie das unnatürliche Wirken durch Glauben funktioniert

 

An dieser Stelle sind leider nur die aller geringfügigsten Erkenntnisse vorhanden, die Mithilfe der geschätzten, betroffenen Kollegen wäre von größtem Wert. 

 

Glaubende scheinen, ihrem Charakter entsprechend, stets tatbereit ihren Glauben zu erfüllen. Gelegentlich konnte beobachtet werden, dass sie bestimmte Orte aufsuchten und im mehr oder minder stillen Gebet wohl Kraft und Überzeugung für ihren Glauben schöpften. Doch ihr Wirken scheint mitunter ohne Ende.

 

       An dieser Stelle sei ein kleiner theoretischer Exkurs zu der Behauptung, es gäbe Götter, eingeworfen. Die Autorin ist überzeugt, dass dies zutrifft. So ihre Theorie stimmt, reicht der Glaube der Glaubende, um in das Glauben des Ersten Großen Geistes einzugreifen. Das es im Rahmen der Möglichkeiten des Ersten Großen Geistes liegt, Götter in unsere Welt zu glauben, ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. 

 

Teil 3: Ableitungen und Anleitungen für den Unnatürlichen Menschen mit besonderen Begabungen

 

Im dritten Teil der Ausführungen sollen nun allerlei Ableitungen, offene Fragen und klare Anweisungen für geneigte Leser abgehandelt werden. Der geneigte Leser ist herzlich willkommen, sich an den Forschungen zu beteiligen und gegebenenfalls diese Arbeit mit wertvollen Erkenntnissen zu ergänzen. 

 

Stärkung der besonderen Begabung

 

Zweifelsohne suchen, wie die Autorin, auch andere, ihr Wissen und ihren Einfluss auf die natürliche und unnatürliche Welt zu mehren. Im Falle der Autorin etwa ist, aus diesem Traktat schließend, die Mehrung des Wissens die einzige Möglichkeit, das Wesen unserer Welt besser zu begreifen und die Theorien zu verifizieren oder falsifizieren.

 

Um die eigenen Kräfte zu mehren, gibt es aus Sicht der Autorin zwei gangbare Wege, die auf ihre jeweilige Effektivität überprüft werden sollten. Die Beschreibung erfolgt wiederum am Beispiel eines Denkenden:

1) Das Stärken des eigenen Geistesstroms

2) Das Schwächen der fälschlichen Geistesströme

 

Ad 1) Das Stärken des Denkens kann naturgemäß nur passieren, in dem Gefühle und Glauben ignoriert werden. Der Denkende muss sich immer weiter in das Ungleichgewicht des Ersten Großen Geistes einfügen, muss all sein Handlungen einzig und allein dem Denken unterwerfen. So Gefühle oder Glauben seine Handlungen bestimmen, verunreinigt er gewissermaßen sein Denken, und kann so das erste große Denken kaum wahrnehmen und etwa die Worte, die leise in die Köpfe der Denkenden tröpfeln, nicht klar genug vernehmen. Es wird also nur jener Denkende sein Wissen mehren, der sich auch nur aufs Denken verlässt.

 

Ad 2) Das Schwächen der überflüssigen Geistesströme ist ein weiterer gangbarer Weg, der überprüft werden sollte. Um sich allen Fühlens und Glaubens zu entledigen, ist ein exzessives Benutzen dieser Geistesströme angebracht, natürlich VOR jedweder aufwändigen Denkwirkung. Will man also etwa eine mehrtägige Untersuchungsreihe starten, so wäre, quasi zur vorbereitenden Reinigung, das exzessive Erkunden von Gefühlen und Glauben von größter Wichtigkeit, um den Geist in weiterer Folge nur für das Denken einsetzen zu können. Wutausbrüche, Eskapaden, Trauertage aber auch inbrünstiges Beten, Vertiefen in die Gemeinschaft und den Lehren eines Glaubenden zu folgen kann dazu führen, dass diese Geistesströme für längere Zeit den Geist des Wirkenden verschonen und er so nur noch Denken kann. 

