Gedanken
Eigentlich hätten ihre Beine schmerzen müssen, die Füße mit Blasen protestieren, so weit war sie bereits gelaufen. Schritt um Schritt vermochte sie es nicht ihr Gleichgewicht zu finden, auch nur einen ruhigen Gedanken zu fassen. Sie war an ihren Lieblingsorten vorbeigehuscht ohne sie wahrzunehmen. Dem kleinen Wasserfall, dem Weier tief im Wald, den Statuen der fremden Menschen die mehr Fragen aufwarfen als sie beantworteten, bis sie bei der kleinen Ruine ankam. Hier konnte sie sich fallen lassen. Hier war sie sicher, dass niemand ihre Schwäche sehen konnte und so ließ sie sich en einem noch überdachten Mauerstück im Schatten nieder, legte die Unterarme auf die Knie und ließ den Kopf darauf niedersacken. Für einige Momente gestattete sie sich die Verzweiflung gewähren zu lassen um sie daraufhin wieder aus ihrem Geist zu schieben. So oft an diesem Tag hatte sie dem Drang wiederstehen müssen sich in die Bibliothek zu begeben von der sie kein Bild hatte und einen Index zu öffnen in dem die Leistungen vieler hundert Leben verzeichnet waren, mit Reihe, Regal und Stellnummer. Ysolde seufzte. Das war wohl bislang ihr Weg gewesen etwas herauszufinden. Sich einzulesen und dann eine Lösung zu entwickeln. Doch diese Türe war verschlossen, sie wusste ja nicht einmal in welche Richtung sie hätte gehen, schwimmen, oder fliegen müssen und für wie lange um an einen Ort zu gelangen der ihr im Moment nichts sagte und sie nicht einmal wusste, kommt sie in der Wüstensonne, oder im Schneegestöber an.
So einfach war das also, sie musste nur einen Ritualkreis entwickeln von dem sie nichts verstand, um ein Ding abzuschirmen das sie nicht ohne solchen Schutz zu untersuchen wagte, das womöglich verborgene Fähigkeiten hatte die sie nicht kannte. Ysolde seufzte, zwei oder drei Momente würde es wohl noch dauern bis sie die Lösung hatte. Sie konnte nicht Alberichs tun kopieren. Nicht, dass sie ihn unterschätzte. Auf einer Skala zwischen gewöhnlichem Mann und einem Bären hätte sie ihn wohl weit über die Mitte in Richtung des Bären geschoben, er war gutherzig und durchdrungen von besonderer Macht. Eine Macht die Ysolde aber nicht wirklich verstand. Er glaubte, sie hatte versucht das nachzuvollziehen und war gescheitert. Wie sie sich eingestand gab es für sie nur sie wusste, oder sie wusste nicht. Er hoffte, für sie gab es einen bevorzugten von vielen möglichen Ausgängen. Nein sie konnte seinen Weg nicht für sich nutzen. Ebensowenig wie den von Darian. Seine Gefühle gaben ihm Kraft, doch machten sie ihn auch immer impulsiv und unberechnenbar. Also es ging schon... sie überlegte kurz wie sie ihn geärgert hatte um ihm mehr Schlagkraft gegen einen Bären zu geben der aus dem Busch gebrochen war. Aber auch das war nicht ihr Weg. So flau wie das Gefühl in ihrem Magen gerade war hätte sie bestenfalls ihre bereits wabbernden Beine in Honigaufstich verwandeln können.
Nein sie war Hermetikerin und als solche würde sie tun was Hermetiker tun, die lesen nämlich einfach nach... die lesen nach.... Ysolde seufzte. Also was hatte sie. Es gab eine Forschungsreihe von Silas über die bekannten Fokusarten und deren Ladungen. Das meiste davon kenne ich nur vom Namen und der Verwendung anhand dieser Aufstellung, bis auf die angeführten Kräuter. Kräuter? Mooooooooment... Hastig sprang sie hoch und mit einem Griff in die Tasche war ein kleines Notizbüchlein gezückt. Leise murmelte sie vor sich hin, während sie im Stehen Tabellen aufstellte, zeichnete und skizzierte. "die Laute ist böse", hat Leomar gesagt, was er wohl seinerseits von Konrad gehört haben musste. "Eine dunkle Energie geht von ihr aus", hatte er fortgeführt und dann wurden noch Ranken erwähnt. Es ist also eine Laute, folglich wird ihre Macht wirken wenn man sie spielt. In diesem Fall wirkt die Magie über das Element Luft, allerdings könnten die Ranken.... das wäre eher Wasser und Erde.... Da reicht in jedem Fall nicht ein Element. Ich benötige getrennte Elemente, die im richtigen Zeitpunkt zusammenwirken. Ableiten kann ich die Zusammenstellung von der Elementarlehre in der Heilkunst und wenn ich darauf achte vorwiegend Kräuter als Energieleferanten zu verwenden mit denen ich mich auskenne dann kann ich.... Ich brauche diese Liste!!!
Im Laufschritt eilt sie vorbei an den Statuen, dem Weier, dem kleinen Wasserfall, Gnadenkraut, Salbei und Lavendel um sich eine Abschrift von Silas Werk anzufertigen.
