Die Guten und die Bösen
Charaktere können nicht ausnahmslos als gut oder böse eingestuft werden, denn in ihnen vereinen sich viele Schattierungen an Gefühlen, Handlungsweisen und Eigenschaften. Ebenso ist die Einschätzung, ob jemand gut oder böse ist, subjektiv und kann von Charakter zu Charakter stark abweichen.
Gut und Böse sind nur sehr vage Begriffe, was sehr viel Spielraum erlaubt. Wichtig ist hierbei, dass man auf die Sinnhaftigkeit der Gesinnung achtet. So wird jemand nicht ohne Grund sein Leben für einen Fremden opfern oder einfach den nächstbesten Passanten mit dem Knüppel attackieren nur weil er eben “sehr gut” oder “sehr böse” ist.
In der Beurteilung der Gesinnung kommt es darauf an, welche Ziele, Motivationen und Gefühle ein Charakter hat und welche Mittel er einsetzt, um diese zu erreichen. Auch sein Toleranzbereich und seine Hemmschwelle spielen eine Rolle, also ab welchen Umständen er bereit ist, moralisch verwerfliche Mittel oder Gewalt einzusetzen.
Die Gesinnung schreibt allerdings keinesfalls das zwischenmenschliche Verhalten vor. Kein Mensch handelt “immer gut”, oder “immer böse”, daher beschreibt die Gesinnung eher eine Gesamtbeurteilung des Charakters.
“Gute” Charaktere orientieren sich in ihrem Verhalten sehr oft an Rechtmäßigkeit, Ehre, Moral und Sitte, versuchen hehre Methoden anzuwenden und streben nach moralischer Perfektion. Das Ziel ist hierbei der Weg und weniger das Resultat, das meist auch mit anderen Mitteln erreicht werden könnte. Damit einher kann allerdings auch eine gewisse Entmenschlichung der wahrgenommenen Gegenseite gehen – der Feind verdient also in den Augen eines “guten” Charakters nicht immer die gleiche Behandlung wie die eigene Seite.
“Böse” Charaktere stellen von Moral und Rechtmäßigkeit bedingt unabhängige Ziele vor Ehre, Recht und Sitte. Das Ziel ist hierbei zumeist so wichtig, dass der Weg dorthin nicht immer den idealisierten Ansprüchen der (guten) Gesellschaft entspricht. Jedes Hindernis, auch in Form von anderen Charakteren, gilt als Bedrohung, die beseitigt oder unschädlich gemacht werden muss, was zumeist als erhöhte Konfliktbereitschaft und Gnadenlosigkeit ausgelegt wird.