 

Das Ziel eines völlig reinen Geistes, lediglich mit einem Geistesstrom ausgestattet, ist da vermutlich ein ähnlich unerfüllbares Ziel wie die Erfassung des Ersten Großen Geistes. Und doch sollten alle, Natürliche wie Unnatürliche Menschen, danach trachten, sich wenigstens dem Gesamtverständnis zu nähern. Nur dann wird es möglich sein, den Sinn unserer Existenz zu erfassen. Außerdem stellt der Erste Große Geist eine Gefahr für jeden einzelnen dar:

 

Die Gefahren unserer Welt

 

Die meisten geneigten Leser werden wissen, dass an dieser Stelle nicht vor heißen Kohlestücken oder scharfen Messern gewarnt werden soll. Vielmehr möchte die Autorin die Gefahren aufzeigen, die sich aus der allumfassenden Präsenz des Ersten Großen Geistes und den daraus entstehenden Implikationen ergeben:

 

  • Wenn der Erste Große Geist unsere Welt als Gedanken verwirft, vergisst oder verleugnet, oder seine Existenz beendet, oder seine Existenz beendet wird, oder er abgelenkt wird, sind wir wohl dem Untergang geweiht. 

 

  • Wenn der Erste Große Geist ermüdet, wäre dies womöglich eine Gefahr für unsere Metaphysische Welt. Erwähnt sei hier etwa das dringende Gefühl, etwas vergessen zu haben oder die Beobachtung eines Phänomens, dass das Gefühl erzeugt, dieses Phänomen bereits genau so gesehen zu haben. 

 

  • Die Ziele des Ersten Großen Geistes sind nicht bekannt, daher ist auch nicht klar, ob diese Pläne zu unser aller Gunsten oder gegen unsere Belange sprechen. Es ist nicht klar, ob der Erste Große Geist “gut” oder “böse” ist.

 

  • In weiterer Folge sind auch unsere eigenen Vorstellungen von Moral und “gut” und “böse” zu hinterfragen: Wenn wir aus nur einem Geist geboren sind, warum sollten wir die richtigen Moralvorstellungen in unseren Köpfen haben? Kann es nicht sein, dass diese lediglich der Spiegel eines Geistes sind, anstelle, wie eigentlich für eine Moral angebracht, der Spiegel einer ganzen Gruppe?

 

  • Unbekannt ist außerdem, ob wir vom Ersten Großen Geist ursprünglich erdacht wurden, oder aus einer fremden Welt in seinen Geist geholt wurden. 

 

  • Der Erste Große Geist denkt, fühlt und glaubt. Sollte er, ähnlich den unnatürlichen Menschen, eine Geistesströmung dereinst bevorzugen, könnte das Auswirkungen unbekannten Ausmaßes auf unsere Welt haben.

 

  • Alles im Ersten Großen Geist, Menschen, Tiere und andere denken, fühlen und glauben ebenfalls. Es besteht die Gefahr, dass diese, in einer Art Wechselspiel, den Ersten Großen Geist ihrerseits beeinflussen, und das in einer für die Allgemeinheit nicht dienlichen weise. 

 

  • Die Einflussnahme der Unnatürlichen Menschen muss als Einflussnahme auf den Ersten Großen Geist gesehen werden. Es wäre möglich, dass diese Einflussnahme Spuren hinterlässt, was ebenfalls zu einer unbeabsichtigten Änderung führen könnte. 

 

All diese aufgeworfenen Gefahren sind selbstverständlich intensiv zu erforschen, so möglich. 

 

Die Einschätzung diverser beobachtbarer Phänomene im Kontext dieser Theorie

 

Tod

Der Tod, der wohl alles Lebende zu ereilen scheint, ist in Einklang mit dieser Theorie lediglich gleichzusetzen mit dem Verlassen der Gedankenwelt des Ersten Großen Geistes. Denkbar wäre etwa, dass der Erste Große Geist vergisst, dass die erdachte Rolle beendet ist, dass der Zweck erfüllt sei oder dass in den Gedanken Platz für neue Individuen geschaffen wird.