Der Geistesblitz
Ysolde saß am Weier und flocht ihr Haar wie sie es jeden Tag zu tun pflegte. Eigentlich wenn sie eine Pause einlegte, doch heute war es anders gewesen. Sie war die ganze Nacht wach gewesen und vom Hundersten ins Tausendste gekommen und hatte viele hochlöbliche Thesen gesponnen die mit einem vor Jahrhunderten in einem Erzmagierturm gezogenen Meisterzirkel sicherlich eine wunderbare Idee gewesen wären, aber ein Salzkreis auf dem Steinboden eines Hauses, das davor was weiss ich welchen Zweck gehabt hatte und seit ein paar Monden als das Haus der besonderen Begabungen bekannt war, war da dann doch eine halbe Klasse bis Klasse darunter. Oder vielleicht noch etwas mehr.... Ysolde seufzte. Sie würde nicht nur den Ritualkreis in der Theorie erstellen, verschiedene Verfahren und Komponenten erproben, als auch mentale Gesundheit bewahren müssen. Dies erreichte sie nicht dadurch, dass sie wie diese Nacht wach blieb und nur durch die ersten Strahlen der Sonne daran erinnert wurde etwas zu dösen, was zu einem Halbschlaf geführt hatte, bei dem sie noch im Traum weiter analysiert hatte. Du weißt, dass dein Wesen zum Element Luft neigt Ysolde, die Laute wird mit Luft angreifen. Du musst deine Erde stärken. Übermäßigen Schlaf konnte sie sich nicht leisten, doch sie durfte nicht unter die erforderliche Menge fallen und musste die Erde in ihrem Körper durch Nahrung stärken. Gerade ging sie den Speiseplan ein achtes Mal durch, da ihr das lieber war, als unfokusiert weiter an ihrem eigentlichen Problem zu arbeiten. Sie musste auch körperlich und geistig mit voller Kraft bei der Analyse zugegen sein und da gab es nur eines. Hardians Speckkrapfen! So viel Feuer und Erde in einer Portion geballt, das musste sie einfach Richtung Gleichgewicht bringen. Darüber hinaus würde sie ein leichtes Frühstück zu sich nehmen, das ganz im Zeichen des Elementes der Luft stand. Ysolde kalkulierte, dass sie so unter Tags ihre Geistesschärfe steigern würde, was aber gegen Abend zu geistiger Ermüdung führte und das war genau das was sie beabsichtigte. Erst effizient an ihrem Problem zu arbeiten und dann wieder den Ausgleich zu finden. Tränke zur Steigerung der Geisteskraft hatte sie in Betracht gezogen, sich dann aber dazu entschieden keine zu sich zu nehmen um einer Gewöhnung vorzubeugen. Sie würde auch diese Tränke für sich arbeiten lassen, aber erst am Abend der Analyse des dunklen Instruments.
Ysolde rekapitulierte nun. Wenn sie die Laute dem gleichen Meister zuschrieb wie dem Bären, dann würde er seine Stärken einsetzen und die wären beim Bären die gleichen wie bei der Laute. Ein massives Ziel alleine. So die These der sie die höchste Wahrscheinlichkeit zuschrieb. Eine weitere Problematik ergab sich dadurch, dass die zweitbeste Möglichkeit die sie ersonnnen hatte darin bestand nach oben in den Sumpf zu gehen, zu sehen wie weit sie diese Kriegsmaschiene aufspannen konnte und die Laute einfach so weit weg zu schießen wie möglich. Ysolde schüttelte den Kopf, sie würde bei der These mit dem gleichen Meister bleiben. Das war der besten Anhaltspunkt.
Wie haben wir ihn also besiegt. Ich habe ihn durchgehend mit einer Frostschicht belegt. Das konnte er zwar abschütteln wie Schnee und es hat ihm körperlich nicht geschadet, doch es hat ihn verlangsamt und dadurch konnten die Krieger in Lücken schlagen, was den Bären so abgelenkt hat, dass er nicht auf die Pfeile und Bolzen reagieren konnte die ihn dann schlussendlich zu Fall brachten. Doch ohne die Ablenkung hätten die Schützen nicht stehen bleiben können. Das war es was den Bären zu Fall gebracht hatte. Das Zusammenspiel und nicht die einzelne Stärke. Daher konnte sie der Laute nicht mit einem Element begegnen, das würde einfach zerschmettert werden. Sie musste so viele ihrer Stärken wie möglich ins Spiel bringen. Wenn sie die richtige Taktik fand würden ihre Stärken überwiegen. Auch wenn sie die Laute noch nie gesehen hatte musste sie nun auf dieser Basis arbeiten, sonst hätte sie ja garnicht anzufangen brauchen. Entschlossen nickte sie und zückte ihr Notizbüchlein.