 

Untod

Wenn der Tod einem geplanten Entschwinden aus dem Geist des Ersten Großen Geistes gleicht, so muss das Wandeln der beinernen Unwesen, gemeinhin wandelnde Skelette genannt, und vergleichbare Phänomene als ungeplante Rückführung eines verlorenen gegangenen Gedankens entsprechen. Denkbar wäre etwa, dass die beinernen Unwesen zu Lebzeiten Unnatürliche Menschen waren, mit einem Überhang an Fühlen, Denken oder Glauben. Ihr Wirken in den Gedanken des Ersten Großen Geistes könnte, wie zuvor erwähnt, Spuren in eben diesem hinterlassen, was den natürlichen Prozess des Erdenkens und Vergessens stört und diese so auf unsere Welt bindet. 

 

Das Verschwinden der Vorbewohner

Die Frage, was mit den Vorbewohnern geschah, war von zentraler Bedeutung, diese Abhandlung zu entwickeln. Im Lichte der Erkenntnisse dieses Traktats ist nun das Verschwinden nicht weniger beunruhigend aber deutlich leichter zu erklären: Der Erste Große Geist hat diese, bewusst oder unbewusst, aus seinem Geist gestrichen, diese Gedanken gleichsam verworfen wie eine fehlgeleitete Theorie. Es scheint, als sei die physische Welt ausgereift gewesen, doch ihre Bewohner waren es, auf die ein oder andere Weise, nicht. Dies gilt es zu verfolgen, die Fehler der Vorbewohner müssen dringend vermieden werden. 

 

Das stetig neue Erwachen

Bemerkenswert ist, dass ständig neue Menschen auf unserer Welt erscheinen. Dies tun sie an drei bestimmten, bekannten Orten. Die Zahl drei deutet hier natürlich an, dass es ebenso eine Verbindung zu den drei großen Strömen Fühlen, Glauben und Denken gibt. Doch das ist eine reine Spekulation, deren Überprüfung aussteht. 

Im Kontext des Ersten Großen Geistes gibt es mehrere Theorien, die das sukzessive Erscheinen von neuen Geistesfragmenten, nämlich Menschen und andere Wesenheiten, erklären könnte: 

1) Der Erste Große Geist ist sich des Prozesses nicht bewusst. Neue Fragmente, konkret Menschen, entstehen durch geistige Prozesse, die nicht gelenkt sind, ähnlich abschweifenden Gedanken. 

2) Der Erste Große Geist ist sich des Prozesses bewusst. Er führt Geistesfragmente bewusst ein, da er unsere Welt bewusst lenkt. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass jeder neu Erwachte eine konkrete Rolle in unserer Welt hat, und unsere Welt einem Experiment oder der Unterhaltung dient. Man könnte sagen, durch das sukzessive Beifügen neuer Menschen wird auch die Spannung hochgehalten. 

 

Träume

Menschen träumen, viele Tiere scheinen, so man ihre Schlafbewegungen verfolgt, ebenfalls von Träumen begleitet, diese sind also ohne Zweifel ein integraler Bestandteil unserer Welt, wenngleich denkbar ungreifbar. Jeder Träumende erzählt anderes, erlebt anderes. So manch ein Traum kann uns den ganzen Tag begleiten und beschwingen, andere Träume scheinen uns die Kraft zu rauben, trotz langem Schlaf. Der Traum ist also eine Erfahrung, die realer nicht sein könnte. Es ist naheliegend, dass auch der Erste Große Geist zu Träumen fähig ist. Wie sich ein solcher Traum des Ersten Großen Geists gestalten mag, ist natürlich völlig unklar. Es ist ebenso denkbar, dass Seine Träume uns ständig begegnen, wie dass er bisher nicht einmal träumte, da unsere Existenz ausgelöscht wäre. 