Die Vermutete Reihenfolge der Elementarstärke in der Laute wird zwecks mangelnder Praxiserfahrung auf Luft - Erde - Wasser - Feuer postoliert und zur weiteren Entwicklung verwendet werden. Luft entspricht in der Heilkunst dem Blut. Befindet sich Krankheitsmaterie im Blut, so hat man zu überprüfen, ob ein Aderlass dem Patienten mehr schadet oder nutzt. In ihrem Fall war das nicht möglich. Sie versuchte ja die Wirkung abzuhalten und sie nicht noch zusätzlich zu sich zu ziehen. Daher musste sie damit reagieren das Element Luft in ihrem Ritual so anzuschlagen, dass ihre Erde dem geschwächten Ansturm der Laute standhalten konnte. Ihre Augen schweiften über die Abschrift die sich sich gemacht hatte und als sie fast ganz unten angekommen war riss sie die Augen auf.
Das war es! Das war die zündende Idee!
Die Methode
Ysolde war für heute zur Ruhe gekommen. Nun hatte sie sich nun die Zeit genommen das Stück lebende Borke genauer anzusehen das ihr Silas geschenkt hatte. Nachdem sie mit ihm gesprochen hatte, hatte sie zwar beschlossen diese nicht für ihr derzeitiges Vorhaben zu verwenden, da er meinte er habe sie von einem belebten Baum geerntet den er bezwungen hätte. Das schien ihr nicht der richtige Fokus für das was sie vor hatte, doch gehörte dieses Geschenk katalogisiert und vom ersten Tag an beobachtet. So skizzierte sie sich die Rinde und machte Notizen über Feuchtigkeitsgrad und Oberflächenbeschaffenheit. Dann verschloss sie die Rinde gemeintsam mit dem dkoumentierenden Pergament in einer Tonschartulle, umwickelte es mit einigen Verbänden und lagerte es ganz hinten unten in einer Metalltruhe die sie selten verwendete um dem Fund die Ruhe zu geben die seine Abnutzung verhinderte. Sie würde diese Rinde bald benötigen und daher gehörte sie gehütet. Doch nun musste sie sich wieder ihrem Projekt zuwenden. Sie seufzte als sie die hunderte Stücke Weidenrinde betrachtete die sie nun zu sichten hatte. Das Harz der Bäume war unterschiedlich. Wenn sich der Baum bei dessen Bildung gegen Schädlinge wehrte so hatte dies nicht die Wirkung die sie benötigte. Für gewöhnliche Heiltränke konnte sie es einfach auskochen, doch sie benötigte explizit ein Harz mit einer besonderer Wirkung. Nämlich das das entstand wenn ein Baum verletzt wurde, wie durch einen Blitzeinschlag, oder einen Bären der es eigentlich auf den Honig in einem Bienenstock abgesehen hatte und nebenbei einen guten Teil der Rinde abgeschlagen hatte. Diesem Harz wohnte eine heilende Wirkung bei, da es für heilende Zwecke produziert wurde. Es war die Art von Harz die sie nutzte um die Blutung einer klaffenden Wunde zu schließen, wie sie das unlängst bei Merdok getan hatte, der sich einen Tiefen Schnitt an der Klaue eines silbernen Vogelweibes zugezogen hatte. Sie musste zwar zur Ruhe kommen, doch konnte sie nicht geistig hochtrabende Arbeiten durchführen und damit den morgigen Tag vorbereiten.
Hier waren die Vorbereitungen in 2 Dinge aufgeteilt. Vor der Türe auf den Holztischen war die Weidenrinde ausgebreitet. Ysolde hatte diesen Ort gewählt, da sie die Qualität des Harzes unter anderem am Geruch erkannte. Daher konnte sie nicht die gesamte Menge auf einmal sichten. Sie würde hier die Weidenrinde aufteilen, bis ihre Sinnesschärfe was den Geruch anging nachlies, dann würde sie die Weidenrinde im Freien belassen und sich in die Küche begeben. Dort waren mehrere Baraziere aufzubauen in einem bestimmten Abstand, damit sich ihre Temperatur nicht zu sehr beeinflusste, doch so weit zusammen, dass sie mehrere Versuchsreihen gleichzeitig starten konnte. Denn noch arbeitet die Zeit gegen sie. Das würde sich erst umkehren, wenn sich die Struktur die sie erdacht hatte als funktionabel erwies. Ab diesem Zeitpunkt könnte sie jeden Tag der ihr verblieb zur Verbesserung verwenden. Probeweise stellte sie den ersten Barazier auf. Darüber an einem Gestell war eine Gussform angebracht, wie sie zum schmezlen von Metallbarren verwendet wurden. Diese erfüllten genau den benötigten Zweck. Als sie sich an die einfache manuelle Arbeit machte und immer wieder zwischen Vorgarten und Küche hin und herwechselte rekapitulierte ihr Geist was sie den ganzen Tag ersonnen hatte.