 

Eine Vermutung sei hier dennoch angestellt: Etwa wäre denkbar, dass wir bei Eintritt in einen Traum tatsächlich die Traumwelt des Ersten Großen Geistes betreten. Die Autorin selbst hatte Träume, die kaum anders erklärlich wären und nicht aus ihrem Alltag zu entspringen scheinen. Wenn diese Theorie stimmen würde, wäre das Träumen ein denkbares Instrumentarium, um Einfluss auf den Ersten Großen Geist zu nehmen. Weitere Forschungen sind auch hier entscheidend. Eine vorgeschlagene Versuchsreihe wäre das bewusste Erträumen von etwas, dass sich dann in unserer Welt manifestiert.

 

Abschließende Worte

 

Die Autorin ist sich bewusst, dass die Abhandlung an vielen Stellen hoch spekulativ ist. Es gibt lediglich Indizien, Beweise sind für viele Punkte ausständig. In dieser Welt der Unsicherheiten soll diese Arbeit jedoch eine Struktur bieten, anhand derer die Welt akribisch untersucht werden kann. Eine Falsifizierung der Theorie wäre mehr als wünschenswert. Die dargestellte Erklärung unserer Situation ist mehr als beunruhigend. Doch solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, wird die Autorin sehr bewusst ihre Handlungen setzen, um den Ersten Großen Geist nicht zu destabilisieren und die Fehler der Vorbewohner nicht zu wiederholen.



   
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Wulfus
(@wulfus)
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Werte Saikha,

mit größtem Interesse habe ich Eure Abhandlung gelesen, auf die  ich – so dachte ich nach unserem Gespräch am gestrigen Abend – noch länger warten müsste. Einen reizvollen Gedanken, den Ihr mit dem „Ersten Großen Geist“ formuliert habt. Und so einige andere Textpassagen sind es auch!

Nur Weniges habe ich gelesen, dem ich fehlbarer Halbwissender  zum jetzigen Zeitpunkt, der ja durchaus in einer verwirrenden irdischen Existenz zu liegen scheint, nicht ganz zustimmen kann. Diesbezüglich habe ich eine kleine Notiz bei Euren Pergamenten hinterlassen, zur allgemeinen Einsicht, um die Erkenntnis vielleicht dadurch voranzutreiben – oder um Verwirrung zu stiften. Wer weiß?

Vieles andere würde ich gerne irgendwann in einem gemeinsamen Gespräch diskutieren!

Gez. Alberich“

 

 

 

Eine Notiz ist in der Bibliothek bei den Pergamentrollen zu finden. Fein säuberlich geschrieben und schlicht mit „Kommentar von Alberich“ betitelt. Es steht darin:

 

 

Zum Punkt „Stärkung der besonderen Begabung durch Schwächung der ‚fälschlichen‘ Geistesströme."

Der Annahme, dass man durch Schwächung der zwei anderen Begabungen und ihrer Geistesströme die Ausübung der dritten Begabung stärkt, dem kann ich nicht zustimmen. Es mag zwar sein, dass dadurch der Fokus auf eben eine der Begabungen erhöht wird, wenn man die anderen zwei schwächen würde, aber ob dadurch die Auslebung selbiger Begabung gleichermaßen gestärkt würde, halte ich für fraglich:

Es bedarf doch nämlich immer eines Sterblichen, um eine Begabung ‚zu aktivieren‘, auszuüben bzw. auszuleben. Und Sterbliche sind meines Erachtens nie gut bedient, zu sehr auf eine Sache fokussiert zu sein und statt vielen Perspektiven nur ‚DEN EINEN‘ Blick auf etwas zu haben.  Ich will es an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn ich als einer, den Ihr als Glaubenden bezeichnet, den Fokus einzig und ausschließlich auf den Glauben richten würde und das Denken und Fühlen aus meiner Wahrnehmungswelt verdrängen würde, würde ich mir und (!) meiner Göttin dann nicht schaden?