Erst musste die Form des Kreises gewählt werden. Da sie nur den Ritualkreis kannte mit dem sie ihren Fokus laden konnte begann sie an diesem zu testen ob er für ihre Zwecke brauchbar wäre. Hier würde sie die größten Absriche machen müssen, denn ein neues Schema für einen Ritualkreis zu entwickeln würde wohl Monde andauern und Unsummen verschlingen. Daher stellte sie eine längere Versuchsreihe an. Hielt nur Fokus und die Reagenz in den Kreis, während sie draussen stand, sie beschwor einen Steinsitz neben dem Kreis setzte sich auf diesen und stellte nur die Beine in den Kreis. In keinem Fall war es ihr möglich den Fokus zu laden. Doch befand sie sich im Kreis war es egal ob sie auf einem Bein stand, hockte oder sprang. Letzteres war nicht die beste ihrer Ideen an diesem Tag da sie sich dabei den Fokus gegen das Kinn schlug und eine kurze Pause einlegen musste um die entstandene Blutung mit einer heilenden Salbe zu behandeln. Doch war das ohnehin das Ende der Suche nach der Zeichnung des Kreises. Ysolde folgerte, dass die gezeichnete Form dieses Ritalkreises die Energien in seinem Inneren hielt und das war das was sie benötigte, denn sie würde das tun was der Meister der Laute wohl mit der größten Wahrscheinlichkeit nicht erwartete. Sie würde vom ersten Moment an zum Angriff übergehen. Sie würde die Macht der Laute von Anfang an herausfordern um so ihre erste Analyse unangefochten durchführen zu können. Schon bei der Wahl der Formel war sie auf Probleme gestoßen. Sie hatte keine Auflistung der genauen Bedeutung der Worte der Macht. Saikha hatte sie in einer Analyse erwähnt, jedoch nur an der Oberfläche gekratzt und Ysolde konnte dem Werk nicht die Feinheiten entnehmen, die sie für die Zusammenstellung einer eigenen Formel die Wirkung in wesentlich feinerer Form beschrieben hätte haben müssen. Ihr blieb daher nur die Wahl einer Formel die ihr bekannt war und die in ihrem Folianten zu finden war. Anhand dieser hatte sie den Aufbau des Schutzkreises geplant. Sie musste den unkonventionellen Weg eines zum Element Feuer gepolten Rituales gehen, doch je mehr sie darüber nachgedacht hatte würde ihr diese Elementwahl sogar in die Hände spielen, da Feuer sicherlich die Schwäche eine Holzinstrumentes war. Die Worte der Macht geben zwar die Richtung an in die das Ritual geht, doch niemand sagt, dass das Ritual nicht einfach dazu verwendet werden kann etwas ganz anderes anszulösen das dann die Wirkung hat die ich beabsichtige. Vor 2 Wochenläufen hätte sie selbst noch den Kopf darüber geschüttelt. Doch mit dieser Lösung konnte sie all ihre Fertigkeiten einsetzen. Es war nicht hermetisch, es war nicht konventionell, es war schlicht und ergreifend Ysolde.
Noch einmal ging sie im Geiste den geplanten Aufbau des Kreises durch. Da sie nicht wusste was die Tentakel vermochten und nicht beabsichtigte sich einfach ihren Kreis von diesen verwischen zu lassen hatte würde sie die Grundstruktur des Kreises mit Dochten nachknüpfen. Diese hatte sie sich für derlei Versuche von Shandra fertigen lassen und sie stellten jetzt eine für sie sehr wertvolle Sicherheit dar. Da es sich um einen feueraffinen Ritualkreis handelte würde sie dieses Geflecht über einige Tage in einer Lösung aus Pottasche einlegen um es auf das Element Feuer zu polen. Über dieses ausgelegte Grundgerüst kam eine Paste die sie auf dem Prinzip von Zundermasse ersonnen hatte die aber eine andere Wirkung hatte. Um Zundermasse herzustellen benötigte man neben der Pottasche auch Vulkanit und Infernit. Doch Ysolde beabsichtigte weder einen großen lauten Wums, noch den expandierenden Aspekt der Zundermasse. Sie würde die Pottasche mit Krötenschleim versetzen. So hatte sie zum einen das Element Wasser mit ihrem Ritual verknüpft und zum anderen hatte sie einen bestimmten Effekt kalkuliert. Der Krötenschleim würde die Explosion verschlucken sich dabei aber erwärmen und diese Wärme abgeben. Die genaue Erwärmung würde sie mit der Beigabe von Quarz und Kohle steuern, was ihrem Ritual auch das Element der ERde zu Nutzen führte. Ysolde ging davon aus, dass beigemengter Kohlestaub die Temperatur erhöht die entsteht und dabei natürlich verbraucht wird, daher war die exakte Beigabemenge noch zu kalkulieren. Beim Quarz hatte sie eine ander Intention. Sie wusste aus Quarz wird Glas gemacht, doch das bei einer sehr hohen Temperatur. Ysolde hatte die Bergarbeiter beobachtet und war nachdem sie fertig waren zum Hochofen gegangen um die Temperatur zu prüfen. Diese war jenseits von allem was sie bei der Untersuchung an Temperatur erlebt hätte, also ging sie davon aus, dass Quarz bei den Temperaturen die sie erzeugen würde eher als Wärmespeicher diente und nicht verglasen würde. Das Ganze sollte eine homogene aber sehr zähe Masse bilden, die aber wieder zusammenrinnen konte, sollte ein Tentakel daraufschlagen, daher auch die Sicherheit durch das Dochtkonstrukt. Sinn des Ritualkreises war es aber nicht den eigentlichen Effekt zu bewirken sondern nur auszulösen. Ein Feuerritual stellte sicherlich die Schwäche eines Holzinstruments dar, das war ein weiterer Vorteil, aber der eigentliche Angriff würde über die Elemente Wind sowie Wasser erfolgen. Ysolde würde Wachsplättchen Schmelzen in die sie eine Mischung aus Weidenrinde und Molchsaugen einarbeiten würde. Weidenrinde war das was sie im Werk von Silas entdeckt hatte. Es hatte bei einem wasseraffinen Fokus 9 Ladungen, was nur von der lebenden Borke mit 10 Ladungen übertroffen wurde, doch die Weidenrinde gab ihr den Fokus den sie schlussendlich benötigte. Die Molchsaugen waren von schwächerer Wirkung, werden aber für Tränke der Geistesfrische verwendet. In Ysoldes Kalkulation musste es also so sein, dass sich die heilende Wirkung der Weidenrinde durchsetzte jedoch durch die Molchsaugen auf geistige Heilung gepolt würde. Das war genau das was der Laute entgegenstand. Sie vernebelte den Geist, sie beeinflusste. Die Magie die Ysolde freizusetzen beabsichtigte heilte genau diesen Zustand. Durch das Erhitzen würde sich zum einen das Wachs erwärmen und nach und nach die Heilende Wirkung freisetzten und zum anderen würde sich im Kampf gegen die entstehende Wärme Wasserelement aus dem Krötenschleim lösen, das sich mit dem Element Luft gemeinsam in Dampf verwandelte. Dieser Dampf würde sich dann mit der wassergepolten Heilausdünstungen der Wachsplättchen verbinden und befindet sich dann zum einen durch den Dampf in der Luft wo die Magie einer klingenden Laute wirken wird und zum anderen setzt sich der Wasserdampf an der Laute ab und legt auch hier die heilende Wirkung der Weidenrinde in Verbindung mit den Molchsaugen direkt auf das Holz um seine Magie der Geistheilung zu entfalten. Ysolde schmunzelte. Wenn sie das nicht selbst erdacht hätte, hätte sie sich eine Niederschrift davon sicherlich mehrfach durchlesen müssen.
Nun war es aber Zeit für diesen Abend alles ruhen zu lassen und neue Geisteskraft für morgen zu schöpfen, daher verräumte sie die Weidenrinde für heute und lies sie für morgen da. Ein letztes war noch zu tun. Der Spaß immer am Ende. So hatte sie ein Tiegelchen Krötenschleim mit einem Löffelchen Pottasche vermengt und sich einen weiten Platz gesucht an dem sie nichts brennbares entdecken konnte. Dort leerte sie den Versetzten Krötenschleim auf den Boden und trat 5 Schritte zurück. Die 4 Elemente und meine Heilkunst gegen die Kadenz der Dunkelheit, dachte sie mit einem fast bitteren Schmunzeln auf den Lippen. Dann streckte sie die rechte Hand nach vorne auf den ekeligen Batzen deutend um dann die nächsen 3 Silben klar und deutlich auszusprechen. GAEIS OTAE AESRED
Ein feiner Duft liegt in der Luft
Ysolde nahm einige tiefe Atemzüge und blickte sich um. Der Tag war gerade erst angebrochen und die wilden Herrscher der Nacht hatten sich in ihre Bauten zurückgezogen um den Tag zu überschlafen. Unter gewöhnlichen Umständen wäre sie jetzt in den Wald aufgebrochen um die Kräuter zu sammeln die sie für ihre Salben und Tinkturen benötigte. Gerade heute wäre sie lieber als an jedem andern Tag losgegangen und das hatte einen Grund. Sie brauchte sich nur umzudrehen und auf die Heilstube zu blicken um ein leichtes Gefühl der Übelkeit bekämpfen zu müssen. Sie seufzte. Bei der Aufstellung ihres Zeitplans hatte sie Effizienz Einzug halten lassen und die Arbeitsschritte so geplant, dass sie in Trocken- und Lagerzeiten einer Reagenz die andere bearbeiten konnte und dies in einem zeitlich festgelegten Ablauf, sodass sie bei dem Arbeitsteil anfing, der in Folge die längste Ruhezeit benötigte. Auf dem Papier hatte das gut ausgesehen, doch in letzter Konsequenz vermischte sich nun der Geruch von erwärmten Harz mit dem süßlichen Geruch der Molchsaugen, in einer sehr hochgelagerten Gussform leicht anröstete. Der Krötenschleim war zwar noch verschlossen und stand in einer schattigen Ecke der Stube, doch bei der Menge die sie benötigte trotzte der Duft dem Verschluss. Sie hatte die Fenster geöffnet um etwas frische Luft hereinzulassen, doch es zeigte sich, dass damit die Gerüche auch vermengt wurden. Die Pottaschelösung blubberte fröhlich vor sich hin und verlieh dem Ganzen noch einen zusätzlich beissenden Zuschlag. Erst hatte sie etwas Lavendelextrakt auf ein Tüchlein getropft, doch das ergab nur eine zusätzlich süßliche Note in der Symphonie des Erbrechens. Der Staub von bereitgelegter Kohle und Quarz bildete die optische Zugabe. Wenn das vorbei war würde es wohl einen Putztag geben müssen. hm... einen? Ysolde seufzte, aber es half nichts. Sie musste an die Arbeit.