Ich denke schon, denn ich verstehe mich als ein Bindeglied zwischen meiner Göttin und der irdenen Welt, weshalb ich neben dem Glauben auch das Denken und das Fühlen benötige, um die irdenen Dinge mit den göttlichen in Bezug setzen zu können.  Es ist ja nicht so, als dass wir Glaubenden – zumindest habe ich diese Erfahrung noch nicht gemacht – einen jeden Schritt unseres irdischen Daseins von unseren Gottheiten vorgegeben bekommen. Bei weitem nicht! Oft entsteht diese manchmal schwer auszuhaltende ‚göttliche Stille‘, wie ich sie nenne, wo  unsereins oft sehr alleine ist und dennoch bestehen muss.

Es ist ja  vielmehr so, dass man von göttlichen Impulsen sprechen kann, denen eben oft eine göttliche Stille folgt. Diese göttlichen Impulse werden unsereins oft in sehr abstrakten Träumen oder Visionen kundgetan und  sind ‚nur‘ Ausgangspunkt unserer irdenen Handlungen.  Mein Glaube gibt mir dabei natürlich die Kraft, diesen Impuls in die Tat umzusetzen. Mein Glaube bewirkt auch die Zuversicht, dass der Impuls ein lohnenswerter ist. Mein Glaube gibt natürlich vor, nach welchem Schema der Impuls heranwachsen wird.

Doch wo setze ich diesen Impuls im irdenen Leben um? Wann setze ich ihn um? Wie setze ich ihn um? In welchem Detail entwickle ich den Impuls zu einem abschließend vollkommenen Geschenk an meine Göttin, die mir ja vorweg ‚nur‘ einen kleinen Bauteil des großen Ganzen mitgegeben hat?

All diese Fragen und viele mehr, oft zu entscheiden in einer  Phase der göttlichen Stille, bedürfen des Nachdenkens und des Hineinfühlens – über und in Personen, Situationen etc.  Denn man darf sich nicht vorstellen, dass meine Göttin mir zu jeder Entscheidung, die ich zu treffen habe, ihre weise Antwort sofort und zu jeder Zeit zuteilwerden lässt. Ach, wäre das herrlich für einen so unbedeutsamen Sterblichen wie mich, so viel von Lanjas Aufmerksamkeit zu bekommen!

Doch leider ist dies nur ein Wunschdenken, so wie manche sich wünschen, durch ihre Geisteskraft alles logisch-rational erklären und entscheiden zu können oder wie vielleicht andere erhoffen, intuitiv-empathisch jeden erdenklichen Aspekt des Lebens korrekt erfühlen zu können.  Am Ende vielleicht sogar ein gefährlicher Wunsch, wenn man bedenkt, wie schnell man so in seiner eigenen Echokammer gefangen sein könnte und  damit jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion verlieren würde!

Vielmehr habe ich für mich erkannt, dass der Weg vom göttlichen Impuls bis zur finalen Umsetzung dessen, was Lanja von mir erwartet, viel an den Geistesströmungen bedarf, den Denkende und Fühlende als ihre größten Stärken bezeichnen. Allzeit begleitet natürlich von Lanjas Weisheit, die – so ich je auf den falschen Pfad gelänge – mir im und durch den Glauben den rechten Weg zurück zeigen würde, so glaube (!) ich.

 Ich denke also, dass man als Begabter mit größtem Interesse und ohne Vorbehalte sich über die Fähigkeiten „der anderen“ informieren sollte, wenngleich man vielleicht nie die Besonderheit gänzlich verstehen oder gar die ‚unnatürliche Begabung“, wie Ihr sie nennt,  ausüben kann. Wenn man aber die zugrundeliegenden Muster  kennenlernt und die „natürliche Ausprägung“ der Begabung der „anderen“ perfektioniert,  so würde ich dies als äußerst hilfreich für das eigene Tun und Sein betrachten. Vor allem in einer Welt, die – wie so beeindruckend in der Abhandlung beschrieben –  als Grundpfeiler das Glauben, das Denken und das Fühlen hat, vielleicht eben als Manifestation dessen, was den Großen Ersten Geistes selbst ausmacht.