Wenn sie die Molchsaugen an der Luft trocknete würde das Tage dauern und auch einen Teil der Heilessenz kosten, die ihnen inne wohnte. Daher hatte sie sich für eine Röstung mit einer Temperatur entschlossen, die in etwa der einer lauwarmen Speise entsprach. Spürbar wärmer als der Tisch auf dem der Teller stand, aber nichts was zu einer Auskochung der Augen geführt hätte. Sie benötigte deren Essenz in pulverform um sie mit der Weidenrinde zu vermengen. Für die Verbindung von Weidenrinde und Molchsaugen hatte sie einen Vorgang ersonnen der einige Arbeitsschritte benötigte, daher wurde dies als erstes in Angriff genommen. Sobald die Molchsaugen getrocknet waren wurden sie mit Mörser und Stössel zu einem feinen Pulver zerrieben. Die Weidenrinde wurde zunächst in unzerteilten Stücken angeröstet um das Harz darin in einen zählfüssigen Zustand zu bekommen. In die sich bildenten Tropfen wurde sorgsam etwas von dem Molchsaugenpulver dosiert und die ganze Röstung für einen halben Tag so belassen, wobei sie die Temperatur nach und nach leicht erhöhte, damit sich das Harz langsam mehr verflüssigte und wieder in die Weidenrinde einsickerte. In etwa die Hälfte der Molchsaugen ließ sie noch unvermengt. Dies würde beigefügt werden, wenn sie die Weidenrinde zerrieb, doch das war ein Vorgang für später und konnte draussen vorgenommen werden. Draussen... Ysolde blickte auf ihren Zeitplan und atmete erleichtert durch. Dann griff sie zu den vorbereiteten Dochten und begab sich nach draussen. Mit einem Ast zeichnete sie einen Ritualkreis vor und begann dann die Dochte eben gezeichneten Rinnen zu legen um sie dann zusammenzuknüpfen. Während sie an der Form des Ritualkreises arbeitete blickte sie immer wieder zur Straße hinüber. Ein Patient der just an diesem Tag Hilfe benötigte wäre ein nicht zu bevorzugender Verlauf der Dinge, man würde sehen.
Der Frühlingstag
Ein herrlicher Frühlingstag war es gewesen heute. Schon am Morgen hatte sich das Rot der ersten Sonnenstrahlen im Morgentau gespiegelt und alle Farben dargeboten die ein prächtiger Regenbogen zu bieten hat. Die Vögel hatten ihre Liedlein zum Besten gegeben und man konnte direkt sehen wie sich die Natur nach einem langen Winterschlaf nun reckte und streckte. Es war einfach herrlich und es wäre bestimmt noch zu einer Steigerung dieser Herrlichkeit gekommen, wäre sie nicht den ganzen Tag in der Heilstube eingeschlossen gewesen. Die Fenster waren geschlossen, die Türe verrammelt, denn nichts sollte Dreck, Blätter oder schlimmeres auf ihr Preparationen spucken und damit die Arbeit von Tagen wieder an den Anfang zu treiben. Einschließlich der Beschaffung hunderter Brocken Weidenrinde um wieder an genügend von diesem heilenden Harz zu kommen. Wesentlich bedrückender fand sie jedoch, dass dies eine Tatsache war, die sie gewohnt schien und mit erschreckender Leichtigkeit bei Seite schieben konnte, immer wenn sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren musste. Aber das Grauen steigerte sich noch. Es stank noch bestialischer als gestern.
Die Röstung der Weidenrinde war beendet und das ihr inne wohnende Harz war dabei dies zu verkünden. Mit einer nussigen Unternote Art Molchsauge. Jedoch konnte sie konnte diese nun mit einer ersten Lufttrocknung näher an das Element Luft polen. Da sie keine passende Formel in ihrem Folianten gefunden hatte musste sie diese Polung nun durch etwas durchführen das sie verstand und das brauchte in diesem Fall eben Zeit. In der Heilkunst die sie praktizierte konnte eine dem Element Feuer zugeschriebene Speise wie ein gutes Stück Rindfleisch entweder in seiner Feueraffinität und damit auch dem Einfluss auf den Körper gesteigert werden indem man es kurz unter heisser Flame zubereitete. Seine Wirkung konnte aber auch gemindert werden, indem man es auf eine Art zubereitete, die dem Wasser zugeschrieben wurde, wie das Verkochen in einem Eintopf. In diesem Fall musste die Energiequelle, die vortrefflich darin war einen wasseraffinen Fokus zu laden darauf eingestimmt werden heilende Kräfte in der Domäne der Luft zu entfaltet, während sie sich im Dampf bewegte, sich dann aber auch wieder als Wassertropfen am Holz der Laute absetzen sollte um diesen Effekt auf eine andere Art des Angriffs noch einmal auf die Laute zu bringen, der ihr schon in der Luft um sie herum zusetzen sollte.
Ysolde plante dies auf zweierlei Wegen zu bewerkstelligen. Zum einen die Lufttrocknung der Rinde, die sie sich aus der Zubereitung von Nahrung abgeleitet hatte und zum anderen hatte sie einen Teil der Molchsaugen beigefügt, die die Kräfte der Rinde ebenfalls auf die gewünschte Art der Heilung polen sollten. Daher hatte sie einen Teil so tief wie möglich auf natürliche Art und Weise in der Rinde versenkt wie sie es nur vermochte. Sie hatte nichts gepresst, nichts gestopft. Sie hatte nur durch eine Veränderung der Umstände die Konsistenz des Harzes langsam verändert und ihre Beigabe so zugegeben, dass sie dann mit dem Harz gemeinsam und so gut mit diesem vermischt wie möglich in die Rinde sog. So wie es die Art von Bäumen war zu existieren. Den zweiten Teil der Molchsaugen würde sie beimengen, wenn sie die Weidenrinde auf einen gleichen Feinheitsgrad zerstoßen hatte. Dann wurde es mühseelig, denn das vermengte Pulver musste dann noch viel feiner werden. Bei diesem Gedanken in Verbindung mit der Vorstellung von getrocknetem Harz konnte sich nicht anders als zu seufzen, aber es mussten gute Bedingungen für eine perfekte Verbindung mit dem Wachs geschaffen werden und das bedeutete zu mindest einen Nachmittag am Mörser. Dieser Umstand war nicht bevorzugt, aber durchaus akzeptabel, da er der Qualität ihrer Arbeit eine verbesserte Wertung gab.
Doch nun musste die Lufttrocknung ohne weitere Störungen passieren. Nicht gerade erpicht auf den Geruch der ihr entgegenschlagen würde, wenn sie die Heilstube das nächste Mal betrat nahm sie den halben Speckkrapfen, den sie gestern nicht geschafft hatte und überlegte kurz ihn warm zu machen. Ysolde entschied sich dagegen. Der schmeckt auch kalt und vor allem schmeckt er draussen. Mit diesem Gedanken fiel die Türe der Heilstube an diesem Nachmittag hinter ihr zu und dieser wart nurnoch ein entzückender Rücken zugewendet, als sie ihren Rock knöchelhoch raffte um ihr Abendessen irgendwo in der Nähe des Sumpfes zu sich zu nehmen. Zugegeben nicht der angenehmste Ort wie Ysolde befand, doch hatte dieser durchaus den Vorzug, dass weit und breit kein Nadelbaum zu erspähen war.
Gut gewachst ist halb ausgerutsch
Heute war ein wunderbarer Tag. Heute konnte sie die Heilerstube mir ruhigem Gewissen meiden und das würde sie sehr gewissenhaft tun. Erst musste noch die Trocknung der Weidenrinde gesichtet und diese sorgsam gewendet werden und sie würde alle paar Stunden kurz zurückkehren müssen um das feuchte Holz nachzulegen, das sie verwendete um das Feuer unter dem Kessel in dem ihr Dochtkonstrukt in Pottasche badete so kühl wie möglich zu halten, was sie durch das langsamere Herabbrennen beabsichtigte, dazu gab sie einen sehr großen Holzblock, der durch die absichtlich niedrig gehaltenen Flammen ebenfalls langsam herabbrennen und dabei Brennstoff auf lange Zeit darstellen sollte. Selbstredend war Ysolde aufgefallen, dass sich mit dem feuchten Brennholz auch mehr des dem Feuer entgegenstehenden Wasserelementes in der Umgebung des Kessels befinden würde. Doch hatte sie dies als geringfügigen Abstrich erachtet, da der Vorteil die Pottasche mehrere Tage in das Geflecht einwirken zu lassen eindeutig überwog. Hier konnte sie keine hohen Temperaturen einsetzen, da dies den Docht mit sicherheit zerstört hätte.
Doch nun war die Arbeit in der Heilstube für heute getan. Nun würde sie endlich das genießen, was andere Freizeit nennen. Einen Tag ins Blaue reiten, sich einfach treiben lassen und für Ysolde gab es an einem solchen Tag nichts schöneres als.... Feldforschung!!!