Vielleicht ist meine Erklärung abstrakt und schwer nachvollziehbar für jene, die einen anderen Pfad der Begabung gehen, jedoch hoffe ich, dass mein Plädoyer für eine Offenheit mit vielen Perspektiven und einer Kultivierung aller drei Geistesströmungen mit Wohlwollen aufgenommen wird!



   
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Anamoris
(@anamoris)
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*Dem Kommentar wird ein neues, deutlich dünneres Pergament mit einem Bindfaden angebunden, außen gut ersichtlich steht mit geschwungenen Lettern* Saikhas Replik zu Alberichs Kommentar

 

Die Einsichten eines Glaubendens sind von größter Bedeutung für die Erweiterung und Überprüfung dieses Traktats. Dennoch ist die Erwiderung ohne Widerlegung der besprochenen Theorie, soweit die Verfasserin das erfasst: 

"Eine Stärkung der eigenen besonderen Begabungen durch die Reduktion der "falschen" Geistesströme sei nicht möglich, da im Alltag alle Geistesströme von Nöten sind, um dem Glauben nachzukommen und der betreffenden Gottheit zu dienen."

Wenngleich die Betrachtung auf jeden Fall in das Traktat einfließen sollte, da sie ein klareres Bild auf das Wesen der Glaubenden und damit das Glauben selbst ermöglichen, so sei klar gestellt: Genau das besagt der zweite Punkt "2) Schwächung der fälschlichen Geistesströme". Unter diesem Punkte ist vermerkt, dass die Schwächung der übrigen Geistesströme durch eine exzessive "Überbenutzung" möglich sein könnte. Im Fall eines Glaubenden also hieße das, dass jener besonders gründlich Denken sollte, besonders leidenschaftlich fühlen sollte, um schlussendlich im möglichst puren Glauben zurückzubleiben. 

 

Sollte der Kommentar missverstanden sein, freut sich die Verfasserin auf eine baldige Richtigstellung des Kommentators. 



   
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Wulfus
(@wulfus)
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Mhm, jetzt verstehe ich meinen Denkfehler, murmelte Alberich und fügt dem neuen Kommentar seinerseits eine kurze Notiz bei.

 

Dank Eurer Erklärung, werte Saikha, habe ich meinen Denk- bzw. Lesefehler verstanden: Ich dachte bei der Schwächtung der fälschlichen Geistesströme an den Versuch einer permanenten Schwächung und nicht an eine temporale, wie mir Euer zweiter Hinweis vor Augen geführt hat. Eure These dazu, so wie ich sie jetzt erkenne, ist nachvollziehbar und ggf. auch umsetzbar. Wenngleich ich eines anmerken will: Wenn man sich mit der Intention einer Überbenutzung dem Glauben hingibt, dann bewegt man sich auf dünnem Eis: Denn sollte man nicht nur aus dem einzigen Grund meditieren (Anm.: Ich vermeide für mich den Begriff "beten"), nämlich um den Göttern nahe zu sein - und nicht dabei im Hinterkopf zu haben - dadurch später mit reinerem Geist dem Denken frönen zu können?

Aber solcher Art "Optimierungen" sind für mich nebensächlich. Das muss jeder selbst mit sich und unter den Augen der Götter aushandeln. Viel wichtiger ist für mich, dass aufgrund Eurer nachträglichen Erklärung nun für mich klar ist, dass auch Ihr in Eurer Theorie ein Miteinander und kein Gegeneinander der verschiedenen Geistesstömungen seht. Das beruhigt und erfreut mich - auf all diesen drei Ebenen meines Geistes!

Gez. Alberich



   
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