Als sie unlängst einige Kerzen für ihre Freunde aus Eichenwacht gezogen hatte war ihr dabei aufgefallen, dass Wachs das sie verwendete in seiner Zusammensetzung unterschied. Sie vermochte nicht zu sagen wie, was oder warum, aber sie entdeckte immerwieder 2 verschiedene Arten von Wachs. Wachs das sie dummerweise in einen Eimer geworfen hatte und nun nicht mehr vermochte zu Rückschlüsse zu ziehen woher der Unterschied kam. Glücklicherweise gab es hier einen nächsten Tag und Ysolde hatte aus einem Bienenstock eine ganze Wabe erbeutet. Als sie diese, daheim angekommen, genauer in Augenschein nahm stellte sie schnell fest, dass die Waben einfach mit einer anderen Art Wachs verschlossen wurden. Hätten wir das doch bloß früher gewusst... Ysolde überlegte was der Unterschied sein mochte. Da sie es nicht sagen konnte beschloss sie die Natur entscheiden zu lassen. So war sie an diesem Tag nicht wie immer mit 2 leeren Beuteln aufgebrochen, sondern mit 2 vollen. Einen den sie gedrungen von Zeitmangel mit Topfwachs beschriftet hatte, auf dem anderen stand Deckelwachs. Sie hätte sich natürlich schnell noch etwas überlegen können, aber so würde sie die Art des Wachses nicht am Namen verwechseln können. Schnell fand sie 2 Bienenvölker. Ein wildes Volk von Waldbienen, das am Fuße eines Hügels eine kleine Mulde als erste Wahl für den Bau ihres Refugiums erachtet hatten. Das andere war ein Honigbienenvolk, das sich in sonnigeren Gefilden einen Stock sein eigen nannte. Ysolde würde sie beide befragen. So suchte sich am Fuße des Hügels 2 gleichwertige Plätze in bezug auf Wind und Schatten und verteilte jeweils die Hälfte der Beutelinhalte auf einen dieser ausgesuchten Flecken. Dann tat sie das beim oberen Volk an zwei von der sonne beschienenen Orten. Nun würde sie beobachten, welche der beiden Wachsarten sie bevorzugen würden. Glücklicherweise hatte sie sich mit sich selbst ja für den Morgen ja auf einen luftaffinen Speiseplan geeinigt und so konnte sie die Bienen auf dem Hügel beobachten während sie ihren Linseneintopf löffelte ohne in einen Speisekonflikt mit dem Bienenvolk zu geraten. Schon bevor sie ihre Mahlzeit beendet hatte war klar, dass zu mindest das Volk der Honigbienen das Topfwachs bevorzugte. Die andere Probe würde sie gleich sichten. Jedoch blieb noch eine Frage offen. Was machten die Bienen mit dem Wachs. Diese Information hätte ihr noch wichtige Rückschlüsse geben können und war der ersten Sichtung am Fuße des Hügels vorzuziehen. Da sich Ysolde bislang ausschließlich auf die Heilkunst konzentriert hatte könnte man wohl sagen ihre Fertigkeiten die die Ausweitung ihrer Sprucheffekte bedingen sollten steckten noch in den Kinderschuhen. Das war ein Makel der zwar ausgebessert werden würde, aber nicht mehr heute. Ysolde hatte nämlich beschlossen einen Blick in das Innere des Bienestockes zu werfen und da sie weder ein Licht erschaffen, noch eine Laterne anzünden wollte um die Bienen nicht aufzuschrecken. Doch sie hatte an alles gedacht. Es gab eine Formel mit der sie in der Nacht sehen konnte wie am Tag, doch auch diese war durch ihren Mangel an Übung noch sehr bregrenzt. Daher näherte sie sich dem Bienenstock auf anderthalb Schritt. Sie plante sich nur langsam weiterzubewegen und da die Wirkung des Geisterauges auch nicht ewig anhielt wollte sie da beginnen wo sie schon in den Bienenstock sehen konnte. Ja sie hatte wirklich an alles gedacht. An alles? Kurz durchfuhr sie der Schrecken. Saidh Ansu Aerom. Eine ihr gut bekannte Formel und wie sie es immer zu tun pflegte hatte sie sie klar und deutlich ausgesprochen. Im Übereifer und der Vorfreude auf eine Entdeckung wohl zu klar zu deutlich, eher dem Bienenstock entgegengebrüllt. Die Wolke die sich auf sie zubewegte, konnte sie schon sehen, als sie sich im Stock formierte. Danke Geisterauge! Doch sie war geistestgegenwärtig und mit den Worten Neulen Meldes Aesred suchte sie der Gefahr zu entkommen.
Der Doppelschritt den sie gerade gewirkt hatte beschwor eine Windböe die sie in die gewünschte Richtung trug. Dazu musste sie nur den Ort mit den Augen fixieren und das tat sie. Bedauerlicherweise blieb ihr Blick an einem der Wachshaufen hängen, mittlerweile gut angewärmt von der Sonne und einen hellen Kontrast zum eintönig braunen Waldboden bildend. Sie zauderte, stolperte und ab ging es den Hügel hinab und wie sie feststellte mit sich erschreckend schnell erhöhender Geschwindigkeit. Sie musste improvisieren... wenn sie sich vorstellte sie wäre auf einem Kutschbock und würde vor sich ein Pferd... oh ein Ast! Im panischen Versuch ihre Geschwindigkeit zu reduzieren griff sie danach und ihr Vorhaben gelang. Bedauerlicher Weise kam mit der Reduktion der Geschwindigkeit auch ein gewisses chaotisches Element in ihre Talfahrt, oder anders gesagt die entzundenen Nüstern ihres Pferdes waren aus Versehen anstatt mit Wundwohl mit Gerbersäure behandelt worden. Mit zwei weiteren Doppelschritten kam sie zum stehen. Den dritten benötigte auch nur weil ihr Blick von einem der Wachshaufen am Fuße des Hügels gefangen wurde und sie erneut in einem solchen landete, allerdings schon im flachen Teil des Waldes und auf kühlem Wachs. So schaffte sie es schlussendlich nach dem letzten Doppelschritt einen Baum zu umarmen und blieb für einige Momente genau so, ohne sich zu regen. Kurz überlegte sie noch ob ihr diese Erkenntnis nun etwas gebracht hätte, verwarf sie aber gleich wieder, denn wer will sich schon Wachs an die Schuhsohlen schmieren um einen Hügel hinunter zu rutschen.
Doch abseits kleiner Fehlschläge war die Feldforschung ein voller Erfolg. Sie würde in jedem Fall das Topfwachs verwenden.
